Solche Andeutung verbesserte die Stimmung des dicken Gastwirths sichtlich, er kam sogar auf den unglücklichen Einfall, höflich auszusehen. Jetzt frug der Kaufmann nach den Fuhrleuten und nach den Wagen. Diese Fragen kamen dem Wirthe quer. Zuerst versuchte er gar nichts zu wissen und behauptete, es seien viele Wagen in seinem Hofe aufgefahren, und es seien wohl auch Fuhrleute da, er kenne sie nicht.

Vergebens bemühte sich der Kaufmann, ihm den Zweck seiner Herkunft verständlich zu machen, der Wirth blieb verstockt und verfiel wieder in mürrische Grobheit, bis der junge Pole dazwischen trat und dem Kaufmann bemerkte, mit solchen Leuten müsse man anders reden. Er stellte sich vor den Wirth, bezeichnete ihn mit mehreren Hundenamen und versprach, ihn auf der Stelle arretiren und abführen zu lassen, wenn er nicht die genaueste Auskunft gebe.

Der Wirth sah scheu auf den Offizier und erbot sich endlich, fortzugehen und einen der Fuhrleute heraufzuschicken.

Kurz darauf polterte eine lange Gestalt mit braunem Filzhut die Treppe herauf, stutzte beim Anblick des Kaufmanns und erklärte endlich mit erzwungener Freundlichkeit, er sei da.

»Wo stehn die Wagen, wo sind die Frachtbriefe?«

Die Wagen waren im Hofe der Herberge aufgefahren, die Frachtbriefe kamen zögernd aus der schmutzigen Ledertasche des Fuhrmanns.

»Ihr steht mir dafür, daß Eure Ladung vollständig und unversehrt ist?« frug der Kaufmann.

Mißvergnügt antwortete der Filzhut, er könne dafür nicht stehen. Die Pferde des Transports seien ausgespannt und in einem versteckten Stall verborgen, damit sie nicht von der Regierung mit Beschlag belegt würden; was von den Wagen heruntergekommen sei, könne er nicht wissen und nicht vertreten, jede Verantwortlichkeit höre bei solcher Unordnung auf.

»Wir sind in einer Diebeshöhle,« sagte der Kaufmann zu seinem Begleiter; »ich bitte um Ihre Hülfe, die Leute zur Ordnung zu bringen.«

Andere Leute zur Ordnung zu bringen, war gerade, was der junge Pole für seine Stärke hielt, denn er nahm lächelnd eine Pistole in die Hand und sagte verbindlich zu Anton: »Thun Sie wie ich und haben Sie die Güte, mir zu folgen.« Darauf faßte er den Fuhrmann beim Kragen wie einen erschossenen Hasen und schleppte ihn die Treppe hinunter in den Hausflur. — »Wo ist der Wirth?« rief er mit möglichst furchtbarer Stimme. »Der Hund von Wirth und eine Laterne.« Als die Laterne endlich gebracht wurde, führte er den ganzen Zug, die Fremden, den gefangenen Fuhrmann, den dicken Wirth und was bei dem Lärm sonst zusammengelaufen war, in den Hof. Dort stellte er sich mit seinem Gefangenen als Mittelpunkt eines Kreises auf, widmete dem Wirth noch einige Hundesöhne, schlug seinen Fuhrmann mit dem Kolben der Pistole auf den Kopf und sagte dann dem Kaufmann artig in französischer Sprache: »Der Schädel dieses Burschen klingt merkwürdig hohl, was wünschen Sie zunächst von diesen Tröpfen?«