Anton rief erstaunt: »Tinkeles, seid Ihr's wirklich?« und trat auf ihn zu. Tinkeles schrak zusammen, wie von einem Blitzstrahl getroffen, und starrte mit aufgerissenen Augen Anton an, ein Bild des Schreckens und der Furcht. »Gott gerechter!« waren die einzigen Worte, welche über seine blutlosen Lippen kamen.
»Was habt Ihr, Tinkeles? Ihr seht ja aus wie ein armer Sünder! Was treibt Ihr hier am Platz? und wie zum Teufel kommt Ihr grade in dieses Haus?«
»Ich kann doch nichts dafür, daß ich hier bin,« antwortete der Geschäftsmann noch immer in halber Bewußtlosigkeit; »ich kann doch nichts dafür, daß der Prinzipal hat solches Unglück gehabt mit dem Menschen. Sein Blut ist ja geflossen wegen der Waaren, welche der Mausche Fischel hatte abgeschickt und hatte das Geld bereits gezogen. Ich bin unschuldig, Herr Wohlfart, auf meine ewige Seligkeit, ich habe nicht gewußt, daß der Wirth ist ein so schlechter Mensch, und wird die Hand aufheben gegen den Herrn, welcher vor ihm steht ohne Hut, ohne Mütze. — Ohne Mütze,« jammerte er lauter, »in bloßem Kopf, Sie können glauben, es ist mir gewesen, als wenn ein Schwert fiele in meinen Leib, als ich habe gesehen, wie der Wirth sich benommen hat so gewaltthätig gegen einen Mann, der vor ihm stand mit aufgerichtetem Haupt als ein Ehrenmann, was er ist gewesen sein Lebelang.«
»Hört, Schmeie,« sagte Anton, erstaunt auf den Galizier blickend, der immer noch darnach rang, durch Worte seine Fassung wieder zu gewinnen, »hört, mein Bursch, Ihr seid hier in dieser Herberge gewesen, als die Wagen geplündert wurden, Ihr habt aus einem Versteck unsern Streit mit dem Wirth angesehen. Ihr kennt den Wirth und wohnt noch hier, ich will Euch gerade heraus sagen, was Ihr mir zur Hälfte eingestanden habt. Ihr habt von dem Abladen der Wagen gewußt; und ich will Euch noch etwas anvertrauen, Ihr habt ein Interesse daran gehabt, daß die Fuhrleute hier zurückblieben, und Ihr habt mit dem Wirth unter einer Decke gesteckt. Nach dem, was Ihr mir gesagt habt, lasse ich Euch nicht los, bevor ich Alles weiß. Ihr werdet entweder jetzt auf mein Zimmer kommen und mir freiwillig gestehen, was Ihr wißt, oder ich führe Euch zum Militär und lasse Euch von den Soldaten verhören.«
Tinkeles war vernichtet. »Gott meiner Väter, es ist schrecklich, es ist schrecklich!« wimmerte er leise und klapperte mit den Zähnen.
Anton fühlte Mitleid mit der großen Angst des Mannes und sagte: »Kommt mit mir, Tinkeles; ich verspreche Euch, wenn Ihr ehrlich gesteht, soll Euch nichts geschehen.«
»Was soll ich gestehn dem Herrn,« ächzte Schmeie, »wo ich doch nichts habe zu gestehn?«
»Wenn Ihr nicht gutwillig kommt, so rufe ich die Soldaten,« sagte Anton barsch.