»Aber, lieber Fink!« schaltete die Dame ein.

Fink ließ sich nicht stören, er legte sich in den Armstuhl zurück und blickte nach dem Grau der Arabesken an der Decke. »Herr Wohlfart ist ein merkwürdiger und interessanter Gesell. Es hat mit ihm eine eigene Bewandtniß. Er selbst ist der bescheidenste und bravste Mann, der mir je vorgekommen, er ist hier aus einer Ecke der Provinz, aus Ostrau, der Sohn eines verstorbenen Beamten. Aber es schwebt ein Geheimniß über ihm, von dem er selbst noch nichts weiß.«

»Aber, Herr von Fink,« versuchte die Dame wieder einzufallen.

Fink sah eifrig nach den Schnörkeln der Decke und fuhr fort: »Er ist bereits in diesem Augenblick Eigenthümer eines Landgebietes in Amerika, die Besitzurkunde ist durch meine Hände gegangen, und im Vertrauen, er selbst hat keine Ahnung von diesem Besitz, und die Sache soll ihm auch vorläufig ein tiefes Geheimniß bleiben. Wie ich glaube, hat er alle Aussicht, in Zukunft mehr als Millionen zu besitzen. — Haben Sie den verstorbenen Großfürsten, hier nebenbei, gekannt?« Fink wies mit der Hand bedeutsam nach irgend einer Himmelsgegend.

»Nein,« sagte die gnädige Frau neugierig.

»Es giebt Leute,« fuhr Fink fort, »welche behaupten, daß Anton ihm sprechend ähnlich sieht. Was ich Ihnen sage, ist übrigens mein Geheimniß, mein Freund selbst lebt in vollständiger Unkenntniß aller dieser Beziehungen, durch welche möglicher Weise seine Zukunft bestimmt werden kann. Bekannt ist nur der Umstand, daß der verstorbene Kaiser bei seiner letzten Reise durch diese Provinz in Ostrau angehalten und sich längere Zeit mit dem Geistlichen des Ortes leise und angelegentlich unterhalten hat.«

Diese letzte Mittheilung war in der Hauptsache richtig, denn Anton hatte dasselbe vor einiger Zeit dem Jokei erzählt, wie man eine Erinnerung aus der Kinderzeit zu erwähnen pflegt. Er hatte sogar noch zugesetzt, daß der Geistliche seiner Heimath in dem letzten großen Krieg Feldprediger gewesen war, und daß der Kaiser ihn gefragt: »Sie haben gedient?« und eine Weile darauf: »Bei welchem Corps?«

Fink hatte nicht für nöthig gefunden, das kleine Ereigniß so ausführlich darzustellen. Frau von Baldereck aber war durch diese perfiden Andeutungen in eine gewisse neugierige Stimmung gebracht, sie erklärte sich bereit, Herrn Wohlfart in ihrem Hause zu empfangen.

»Und jetzt noch eine Bitte,« sagte Fink sich erhebend: »Was ich Ihnen über meinen Freund mitgetheilt habe, gütige Fee« — die Fee wog über sieben Stein — »das lassen Sie ein Geheimniß zwischen uns Beiden sein. Ihrem Zartgefühl durfte ich anvertrauen, was ich in jedem fremden Mund als eine Indiscretion gegen mich und Herrn Wohlfart ahnden müßte.« Er sprach den Namen so ironisch aus, daß die Dame fest überzeugt war, der geheimnißvolle, in einem Comtoir verpuppte Herr werde nächstens als Prinz der Aleuten und Kurilen oder in irgend einer andern unerhörten Würde auftreten.

»Wie aber soll ich,« frug sie beim Abschied, »den Herrn bei unsern Bekannten einführen?«