»Unsinn,« versetzte Fink, »der Schneider giebt dir Credit, so viel du willst.«

»Ich möchte aber nichts auf Credit nehmen,« erwiederte Anton und setzte sich behaglich auf dem Sopha zurecht, um gegen seinen mächtigen Rathgeber zu Gunsten guter Wirthschaft zu plaidiren.

»Diesmal mußt du eine Ausnahme machen,« entschied Fink, »es ist Zeit, daß du mehr unter Menschen kommst. Du sollst in die Gesellschaft treten, ich werde dich einführen.«

Anton stand erröthend wieder auf und rief eifrig: »Das geht nicht, Fink, ich bin hier ganz unbekannt und habe noch keine Stellung, welche mir die Sicherheit giebt, in großer Gesellschaft aufzutreten.«

»Eben deßhalb, weil du keine gesellschaftliche Courage hast, sollst du unter Menschen,« sagte Fink strafend. »Diese jammervolle Schüchternheit mußt du los werden, so schnell als möglich; sie ist der dümmste Fehler, den ein gebildeter Mensch haben kann. Verstehst du zu walzen? Hast du eine Ahnung davon, was eine Tour in der Quadrille ist?«

»Ich habe vor einigen Jahren in Ostrau Tanzstunde genommen,« versetzte Anton.

»Einerlei, du sollst noch einmal Tanzstunde nehmen. Frau von Baldereck hat mir gestern vertraut, daß einige Familien für ihre flüggen Märzhühnchen einen Tanzsalon einrichten wollen, damit diese in Sicherheit vor Raubvögeln die Flügel bewegen lernen. Die Tanzstunde soll in dem Hause der gnädigen Frau sein, welche ihr eignes Küchlein darin für den Markt einrichten will. Das ist etwas für dich, ich werde dich dort einführen.«

Antons Seele wurde durch diese Zumuthung heftig alarmirt, er setzte sich erschrocken wieder auf dem Sopha zurecht, und sagte mit aller Ruhe, über die er in diesem Augenblick verfügen konnte: »Fink, das ist einer von deinen tollen Einfällen, es ist unmöglich, daß ich darauf eingehe; Frau von Baldereck gehört zu der hiesigen Aristokratie, und die Tanzgesellschaft bei ihr wird ohne Zweifel aus demselben Kreise sein.«

»Ohne Zweifel,« nickte Fink, »reines blaues Blut, die Urgroßmütter sämmtlicher Damen haben ohne Ausnahme im deutschen Urwald die Ehre gehabt, der Fürstin Thusnelda die Nachtmütze nachzutragen.«

»Siehst du,« sagte unser Held, »wie kannst du den Einfall haben, mich in diese Gesellschaft zu bringen, du würdest mir nur das bittere Gefühl bereiten, zurückgewiesen zu werden, oder, was noch schlimmer wäre, eine übermüthige Behandlung zu erfahren.«