»Sie bluten,« rief Anton, bestürzt zu dem Arm des Kaufmanns aufblickend.

»Es muß unbedeutend sein, ich kann den Arm bewegen,« antwortete der Kaufmann schnell. »Oeffnet das Hinterthor, hinaus mit den Wagen! Vorwärts, Ihr Männer! — Einer der Fuhrleute wird Ihnen helfen, den Wirth festzuhalten.«

»Und wo sollen wir hin?« frug Anton in englischer Sprache. »Sollen wir mit den Wagen hinein in das Blutvergießen der Straße?«

»Wir haben einen Passirschein und werden die Stadt verlassen,« erwiederte der Kaufmann hartnäckig.

»Man wird den Paß nicht respectiren,« rief Anton wieder und hielt dem ungeduldigen Wirth seine Pistole an die Stirn.

»Im schlimmsten Falle giebt es mehrere Herbergen in diesem Theile der Stadt, jede andere wird eine bessere Zuflucht sein.«

»Aber die Fuhrleute sind nicht vollzählig und haben zum Theil bösen Willen.«

»Den bösen Willen Einzelner bezwinge ich,« antwortete der Kaufmann finster; »die Gespanne sind vollzählig, es fehlen nur die Knechte. Wer Pferde besaß, blieb bei seiner Pflicht. — Das Thor ist geöffnet, hinaus mit den Wagen!«

Das hintere Thor führte auf einen offenen Platz, der mit Schutt und Bausteinen bedeckt und von einzelnen ärmlichen Häusern umgeben war. Der Kaufmann eilte an das Thor und trieb zur Abfahrt. Ein stämmiger Bursche kam von seinen Pferden zur Unterstützung Antons herbei. Es waren angstvolle Momente. In der Nähe des Hauses rangen Anton und sein Gehülfe mit dem liegenden Mann, und an der Thür heulten die häßliche Frau des Liegenden und die beiden Dienstmädchen. Als der erste Wagen durch das Hofthor hinausfuhr, wurde das Geschrei der Weiber lauter, die Wirthin rief Mord und Hülfe und die Mädchen ächzten um so herzhafter, je eifriger der junge Fuhrmann ihnen versicherte, dem Herrn Wirth solle kein Leid geschehen, wenn er nur ruhig liegen bleibe; und ihre Zeche würden sie auch bezahlen.

Da donnerten Kolbenschläge an das verschlossene Hausthor, die Weiber stürzten hin und öffneten; und so groß war die hoffnungslose Spannung der letzten Augenblicke gewesen, daß Anton mit einer gewissen Befriedigung ein starkes Commando Bewaffneter in den Hof dringen sah. Er erhob sich vom Boden und ließ den Wirth los. Der Kaufmann aber ging langsam, mit wankendem Schritt als ein gebrochener Mann den Feinden entgegen, welche im entscheidenden Augenblick seinen Willen hinderten.