Frau von Baldereck dagegen fand von ihrem Standpunkt die Anspruchslosigkeit des geheimnißvollen Jünglings wahrhaft rührend, und als ihre Tochter mit Bestimmtheit aussprach: »Fink ist ein ganz anderer Mann und gefällt mir viel besser,« da schüttelte sie den Kopf und sagte lächelnd: »Das verstehst du nicht, mein Kind, es ist ein Adel und eine natürliche Grazie in den Bewegungen des Fremden, ein gewisser Charme, der ganz bezaubernd ist.«
Der große Tag, an welchem die Tanzstunde feierlich eröffnet werden sollte, war gekommen. Hastig kleidete sich Anton nach dem Schluß des Comtoirs an und trat in Finks Zimmer, diesen abzuholen. Der Mentor untersuchte mit prüfendem Blick den Anzug des Novizen. »Zeige dein Taschentuch,« sagte er. »Bunte Seide? Schäm' dich. Hier ist eines von meinen. Gieß dir etwas Parfüm darauf. Wo sind deine Handschuhe?«
Mit solchen Lehren führte er den Freund vor das erleuchtete Haus der Baronin.
Als Anton die Treppe des Hinterhauses hinabschritt, öffnete sich die Thür von Jordans Zimmer, und Herr Specht steckte seinen Kopf am Ende eines langen Halses über die Treppe und sandte dem Collegen seinen neugierigsten Blick nach.
»Er geht,« rief er in die Stube zurück, »es ist unerhört. So etwas hat sich noch nicht ereignet, so lange die Welt steht. Es sind lauter Adlige dort. Das wird eine schöne Geschichte werden.«
»Zuletzt, warum soll er nicht gehen, wenn sie ihn einladen?« sprach der gutmüthige Herr Jordan, um den stummen Vorwürfen der Collegen zu begegnen. Keiner wußte etwas dagegen zu sagen, nur Herr Pix rief ärgerlich vom Sopha: »Mir aber gefällt's nicht, daß er eine solche Einladung annimmt. Er gehört in das Comtoir und zu uns. Etwas Gutes wird er unter den Schwadronirern nicht lernen. Fensterglas in's Auge kneifen und Süßholz raspeln, und das wird noch nicht das Schlechteste sein.«
»Es soll merkwürdig bei diesen Tanzgesellschaften zugehen,« rief Specht. »Aeußerst frivol, Liebesgeschichten und Duelle jeden Tag. Aber Wohlfart hat immer einen Tik auf solche Dinge gehabt. Nächstens wird er an einem Morgen mit seinen Pistolen unterm Arm ausgehen, und wie er zurückkommen wird, das will ich gar nicht sagen. Auf seinen Füßen nicht, das ist sicher.«
»Unsinn,« erwiederte Pix ärgerlich, »es giebt dort nicht mehr Händel, als bei andern Leuten.«