Piek, die. Wo immer dieses Wort in der Seemannssprache vorkommt, da hat es irgend etwas mit „Spitze, Äußerstes‟ zu tun. Die Achterpiek, Hinterpiek ist der äußerste, hinterste, unterste, spitz zulaufende Teil des Schiffes; heißt meist kurzweg die Piek, während der entsprechende vorderste Teil, wenn er überhaupt Piek genannt wird, mit Vorderpiek näher bezeichnet werden muß. Aber nicht nur das Äußerste nach hinten oder vorn, sondern auch nach oben heißt Piek; diese Bedeutung ist sogar die ursprünglichere. So heißt z. B. sogar das Tau mit dem die Gaffel des Besans so getoppt wird, daß ihre Nock sich in die Höhe streckt, ebenfalls Piekfall. Die Rahen auf Piek setzen ist ein anderer Ausdruck für kaien, nämlich sie so auf und nieder setzen, daß sie weniger Raum einnehmen. Die Riemen pieken heißt „Riemen hoch‟ nehmen, sie mit der Spitze, dem Blatt, welches zwar nicht spitz aber doch das Äußerste am Riemen ist, in die Höhe halten. — Piek ist dasselbe Wort wie pique im französischen Kartenspiel und bedeutet Pike, Lanze, Speer, Spitze, Bergspitze, Zinne, Gipfel; spanisch und portugiesisch pica, italienisch picca, was mit picco, spanisch und portugiesisch pico, französisch pic, angelsächsisch pic englisch peak zusammengehört, alles mehr oder weniger Spitze bedeutend. — Das Piekfall hieß früher Dirk, Gaffeldirk, jetzt heißt Dirk nicht mehr das Tau zum Auftoppen der Besansgaffel, sondern das zum Auftoppen des Besansbaums.

Pier, die, ist der englische, auch bei uns oft gebrauchte Ausdruck für das was wir gewöhnlich Moole nennen, also für einen Steindamm, für eine steinerne Mauer, in See hinausgebaut, zum Schutze der Hafeneinfahrt oder zum Anlegen und Festmachen für Schiffe. Das Wort kommt vom französischen pierre = Stein. Doch ist der Begriff des Steinernen ziemlich in den Hintergrund getreten, denn man kann jedes beliebige hölzerne Bollwerk wohl auch eine Pier nennen hören. Waghenaer 1588 hat die Form Piere: „By westen Sanson leydt Gyon ende heeft een Piere oft afstekent hooft daer d'inwoonders haer visschers barken onder legghen.‟ Er hielt es damals also doch für nötig Piere zu übersetzen und zu erklären, weil es für einen Niederländer auch in jener überaus fremdwortfreundlichen und -reichen Zeit ein erklärungsbedürftiges Fremdwort war.

