»Nichts von Soldaten,« bat Tinkeles wieder schauernd, »ich will kommen mit Ihnen und will sagen, was ich weiß, wenn Sie mir wollen versprechen, daß Sie mich verrathen gegen Niemanden, nicht an Ihren Prinzipal und nicht an Mausche Fischel, auch nicht an den schlechten Menschen diesen Wirth, und an keinen Soldaten.«

»Kommt,« sagte Anton und wies mit der Hand die Straße hinab. So führte er den Willenlosen wie einen Gefangenen mit sich fort und verwandte kein Auge von ihm, weil er befürchtete, daß Schmeie den Rathschlägen seines bösen Gewissens folgen und in eine Seitengasse entlaufen könnte.

Der Galizier hatte nicht den Muth dazu, er schlich mit gesenktem Haupt neben Anton her, sah ihn zuweilen seufzend an und gurgelte unverständliche Worte vor sich hin. Auf Antons Zimmer fing er aus freien Stücken an: »Es ist mir gewesen eine Last auf meinem Herzen, ich habe nicht können schlafen, ich habe nicht können essen und trinken, und wenn ich gelaufen bin, um zu machen ein Geschäft, so hat es mir in der Seele gelegen, wie ein Stein in einem Glase: wenn man trinken will, fällt der Stein auf die Zähne, und man beschüttet sich mit Wasser. Weh! was habe ich mich beschüttet!«

»So redet,« sagte Anton, wieder erweicht durch die aufrichtige Klage.

»Ich bin hergekommen wegen der Wagen,« fuhr Tinkeles hastig fort und sah Anton furchtsam an. »Der Mausche hatte doch mit Ihnen gehandelt seit zehn Jahren, und immer ehrlich, und Sie haben verdient ein gutes Stück Geld an ihm; und da hat er gemeint, daß jetzt gekommen wäre die Zeit, wo er anfangen könnte ein großes Geschäft und mit Ihnen seine Abrechnung machen.« Und wie losgegangen ist das Geschrei und das Geschmuse, da ist er zu mir gekommen und hat zu mir gesagt: »Schmeie,« sagt' er, »du hast keine Furcht,« sagt' er. »Laß sie schießen und gehe unter sie und sieh, daß du anhältst die Wagen für mich. Vielleicht kannst du sie verkaufen unterwegs, vielleicht bringst du mir sie zurück, es ist immer besser, wir haben sie, als es hat sie ein Anderer.« »So bin ich hergekommen und habe gewartet, bis die Wagen angekommen sind, und habe gesprochen mit dem Wirth, weil die Waaren doch nicht würden kommen in Ihre Hände, wäre es am besten, sie kämen wieder in unsere. Aber daß der Wirth soll sein ein solcher Blutmensch, das habe ich nicht gewollt und habe ich nicht gewußt, und seit ich habe gesehen, wie er Ihrem Herrn hat aufgeschnitten den Rock, habe ich keine Ruhe gehabt, und ich habe immer gesehn vor mir das blutige Hemd und das feine Tuch von seinem grünen Rock, welches entzwei geschnitten war.«

Anton hörte die Geständnisse des Tinkeles mit einem Interesse an, welches den Widerwillen überwog, den er gegen das — nicht seltene — Manöver der galizischen Händler empfand. Er begnügte sich, dem Sünder zu sagen: »Eurer Schurkerei verdankt Herr Schröter seinen wunden Arm, und wären wir Euch nicht in die Quere gekommen, so hättet Ihr uns zwanzigtausend Thaler gestohlen.«

»Es sind nicht zwanzigtausend,« rief Schmeie sich windend, »die Wolle steht schlecht, und mit Talg ist nichts zu machen. Es sind weniger als zwanzig.«

»So,« sagte Anton verächtlich, »und was werde ich jetzt mit Euch thun?«

»Thun Sie nichts mit mir,« bat Schmeie beweglich und legte seine Hand bittend auf Antons Rock. »Lassen Sie schlafen die ganze Geschichte. Sie haben die Waaren, seien Sie damit zufrieden. Es ist ein schönes Geschäft, das der Mausche Fischel nicht hat machen können, weil Sie ihn haben daran gehindert.«

»Es thut Euch noch leid?« erwiederte Anton erzürnt.