»Sie sind mein Retter,« rief Eugen erleichtert; »in spätestens vier Wochen schaffe ich Ihnen achthundert Thaler zurück,« fügte er hinzu, bei der Aussicht auf das Geld geneigt, das Beste zu hoffen.

Anton ging zum Schreibtisch und zählte dem Lieutnant das Geld auf. Es war ein großer Theil der Summe, die er von seinem Erbtheil noch übrig hatte.

Als Eugen das Papier unter lebhaftem Danke eingesteckt hatte, begann Anton: »Und jetzt, Herr von Rothsattel, wünsche ich Ihnen noch etwas mitzutheilen, was mir gestern den ganzen Abend auf dem Herzen gelegen hat. Ich bitte Sie, mich nicht für zudringlich zu halten, wenn ich Ihnen nicht verschweige, was Sie wissen müssen, und was doch ein Fremder kaum zu sagen das Recht hat.«

»Wenn Sie mir gute Lehren zutheilen wollen, so ist der Augenblick schlecht gewählt,« antwortete der Lieutnant finster, »ich weiß ohnedies, daß ich einen dummen Streich gemacht habe, und bin auf eine Strafrede meines Papa's gefaßt. Was ich von ihm anhören muß, wünsche ich von keinem Dritten zu vernehmen.«

»Sie trauen mir wenig Zartgefühl zu, Herr von Rothsattel,« rief Anton, aufrichtig bekümmert durch den Aerger des Offiziers. »Ich habe gestern aus einer allerdings wenig lautern Quelle gehört, daß Ihr Herr Vater durch die Intriguen gewissenloser Speculanten in Verwickelungen gekommen ist oder doch kommen soll, welche seinem Vermögen Gefahr drohen. Auch der gefährliche Mensch, welcher die Ränke gegen ihn schmiedet, ist mir genannt worden.«

Der Lieutnant sah verwundert in das ernste Gesicht Antons und sagte endlich: »Teufel, Sie jagen mir einen Schrecken ein. Doch nein, es ist nicht möglich, Papa hat mir nie etwas davon gesagt, daß seine Verhältnisse nicht ganz in Ordnung sind.«

»Vielleicht kennt er selbst nicht die Pläne und die Rücksichtslosigkeit der Menschen, welche die Absicht haben, seinen Credit für ihre Zwecke zu benutzen.«

»Der Freiherr von Rothsattel ist nicht der Mann, sich von irgend Jemand benutzen zu lassen,« entgegnete der Lieutnant mit Stolz.

»Das nehme auch ich an,« räumte Anton bereitwillig ein. »Und doch bitte ich Sie, daran zu denken, daß die letzten großen Unternehmungen des Herrn Barons ihn mehrfach mit schlauen und wenig bedenklichen Händlern in Berührung gebracht haben. Der mir den Rath ertheilte, gab ihn offenbar in guter Meinung. Er sprach eine Ansicht aus, welche, wie ich fürchte, von einer Anzahl untergeordneter Geschäftsleute getheilt wird, daß Ihr Herr Vater in ernster Gefahr sei, große Summen zu verlieren. Und ich fordere Sie auf, mit mir zu dem Mann zu gehen, vielleicht gelingt es uns, mehr von ihm zu erfahren. Es ist derselbe Händler, den Sie gestern bei mir sahen.«