»Ist das ein verrückter Kerl!« rief der Lieutnant, dem Davoneilenden nachsehend.

»Er ist sonst nicht so schnell bereit, sich zu entfernen,« erwiederte Anton, verwundert über das räthselhafte Benehmen des Geschäftsmannes. »Wahrscheinlich hat Ihre Uniform seinen Abgang beschleunigt.«

»Ich hoffe, sie hat Ihnen einen Gefallen gethan. Also heut Abend,« sagte der Lieutnant grüßend und verließ das Zimmer.

Am Nachmittag tönte wieder das leise Klopfen an Antons Thür, Tinkeles erschien auf's Neue. Er sah sich vorsichtig in der Stube um und trat, ohne auf Antons finstere Stirn zu achten, nahe an ihn heran. »Erlauben Sie mir zu fragen,« sprach er mit vertraulichem Kopfschütteln, »ist es in der Wahrheit, daß Sie ihm geborgt haben zwanzig Ducaten, und daß Sie ihm geben würden noch mehr, wenn er mehr haben wollte?«

Anton sah den Händler erstaunt an und sagte aufstehend: »Ich habe ihm das Geld gegeben und werde ihm noch mehr geben. Und jetzt sagt Ihr mir gerade heraus, was Euch im Kopfe herumgeht. Denn ich sehe, Ihr habt mir etwas mitzutheilen.«

Tinkeles machte ein schlaues Gesicht und zwinkerte bedeutungsvoll mit den Augen. »Wenn er auch ist Ihr guter Freund, so nehmen Sie sich doch in Acht, daß Sie ihm borgen kein Geld. Wissen Sie was, borgen Sie ihm keinen Gulden mehr,« wiederholte er nachdrücklich.

»Und weßhalb nicht?« frug Anton. »Euer guter Rath ist mir nichts werth, wenn ich nicht weiß, aus welchen Gründen Ihr mich warnt.«

»Und wenn ich Ihnen sage, was ich weiß, wollen Sie dann sprechen für mich bei Herrn Schröter, daß er nicht mehr denkt an die Frachtwagen, wenn er mich sieht in Ihrem Comtoir?« frug der Jude schnell.

»Ich will ihm sagen, daß Ihr mir seit der Zeit in anderer Weise ehrlich gedient habt. Was er dann thun wird, steht bei ihm,« erwiederte Anton eben so schnell.

»Sie werden sprechen für mich,« sagte der Händler, »das ist mir genug. Und Sie sollen hören, was Ihnen erhalten kann Ihr gutes Geld. — Es steht faul mit dem Rothsattel, dem Vater dieses jungen Menschen, sehr faul; das Unglück hält über ihn eine schwarze Hand. Er ist ein verlorner Mensch. Es ist ihm nicht zu helfen.«