»Und französisch muß er sprechen,« fuhr Specht unaufhaltsam fort.
»Warum nicht russisch?« rief Herr Pix.
Hier geriethen Herr Pix und Herr Specht in einen Streit über die Sprache, durch welche man sich im Salon der Frau von Baldereck verständlich mache. Aber alle Collegen waren darin einig, daß dieser Besuch der Tanzstunde für Wohlfart ein äußerst gewagter und verhängnißvoller Schritt sei, der unaussprechliches Unheil bereite und die gesammte menschliche Ordnung störe.
»Er ist gegangen,« rief die Tante, von einer Conferenz mit dem Bedienten zurückkehrend.
»Das ist wieder ein Streich seines Freundes Fink,« sagte der Prinzipal.
Sabine sah auf ihre Arbeit nieder. »Mich freut's,« sagte sie endlich, »daß Fink seinen Einfluß dazu benutzt, dem Freunde ein Vergnügen zu machen. Er selbst tanzt nicht gern, und ihm persönlich ist dies Kränzchen gewiß eher ein Opfer, als eine Freude.« Der Bruder sah die Schwester prüfend an, sie nickte ihm leise zu. »Und wie gönne ich's Wohlfart, daß er unter Menschen kommt! Er ist am meisten von allen Herren zu Haus. Fast jeden Abend, wenn ich zu Bette gehe, sehe ich bei ihm die Lampe brennen. Die Andern haben Verwandte oder gute Freunde von früher her, er ist ganz allein, er hat nichts, als was dieses Haus einschließt. Es ist hart, das ganze Jahr so zu leben.«
»Er hat sich bis jetzt brav gehalten,« sagte der Prinzipal, »wollen sehen, ob das Dauer hat.«
»Aber wie war es möglich, daß er in diese Gesellschaft —« rief die Tante. »Bedenkt doch, diese Frau von Baldereck —«
Sabine tippte mit dem Fingerhut auf die Tischplatte. »Fink hat's ihnen befohlen,« sagte sie, »und das war hübsch von ihm. Und zum Dank dafür soll er morgen trotz dem ernsten Gesicht meines Chefs sein Lieblingsgericht erhalten.«