Von Neuem sprang Eugen zu dem Seitentisch, wo die Hölzer lagen, da ergriff Bolling den Rest des Packets, öffnete das Fenster und warf die Hölzer hinunter auf die Straße. »Besser, die Teufelsbolzen verbrennen da unten einen Stiefel, als hier deine Börse,« rief er. Darauf schleuderte er die Karten auf die Erde. »Das Spiel soll aufhören, du hast uns vorhin aufgetrumpft, wie einer aus der Wachtstube des alten Dessauers, ich thue jetzt dasselbe.«

»Ich verbitte mir solche Befehle,« rief Eugen gereizt.

Bolling schnallte seinen Säbel um und griff mit der Hand an das Gefäß. »Du wirst dich heut fügen,« sagte er ernst, »morgen will ich dir vor dem Corps Rede stehen. Macht Eure Rechnung, Ihr Herren, wir brechen auf.«

Die Marken wurden auf den Tisch geworfen, der Doctor zählte.

Eugen riß finster die Brieftafel aus der Tasche und notirte seine Schuld an die Einzelnen. Ohne Behagen, mit kurzem Gruß entfernte sich die Gesellschaft. »Es sind gegen achthundert Thaler,« sagte der Doctor auf dem Wege. Bolling zuckte die Achseln. »Ich hoffe, er kann das Geld schaffen, aber ich wollte doch, daß Sie heut das Stempelpapier in Ihrer Tasche behalten hätten. Wenn von der Geschichte etwas verlautet, so wird Rothsattel keine Ursache haben, sich zu freuen. Wir Alle werden gut thun, über den Vorfall zu schweigen, auch Sie, Herr Wohlfart, bitte ich darum.«

Anton ging in stürmischer Bewegung nach Hause. Den ganzen Abend hatte er wie auf Kohlen gesessen und dem Verschwender in der Stille die bittersten Vorwürfe gemacht. Er schalt sich, daß er ihm Geld geliehen hatte, und fühlte doch, wie unpassend es gewesen wäre, seinen Wunsch nicht zu gewähren.

Als er am nächsten Morgen Eugen aufsuchen wollte, öffnete sich die Thür, und Eugen selbst trat in das Zimmer, verstimmt, niedergeschlagen, unsicher. »Ein nichtswürdiges Malheur gestern,« rief er, »ich bin in arger Klemme; ich muß heut achthundert Thaler schaffen und habe in diesem Unglücksnest Niemand, an den ich mich wenden kann, als Sie. Seien Sie verständig, Anton, und besorgen Sie mir das Geld.«

»Auch mir ist es nicht leicht, Herr von Rothsattel,« erwiederte Anton ernst; »es ist keine unbedeutende Summe, und die Gelder, über die ich hier disponiren kann, sind nicht mein Eigenthum.«

»Sie werden es schon möglich machen,« fuhr Eugen überredend fort; »wenn Sie mir nicht aus der Verlegenheit helfen, so bin ich ganz rathlos. Der Chef versteht keinen Spaß, ich riskire Alles, wenn die Geschichte nicht schnell abgemacht wird.« Er ergriff in seiner Verlegenheit Antons Hand und drückte sie ängstlich.

Anton sah in das verstörte Gesicht dessen, der Lenorens Bruder war, und erwiederte mit innerer Ueberwindung: »Ich habe eine kleine Summe, welche mir gehört, in der Casse unsers Geschäfts, und habe von hier aus Geld an unser Haus zu senden. Es wird möglich sein, daß ich unsern Cassirer auf mein Geld anweise, und die Summe, welche Sie brauchen, zurückbehalte.«