Ehrenthal rückte unruhig auf seinem Sitz. »Führe nicht solche Reden von Sachen, die du nicht verstehst. Die Geschäfte sind für den Tag; wenn ich Abends zu dir komme, sollst du dich nicht ängstigen um meine Arbeiten. Ich will's nicht haben, daß du die Hände aufhebst und rufst schrecklich.«

»Vater,« rief Bernhard, »wenn du nicht willst, daß ich vergehen soll vor Schaam und Kummer, so wirst du deine Absicht aufgeben.«

»Aufgeben!« rief Ehrenthal entrüstet. »Wie kann ich aufgeben mein Geld? wie kann ich aufgeben das Gut, um das ich mich bemüht habe bei Tag und bei Nacht? wie kann ich aufgeben das größte Geschäft, das ich gemacht habe in meinem Leben? Du bist ein ungehorsames Kind und machst uns Jammer um gar nichts. Was habe ich für ein Unrecht gethan, daß ich dem Baron gegeben habe mein Geld? Er hat's gewollt. Was thue ich für ein Unrecht, wenn ich kaufe das Gut? Ich rette mein Geld.«

»Verflucht sei jeder Thaler, den du darauf gewandt, verflucht der Tag, wo du diesen unglücklichen Entschluß gefaßt,« fuhr Bernhard auf und erhob seine Hand drohend gegen den Vater.

»Was ist das!« rief Ehrenthal aufspringend, »welcher böse Gedanke hat getroffen das Herz meines Sohnes, daß er so spricht zu seinem Vater? Was ich gethan habe, für wen habe ich's gethan? Nicht für mich und meine alten Tage. Ich habe dabei gedacht jeden Tag an dich, mein Sohn, der du bist ein anderer Mann, als dein Vater. Ich werde haben den Kummer, und du sollst gehen aus dem Schloß in den Garten und wieder zurück in das Schloß, und wenn du gehst, soll der Amtmann abziehen seine Mütze, und die Knechte im Hofe abziehen ihre Hüte, und sie sollen zu sich sagen: das ist der junge Herr Ehrenthal, welcher ist unser Herr, der da geht.«

»Ja,« rief Bernhard bitter, »das ist deine Liebe. Mich willst du zum Mitschuldigen machen einer ungerechten That. Du irrst, Vater; niemals werde ich aus dem Schlosse in den Garten gehen mit meinem Buche, eher will ich als armer Bettler mein Essen erbitten von der Gemeinde, als daß ich einen Fuß auf das Gut setze, das durch Sünde erworben ist.«

»Bernhard!« rief der Alte mit gerungenen Händen, »du wirfst die Steine auf mein Vaterherz, daß ich fühle die Last, wie sie mich drückt zu Boden.«

»Und du verdirbst deinen Sohn,« rief Bernhard in auflodernder Leidenschaft. »Sieh zu, für wen du geschachert und gelogen hast; aber so wahr es einen Himmel über uns giebt, du wirst Niemandem sagen, daß es geschehen ist für deinen unglücklichen Sohn.«

»Mein Sohn,« jammerte der Vater, »schlage nicht auf mein Herz mit deinem Fluche. Seit du bist gewesen ein kleiner Bocher, der sein Gebetbüchel in die Schule getragen hat, habe ich gehabt meinen Stolz, wenn ich auf dich gesehen habe. Ich habe dir gelassen allen Willen, zu thun, was dir am liebsten war; ich habe dir gekauft von Büchern, ich habe dir gegeben von Geld mehr, als du hast haben wollen; wo ich dir etwas absehen konnte an deinen Augen, ich habe dir's abgesehen. Wenn ich unten den ganzen Tag mich geärgert habe, mußte ich immer denken, mein Sohn soll lachen, weil ich mich ängstige.« Er nahm den Zipfel seines Schlafrocks und fuhr sich damit über die Augen, vergeblich bemüht, seine Fassung wieder zu gewinnen. So saß er als ein geschlagener Mann dem Sohn gegenüber.

Bernhard sah schweigend auf die gebeugte Gestalt, endlich streckte er die Hand aus: »Mein Vater!« rief er weich. Ehrenthal fuhr schnell mit beiden Händen nach der dargebotenen Rechten und hielt sie fest, als könnte sie ihm wieder entzogen werden, er schob sich näher heran, küßte und streichelte sie. »So bist du wieder mein guter Sohn,« sagte er gerührt. »Jetzt wirst du nicht mehr führen solche lästerliche Reden und du wirst nicht mehr zanken wegen dieses Barons.«