Tönnchen verzog den Mund.
»Ist von uns auch etwas darin?« frug Herr von Werner, auch einer der Grünen, ein Bruder von vier schönen Schwestern, Nachbar der Rothsattel, von jungem Adel, aber reich, in Familieneifersucht aufgewachsen.
»Von Ihnen wenig,« versetzte Fink, »nur zwei Zeilen.« Er nahm das Buch hervor und sah hinein und suchte. — Anton ballte die Hände unter dem Tisch. — »Schmerzliche Fügung des Himmels, Lenore liebt und sucht vergebens ihr Herz zu verhüllen. Und der Geliebte gehört den Feinden an. O. Georg W. Jetzt kommen Punkte und drei Ausrufungszeichen.« Fink steckte das Buch wieder ein. Anton beruhigte sich, das konnte nicht in dem Buch stehen, auch sah er, daß die Nasenflügel Finks sich heftig bewegten, ein untrügliches Zeichen, daß er Schelmerei trieb.
Zernitz schob das Glas weg und rief: »Es ist indiscret, daß wir uns in diesem Raume über das unterhalten, was die Mädchen gefühlt haben.«
»Ich bin derselben Meinung,« rief Benno Tönnchen eifrig.
»Ich auch,« sagte Georg Werner.
»Sie müssen das Buch versiegeln und zurückschicken,« sprach der Frosch.
»O Ihr gemüthvollen Zettel,« rief Fink in der glücklichsten Stimmung, »weil Eure haarigen Köpfe von feinen Händen gekraut werden, wird Euer Herz zartfühlend. Ich möchte Eure Gesichter sehen, wenn ich aus dem Buche das Gegentheil herausgelesen hätte. — Ei, ei! und Keiner kennt den Shakespeare!«
»Comteß Lara und Hildegard sind zu feinfühlend, um das hineinzusetzen, was Ihre Bosheit gern gesehen hätte,« rief Zernitz.
»Die Rothsattel ist zwar stolz,« rief Werner, »aber sie hat keinen Grund, von mir etwas Anderes zu sagen, als was wahr ist. Ich habe sie immer im Stillen für ein tüchtiges Mädchen gehalten, das wohl verdient, einmal die Frau eines ehrlichen Jungen zu werden.«