Pijacket, Peajacket, Pijacke. Der kurze Überzieher der Mannschaften, die bei der Kaiserlichen Marine dienen, den sie, auch wenn sie ausgedient haben, mit anderen (Civil-)Knöpfen besetzt gerne noch weiter tragen. Die letztangeführte Form (Pijacke) ist die einfachste und richtigste zugleich; hat auch den Vorzug die deutscheste zu sein. Schon Ende des 14. Jahrhunderts kommt im Spanischen un jaque de seda vor, eine seidene Jacke. Neuspanisch jaco, italienisch giaco, französisch jaque, niederländisch jasje, zoort van seemannsjas. Ums Jahr 1358 soll, nach Ducange, zu Beauvais ein Häuptling gewesen sein mit Namen Jaque, der, wenn er zum Kampfe auszog, einen kurzen Oberrock getragen habe; daher das zweite Wort in der Zusammensetzung. Das erste, Pi, bedeutet ebenfalls Jacke. Die fremde unverstandene Bezeichnung Jacke genügte dem deutschen Küstenbewohner nicht für das bald heimisch gewordene Kleidungsstück, (die Häuptlinge auf den Siegeln des 14. und 15. Jahrhunderts tragen bis auf die Knie gehende Röcke) darum verbanden sie sie mit dem altgewohnten Worte für Rock py, pye, welches heute noch in Ostfriesland pe, peje, pei, pi heißt und einen kurzen Unterrock von rauhem, grobem Tuch bezeichnet; in Bremen pye, pey, pige, pikke, pike, eine Jacke, ein warmes Unterkleid von Flanell; in Holland pij, pije, in Nordfriesland pie, pei, Rock. Aus dem Griechischen durch das Gothische zu uns gekommen, indem baite, Hirtenrock, Bauernkleid aus Ziegenfell, zu paida wurde; angelsächsisch peda, Untergewand; mittelhochdeutsch pfeit, Hemd, hemdähnliches Kleidungsstück; niederdeutsch pede, nach Schwund des d kontrahiert zu pee, pe mit einem leichten Anklang an das auf dem Wege ins Niederdeutsche zurückgedrängte i, woraus dann leicht das einfache pi werden konnte. Pijacke ist demnach ein Jackenrock, oder vielmehr eine Rockjacke. In Groningen heißt es piejekker, aber auch molvanger, monkie (auch bei uns manchmal zu hören) schort, twiefelder, twiefeloar und, mehr deutlich als fein, vreischieter. — Zu bemerken ist, daß die Handelsmatrosen das Kleidungsstück nicht etwa von der Kriegsmarine überkommen haben. Umgekehrt; und in Holland ist es sogar so eingebürgert, daß der Dichter Vondel es nennen kann: „Een dracht, die sterven zal, wanneer de schipvaert sterft.‟ — Ziemlich spät erst ist im Deutschen Jacke mit Pi verbunden worden. In den gerichtlichen Inventarien, die in Wismar während der Jahre 1438 bis 1547 aufgenommen worden sind, kommt für Rock das Wort pyge ohne Verbindung mit Jacke vor. Dafür ist es aber eine andere Verbindung eingegangen und heißt szepyge, also Seerock, Seewamms; vielleicht das was man heute Lootsenjacke oder Seelenwärmer nennt; irgend etwas Warmes, Gefüttertes, denn der Schreiber der jenes Inventar aufnahm hat es mit „rot foderhemmede‟ verdeutlicht, rotes, gefüttertes Hemd. — Pijacket ist n., Pijacke f.

Pinass(e), die, auch (fälschlich) Pinnass(e) geschrieben, eins der großen Beiboote, jetzt fast nur noch dampfend, daher meistens Dampfpinasse oder -pinass gesagt wird, mit dem Ton auf Dampf und Weglassung des auslautenden e. Offenbar zuerst ein aus dem Holze der Fichte, pinus gebautes Boot. Der Name ist im romanischen Sprachgebiet entstanden und weiter gebildet: ital. pinaccia, spanisch pinaza, französisch (um 1700 als Seemannswort allgemein im Gebrauch) pinasse. Das e ist stumm, also tut der Seemann recht, es unausgesprochen zu lassen, es würde in seinem Munde recht geziert lauten. — Im spanisch-englischen Kriege unter Königin Elisabeth waren Pinassen als wirkliche seegehende, seeschlachtfähige Kriegsschiffe im Gebrauch. Als im Jahre 1596 die Königin es für ratsam hielt, „den Spanischen ihr angethanes Hertzleid selbst in ihrem tiefsten Eingeweide fühlen zu lassen‟, sandte sie eine Flotte aus, die bei Cadix eine ruhmreiche Affäre hatte. Davon berichtet der Verfasser der „Durchläuchtigsten Seehelden‟ I 405: „Der Pinas des Ritters Robbert Southwel, der zu Kühn war, das Schiff Philippus anzugreiffen, ward mit demselben verbrandt, das Volck aber davon gerettet.‟ Als im Jahre 1625 die Spanier den Holländern Bahia wieder abzunehmen sich rüsteten, waren bei der aussegelnden Flotte einunddreißig Gallionen, eine Caravell, drei Tartanen und vier Pinassen. Wenn diese auch die kleinsten der Kriegsschiffe waren, so waren sie doch immerhin groß genug, Bahia mit belagern zu helfen.

