»Vielleicht werde ich mich erinnern,« erwiederte der Galizier mit einem eigenthümlichen Ausdruck, der dem bekümmerten Anton entging. »Und so haben wir geschlossen unsere Rechnung, ich habe Ihnen Sorge gemacht und Gefahr, dafür habe ich Ihnen jetzt gethan einen Gefallen. Einen großen Gefallen,« setzte er selbstgefällig in das betroffene Gesicht Antons blickend hinzu. — »Können Sie gebrauchen Louisd'or gegen Banknoten?« frug er plötzlich im Geschäftston; »ich kann Ihnen lassen Louisd'or, wenn Sie mir dafür geben Ducaten oder Banknoten.«
»Ihr wißt, ich mache keine Geldgeschäfte,« antwortete Anton zerstreut. — »Vielleicht können Sie abgeben Wiener Wechsel auf gute Häuser?« — »Ich habe keine Wechsel abzugeben,« sagte Anton ärgerlich.
»Gut,« sagte der Jude, »eine Anfrage beißt Niemanden,« und wandte sich zum Gehen. An der Thür hielt er noch einen Augenblick an. »Dem Seligmann, der das Pferd hat vorgeführt für die Herren und hat auf die Herren gewartet einen ganzen halben Tag, habe ich geben müssen zwei Gulden Münz. Es ist eine baare Auslage, die ich gehabt habe für Sie, wollen Sie mir nicht wiedergeben meine zwei Gulden?«
»Gott sei Dank!« rief Anton wider Willen lächelnd, »jetzt seid Ihr wieder der alte Tinkeles. Nein, Schmeie, die zwei Gulden bekommt Ihr nicht.«
»Und Sie wollen mir nicht abnehmen die Louisd'or gegen Papier auf Wien?«
»Auch nicht,« erwiderte Anton.
»Adjes,« sagte Tinkeles. »Wenn ich Sie wiedersehe, sind wir gut Freund mit einander.« Er ergriff die Klinke. »Und wenn Sie wissen wollen den Namen von diesem Mann, der den Rothsattel so herunterbringen kann, daß er klein wird, wie das Gras auf der Landstraße, wo Jedermann tritt darauf, so fragen Sie nach dem Buchhalter von Hirsch Ehrenthal, mit Namen Itzig. Veitel Itzig wird sein der Name.« Bei diesen Worten eilte Tinkeles zur Thür hinaus. Anton sprang ihm nach, aber der Händler hörte nicht auf sein Rufen und war aus der Hausthür geschlüpft, bevor Anton ihn einholen konnte. Da gegründete Aussicht war, ihn in Kurzem wieder zu sehen, so ging Anton, sehr beschäftigt durch die Geständnisse des wunderlichen Heiligen, auf sein Zimmer zurück.
Was er gehört hatte, mußte er sogleich dem Sohne des Freiherrn mittheilen. Er sagte sich, daß bei dem großen Zartgefühl seines militärischen Freundes diese Mittheilung schwierig sei. »Aber es muß geschehen, noch heut Abend ziehe ich ihn bei Seite, ich gehe zeitig zu ihm, oder bleibe beim Aufbruch zurück.«