Mit dieser zweifelhaften Hoffnung mußte sich der Freiherr entfernen. Niedergeschlagen bestieg er seinen Wagen; er rief dem Kutscher: »zum Justizrath Horn!« aber mitten auf dem Wege gab er Gegenbefehl und fuhr nach seinem Quartier zurück. Es war zwischen ihm und dem alten Rechtsfreund eine Kälte eingetreten. Er hatte sich gescheut, diesem seine unaufhörlichen Verlegenheiten mitzutheilen, und war durch einige wohlgemeinte Warnungen desselben verletzt worden, so hatte er oft die Hülfe anderer Juristen in Anspruch genommen.
Itzig war in seinem Zartgefühl aus dem Comtoir gestürzt, als er die Pferdeköpfe des Barons auf der Straße erblickte, jetzt steckte er den Kopf wieder herein. »Wie war er?« frug er Herrn Ehrenthal.
»Wie soll er gewesen sein,« antwortete Ehrenthal unwillig, »er war wie ein Fisch, welcher hat viele Gräten; er hat geschlagen mit seinem Kopf in die Luft, und ich habe gehabt meinen Aerger. Mein Geld habe ich gesteckt in das Gut, und Sorgen habe ich um das Gut, so viel als Haare auf dem Kopfe, weil ich gefolgt bin Ihrem Rath.«
»Wenn Sie denken, daß ein Rittergut Ihnen geschwommen kommt, wie ein Fisch mit dem Wasser, daß Sie nur dürfen ausstrecken die Hand und festhalten, so thun Sie mir leid,« entgegnete Veitel ironisch.
»Was thue ich mit der Fabrik?« rief Ehrenthal, »das Gut ist für mich gewesen zwei Mal so viel werth, ohne den Schornstein.«
»So verkaufen Sie die Ziegeln, wenn Sie den Schornstein erst haben,« versetzte Veitel boshaft. »Ich wollte Ihnen noch sagen, daß ich morgen einen Besuch habe von einem Bekannten aus meiner Gegend. Ich kann morgen nicht kommen in Ihr Comtoir.«
»Sie haben in dem letzten Jahr so oft Ihre eigenen Gänge gemacht,« erwiederte Ehrenthal grob, »daß mir nichts daran liegt, wenn Sie auch länger fortbleiben aus meinem Comtoir.«
»Wissen Sie, was Sie gesagt haben?« fuhr Veitel auf. »Sie haben mir gesagt: Itzig, ich brauche dich nicht mehr, du kannst gehen. Ich aber werde gehen, wenn es mir recht ist, und nicht, wenn es Ihnen recht ist.«
»Sie sind ein dreister Mensch,« rief Ehrenthal; »ich will Ihnen verbieten, daß Sie so zu mir reden. Wer sind Sie, junger Itzig?«