»Es ist mir recht so, daß Sie die Waaren haben,« sagte der Jude, »denn Sie haben vergossen Ihr Blut darüber. Und deßhalb thun Sie nichts mit mir; ich will sehen, daß ich Ihnen kann in andern Sachen zu Gefallen sein. Wenn Sie etwas zu thun haben hier am Ort für mich, es wird mir sein eine Beruhigung, daß ich Ihnen kann zu etwas verhelfen.«

Anton antwortete kalt: »Wenn ich Euch auch versprochen habe, Eure Spitzbüberei dem Gericht nicht anzuzeigen, so können wir doch mit Euch kein Geschäft mehr machen. Ihr seid ein schlechter Mensch, Tinkeles, und habt Euch gegen unser Haus unredlich bewiesen. Wir sind von jetzt ab geschiedene Leute.«

»Warum sagen Sie mir, daß ich ein schlechter Mensch bin?« klagte Tinkeles; »Sie haben mich gekannt als ehrlichen Mann seit Jahren, wie können Sie sagen, daß ich schlecht bin, weil ich habe einmal machen wollen ein Geschäft, und habe dabei Unglück gehabt und hab's nicht gemacht? Ist das schlecht?« —

»Es ist genug,« sagte Anton, »Ihr könnt jetzt gehen.« Tinkeles blieb stehen und frug: »Können Sie vielleicht brauchen neue kaiserliche Ducaten? Ich kann sie Ihnen besorgen mit fünf und ein Viertel« — »Ich will nichts von Euch,« sagte Anton, »geht.«

Der Jude ging zögernd bis zur Thür und drehte wieder um. »Es ist zu machen ein schönes Geschäft mit Hafer, wenn Sie wollen mit übernehmen die Lieferung, ich will Ihnen einen Theil verschaffen: es ist dabei zu verdienen ein rares Geld.«

»Ich mache keine Geschäfte mit Euch, Tinkeles; geht in Gottes Namen.«

Der Jude schlich hinaus: noch einmal kratzte es an der Thür, aber das Gewissen war in dem Schelm so mächtig geworden, daß er sich nicht mehr in das Zimmer traute. Nach einigen Minuten sah Anton, wie er schwermüthig quer über die Straße ging.

Seit diesem Tage wurde Anton durch den reuigen Tinkeles in Belagerungszustand gesetzt. Kein Tag verlief, wo der Galizier sich nicht an Anton herandrängte und in seiner Weise Versöhnung mit ihm suchte. Bald überfiel er ihn auf der Straße, bald störte sein unsicheres Klopfen den Beschäftigten am Schreibtisch, immer aber hatte er etwas anzubieten, oder Neues mitzutheilen, wodurch er Gnade zu erwerben hoffte. Rührend war seine Erfindungskraft, er erbot sich, alles Mögliche für Anton zu kaufen, oder zu verkaufen, jede Art von Geschäftsgängen zu machen, zu spioniren und zuzutragen. Und als er entdeckte, daß Anton auch mit Offizieren verkehrte, und daß besonders ein junger Lieutnant mit zartem Gesicht und einem kleinen Bart zuweilen mit Anton aus der Restauration ging und die Wohnung desselben besuchte, da fing Tinkeles an, auch solche Gegenstände anzubieten, die nach seiner Meinung für einen Offizier angenehm sein mußten. Anton blieb zwar dabei, jedes Geschäft mit dem Sünder zu vermeiden, konnte aber zuletzt nicht mehr über's Herz bringen, den armen Teufel rauh zu behandeln, und Tinkeles erkannte aus manchem unterdrückten Lächeln oder aus kurzen Fragen Antons, daß seine Fürsprache beim Chef des Hauses nicht unmöglich sei. Und er warb darum mit der Ausdauer seines Ahnherrn Jakob.

An einem Morgen klirrte der junge Rothsattel in Antons Zimmer. »Ich werde krank gemeldet, habe starken Katarrh und muß in meinem trostlosen Quartier bleiben,« sagte er, sich auf dem Sopha niederlassend. »Sie können mir heut Abend helfen die Zeit vertreiben. Wir spielen eine Partie Whist. Ich habe noch unsern Doctor und einen und den andern Kameraden dazu aufgefordert. Werden Sie kommen?« — Erfreut und ein wenig geschmeichelt sagte Anton zu. »Gut,« fuhr der junge Herr fort, »dann müssen Sie mir auch die Möglichkeit geben, mein Geld an Sie zu verlieren; das elende Vingt-un hat mir die Taschen rein ausgefegt. Leihen Sie mir auf acht Tage zwanzig Ducaten.« »Mit Vergnügen,« sagte Anton und suchte eilig seine Börse hervor.