Pinke, die. Pink, Pinke, Pinkschiff sind Namen für gar verschiedenartige Fahrzeuge im Mittelländischen Meere und in der Nordsee. So verschieden sie auch gebaut und getakelt sind, eins hatten sie ursprünglich alle mit einander gemein, daß sie scharf und spitz gebaut waren. Daher ist Verwandtschaft mit dem unter Piek angegebenen Pik anzunehmen, von dem Pink eine nasalierte Form ist. Schon Kilian kannte sie und als peynk kommt sie bereits in der Hamburger Chronik vor: „Reynke wert myt noch eynem van den kapteins van der peynke angetastet, de gewalt auer alle boyers and euers hadde.‟ Und in den Monum. Liv. kommt die Stelle vor „den bogert ... tho senden in de see den freygebuter myt der pinke tho soeken.‟ Es muß also im Mittelalter eine Pinke ein starkes und schnelles Schiff gewesen sein. Man gebraucht sie in Holland zum Heringsfang. Waghenaer, „Spiegel der Zeevaerdt‟, 1588: „Leyt mede op dese stroomen de bequame vermaerde Zeestede Enckhuyzen (sie war Waghenaers Heimat), al waer soo veel Harincx voor de Stadt (in de Zuyder Zee) op sekeren tyt des Jaers ghevanghen wert, alsser op een telte met de Buysen, Boots ende Pincken de Maze ingebracht ende verhandelt wert.‟

Pinne, die. Der hölzerne Griff mit dem das Ruder gehalten und bewegt wird, die Ruderpinne. Das niederdeutsche penne, pinne, pin heißt Nagel, Zweck, Zapfen, ein vorn zugespitztes oder abgestumpftes Stück Holz zum Festhalten, Befestigen, Verschließen. Die Zusammenstellung mit penna, Feder, Floßfeder ist allzu gekünstelt. Weit natürlicher läßt sich das Wort, wie Pinaß, von pinus, die Fichte, ableiten, da eine Pinne offenbar ursprünglich von Fichtenholz war.

Pirat, der, der Seeräuber. Das Wort stammt aus dem Griechischen peirates, von peiraein = versuchen, unternehmen, sein Glück in Abenteuern suchen, auf Raub ausgehen, das Meer auf Raub befahren. Lateinisch pirata, italienisch pirate und pirato, französisch pirate. Dazu das Fremdwort Piraterie, der Seeraub, die Seeräuberei. Göthe: „Krieg, Handel und Piraterie, dreieinig sind sie, nicht zu trennen.‟

Pirogue, die, ist ein Fahrzeug das in der Südsee und in Indien gebraucht wird, woher auch der Name stammt, der französisch pirogue, spanisch piragua lautet. Es hat verschiedene Veränderungen erfahren, aber das Eigentümliche aller Piroguen ist, daß sie Einbäume sind, aus einem Stamm gefertigt. Demgemäß können sie nur klein und rank sein und haben daher einen Auslieger (outrigger).

Planke, die. Bord, Diele, Bohle, Brett und Planke sind begrifflich nicht ganz leicht auseinander zu halten. Die beiden letzteren z. B. sind vielfach gleichbedeutend, so daß man oft für Brett Planke und für Planke Brett sagen kann. Doch neigt der Sprachgebrauch dahin, daß man ein dickes, starkes, langes, großes Brett Planke nennt, was schon daraus erhellt, daß Planke keine Verkleinerungsform kennt, während man häufig von einem Brettchen spricht. Eine Packkiste ist aus Brettern, eine Zigarrenkiste aus Brettchen zusammengenagelt, nicht aus Planken, aber das Deck eines Schiffes besteht nicht aus Brettern, sondern aus Planken. Im Allgemeinen wird man sagen können, daß, wohl wegen der Verwendung des Wortes beim Schiffbau und im Schiffsleben, Planke im Nieder-, Brett im Hochdeutschen bevorzugt wird. Planke stammt aber aus dem Romanischen, es ist mit dem piemontesischen pianca, Steg; provençalisch planca, plancha; französisch planche, Brett; lateinisch planca = Brett, Bohle aus einer Wurzel plak entstanden, von der Doornkaat es unentschieden läßt, ob sie etwas flaches, plattes oder etwas gespaltenes bedeutet. Schon in einer mittelniederdeutschen Urkunde aus Göttingen vom Jahre 1348 finden wir das Wort, aber mit anlautendem b anstatt p, (was nicht zu verwundern ist, da auch heute noch selbst in Niederdeutschland das p von Planke ziemlich weich ausgesprochen wird). „We lovet, dat we neynerleyghe buv mer scholen buwen darsulves von steynwerke eder von bomwerke, dar ienecherleyghe eyrkenere utgan van blanken eder van graven.‟

Plate, die, eine breite, flache, platte Sandbank von größerer Ausdehnung. Das Wort Plate ist niederdeutsche Form für Platte, irgend ein breites flaches Etwas von Stein, