»Woher habt Ihr diese Nachricht?« rief Anton erschrocken. »Es ist unmöglich,« setzte er ruhiger hinzu, »es ist eine Unwahrheit, Geschwätz von Winkelagenten und ähnlichem Volk.«
»Glauben Sie meiner Rede,« sprach der Jude mit einem eindringlichen Ernst, welcher seine Figur größer machte und sogar seine Sprache weniger mißtönend. »Sein Vater ist unter den Händen von Einem, der heimlich wandelt wie ein Engel des Verderbens. Er geht und legt seinen Strick um den Hals der Menschen, die er bezeichnet hat, ohne daß ihn Einer sieht. Er zieht den Strick zu, und sie fallen um, wie die hölzernen Kegel. Warum wollen Sie Ihr Geld verlieren an solche Leute, die schon tragen die Schlinge am Halse?«
»Wer ist der Teufel, den Ihr meint, wer hat den Baron in Händen?« rief Anton in einer Aufregung, welche ihn alle Vorsicht vergessen ließ.
»Was nützt der Name,« erwiederte der Galizier kalt. »Wenn ich auch wüßte den Namen, so würde ich ihn doch nicht sagen, und wenn ich ihn sage, es kann Ihnen nichts helfen und dem Rothsattel auch nicht, denn Sie kennen den Mann nicht, und Ihr Baron kennt ihn vielleicht auch nicht.«
»Ist dieser Mann Ehrenthal?« frug Anton.
»Ich kann den Namen nicht sagen,« wiederholte der Händler mit einem Achselzucken, »aber der Hirsch Ehrenthal ist es nicht.«
»Wenn ich Euren Worten glauben soll, und wenn Ihr mir damit einen Dienst leisten wollt,« fuhr Anton ruhiger fort, »so müßt Ihr mir Genaues mittheilen. Ich muß den Namen dieses Mannes wissen, und ich muß Alles wissen, was Ihr über ihn und den Freiherrn gehört habt.«
»Nichts habe ich gehört,« antwortete der Händler verstockt, »wenn Sie mich fragen wollen, wie die Gerichte fragen. Eine Rede, die gesprochen, verfliegt in der Luft, wie ein Geruch, der Eine fängt das auf, der Andere jenes. Ich kann Ihnen nicht sagen die Worte, die ich gehört habe, und ich will sie nicht sagen um vieles Geld. Ich will nicht die Hand legen an meine Gebetschnüre und vor Gericht zeugen. Was ich spreche, ist gut für Ihr Ohr und für kein anderes. Ihnen aber sage ich, daß Zwei haben zusammen gesessen nicht einen Abend, viele Abende, und nicht in einem Jahre, sondern mehrere Jahre, und sie haben leise mit einander gemurmelt in unserer Herberge hinten an dem Geländer, wo unten das Wasser läuft. Und das Wasser hat gemurmelt unten, und sie haben gemurmelt oben über dem Wasser. Ich lag in der Stube auf meinem Strohsack, daß sie glaubten, ich schliefe. Und oft habe ich gehört aus dem Munde von Beiden den Namen Rothsattel und den Namen von seinem Gute. Und ich weiß, daß ein Unglück über ihm steht, aber weiter weiß ich nichts. Und jetzt ist es gesagt und ich werde gehen. Der gute Rath, den ich Ihnen gegeben habe, soll sein Ihre Bezahlung für den Tag, wo Sie gefochten haben mit einer Pistole für die Wolle und für die Häute. Und Sie werden denken an das Versprechen, das Sie mir gegeben haben.«
Anton sah besorgt vor sich nieder. Durch Bernhard wußte er, daß der Freiherr mit Ehrenthal in vielfacher Verbindung stand, und dieser Verkehr des Gutsbesitzers mit dem übelberüchtigten Speculanten war ihm schon oft auffallend erschienen. Aber was Tinkeles sagte, klang doch zu unglaublich, er selbst hatte nie etwas Ungünstiges über die Verhältnisse des Freiherrn gehört. »Bei dem, was Ihr mir heut erzählt habt,« sprach er nach einer Weile, »kann ich mich nicht beruhigen. Ihr werdet Euch besinnen, vielleicht erinnert Ihr Euch an die Namen und einzelnen Worte, die Ihr gehört habt.«