»Haben Sie die Güte, die Fuhrleute zusammenzurufen.«

»Gut,« sagte der Pole, »und dann?«

»Dann will ich die Ladung der Wagen untersuchen, wenn das in der Finsterniß möglich ist.«

»Möglich ist Alles,« sagte der Pole, »wenn Sie sich die Unbequemlichkeit machen wollen, bei Nacht diese alte Leinwand zu durchforschen. Ich würde Ihnen zu einer Flasche Sauterne rathen und zu einigen Stunden Ruhe. Man muß in solchen Zeiten die Gelegenheit nicht versäumen, sich zu stärken.«

»Ich würde es vorziehn, auf der Stelle die Wagen anzusehen,« antwortete der Kaufmann lächelnd, »wenn Sie nichts dagegen haben.«

»Ich bin im Dienst,« sagte der Pole, »also frisch an's Werk, es sind Hände genug hier, um Ihnen die Lichter zu halten. — Ihr gottverdammten Schurken,« fuhr er polnisch fort, wieder den Fuhrmann knuffend und den Wirth bedrohend, »ich führe Euch Alle zusammen ab und lasse Standrecht über Euch halten, wenn Ihr nicht auf der Stelle die übrigen Fuhrleute dieses Herrn vor meine Augen schafft. Wie viel sind ihrer?« frug er französisch den Kaufmann.

»Es sind vierzehn Wagen,« erwiederte dieser.

»Vierzehn müssen's sein,« donnerte der Pole wieder die Leute an, »der Teufel soll all Euren Großmüttern das Aergste thun, wenn Ihr Euch nicht auf der Stelle vor diesem Herrn aufstellt.« Mit Hülfe eines alten Hausknechts wurde endlich etwa ein Dutzend der Fuhrleute herbeigeschafft, zwei waren nicht aufzutreiben; der Wirth gestand endlich, sie hätten sich dem Heere der Patrioten angeschlossen.

Der Pole schien nicht viel Werth auf diesen Patriotismus zu legen. Er sprach zum Kaufmann gewandt: »Hier haben Sie die Leute, sehen Sie nach der Ladung; wenn auch nur ein Stück fehlt, lasse ich über die ganze Gesellschaft Standrecht halten.« Dabei setzte er sich nachlässig auf eine Wagendeichsel und drehte die Spitzen seiner beschmutzten Glanzstiefeln beim Licht der Laterne hin und her.

Eine Anzahl von Laternen, auch einige Fackeln wurden gebracht, und auf einige ermuthigende Worte des Kaufmanns stiegen die Fuhrleute in die Wagenburg, welche in dem großen Hofe aufgefahren war, rollten einige leere Wagen bei Seite und eröffneten den Zugang zu ihrer Ladung. Die meisten waren schon früher im Geschäft des Kaufmanns gewesen und kannten ihn und Anton persönlich, einige zeigten sich dienstfertig und gutwillig, und während der Kaufmann den verständigsten unter ihnen vornahm und ausfrug, untersuchte Anton, soweit es in der Eile möglich war, die Beschaffenheit der Ladung, welche zumeist aus Wolle und Talg bestand. Einige Wagen waren unbeschädigt, der eine war ganz abgeladen, mehrere andere ihrer Decken beraubt und theilweise geplündert. Der Kaufmann trat zu dem jungen Polen. »Es ist so, wie wir annahmen,« sagte er; »der Wirth hat einige von den Fuhrleuten überredet, da jetzt Revolution sei, hätten ihre Verpflichtungen aufgehört; sie haben angefangen, die Ladung in einem Nebengebäude abzuladen. Kamen wir einen Tag später, so war Alles ausgeräumt. Der Wirth und einige Spießgesellen waren die Anstifter, ein Theil der Fuhrleute ist durch Drohungen eingeschüchtert worden.«