»Warum soll ich ihn nicht kennen, wenn er es ist, welcher das große Gut hat in Ihrem Lande und jetzt gebaut hat eine Fabrik, worin er macht Zucker aus Viehfutter.«
»Er meint Ihren Herrn Vater,« sagte Anton zum Lieutnant; »Tinkeles hat seine Verbindung auch in unserer Provinz und hält sich oft Monate bei uns auf.«
»Was ich höre!« rief der Galizier nachdenkend, »es ist der Vater von dem Herrn Offizier. Um Vergebung, Herr Wohlfart, also Sie sind bekannt mit dem Herrn Baron, welcher ist der Vater von diesem Herrn!« — Um den Schnurrbart des Lieutnant zuckte ein Lächeln.
»Ich habe den Vater dieses Herrn wenigstens gesehen,« antwortete Anton, unwillig über die zudringliche Frage des Händlers und darüber, daß er das Erröthen seiner Wangen fühlte.
»Und um Vergebung, wenn ich fragen darf, Sie kennen den Herrn Offizier genau, wie man kennt einen jungen Freund —«
»Was geht Euch das an, Tinkeles?« frug Anton barsch und erröthete noch tiefer, weil er auf die Frage nicht so recht zu antworten wußte.
»Ja, er ist mein guter Freund, Jude,« sagte der Lieutnant, auf Antons Schulter schlagend. »Er ist mein Cassirer, er hat mir heute erst zwanzig Ducaten geborgt und wird mir kein Geld geben, um dein Pferd zu kaufen. Also geh zum Teufel.«
Der Händler lauschte mit vorgebogenem Hals auf jedes Wort des Offiziers und sah die jungen Männer mit einer Neugierde, und wie Anton zu bemerken glaubte, mit einer Theilnahme an, welche von seinem gewöhnlichen lauernden Wesen verschieden war. »Also zwanzig Ducaten hat er Ihnen geborgt,« wiederholte er mechanisch, »er wird Ihnen auch mehr borgen, wenn Sie mehr von ihm verlangen. Ich weiß,« murmelte er, »ich weiß.«
»Was wißt Ihr?« frug Anton.
»Ich weiß doch, wie es ist unter jungen Herren, welche gut Freund mit einander sind,« sagte der Händler mit einer nachdrücklichen Bewegung des Kopfes. »Also Sie können das Pferd nicht brauchen, Herr Wohlfart? So empfehle ich mich Ihnen, Herr Wohlfart.« Bei diesen Worten kehrte er kurz um und verschwand. Gleich darauf hörte man das Pferd im Trabe fortreiten.