»So muß es gekommen sein,« fuhr Fink nachdenkend fort. »Die arme Theone! Ich habe ein Lied gelesen, das die Comteß auf Sie gemacht hat. Na, zuletzt sind Sie kein übler Bursch, aber ich hätte es niemals für möglich gehalten, daß man mit solcher Schwärmerei von einem Mann sprechen kann.«

»Zeigen Sie her,« bat Zernitz angelegentlich.

»Hier?« frug Fink vorwurfsvoll, »vor dieser wilden Bande? Wenn Sie auch die Lara, die mir heute in ihrer Angst allerliebst vorkam, nicht gerade begünstigen, so haben Sie doch gar keinen Grund, die reine Leidenschaft des armen Mädchens hier zu profaniren.«

»Sie haben Recht,« sagte Zernitz. »Aber unter vier Augen werden Sie mir's zeigen.«

»Gewiß,« versetzte Fink. »Ihr wißt, ich habe kein Gefühl für alle Creatur, welche ihren Rock länger trägt als bis zum Knie, und wenn es etwas auf der Welt giebt, was mich kalt läßt, so sind es Backfische in Butter und in Kleidern. Aber der Wahrheit soll ihr Recht werden, die Mädchen, welche das Tagebuch mit einander geführt haben, sind seelengute Dinger, es ist auch nicht eine unartige Bemerkung darin.«

Er wandte sich zum Cousin Baldereck: »Von Ihrer Cousine ist auf jeder Seite mit einer Liebe und Herzlichkeit gesprochen, die eben so verdient als rührend genannt werden muß. — Das strengste Urtheil wird über mich gefällt, ich werde ein Zeisig genannt.«

»Auf die Art ist das Heft ziemlich langweilig,« sagte Benno Tönnchen.

»Ja,« erwiederte Fink, »wenn Sie nicht interessirt, was Hildegard Salt über Sie hineingeschrieben hat.«

»Viel Gutes wird's nicht sein,« versetzte Benno neugierig.

»Nein,« sagte Fink, »sie spricht von Ihnen in einem Ton, der Ihren Bekannten wahrhaft betrübend vorkommen muß. Sie werden groß und still genannt. Ihr Gesicht ein Muster männlicher Kraft, die Dichterin findet Sie voll Kenntnisse, voll Geist und voll Witz; sie frägt, ob ein solcher Mensch nicht zu bedeutend sei, um sich zu einem weichen Mädchen hinabzuneigen. Nun frage ich Alle, wie kann ein gescheidtes Kind, wie Hildegard Salt, sich so weit verirren, Sie in der Stille anzubeten? Denn Sie sind bei der letzten Flasche ein ziemlich kurzweiliger Gesell, Benno, aber wenn ich ein Mädchen wär' und mir ein Ideal aussuchte, ich würde lieber einen Nußknacker zu meinem Götzen machen, als Sie.«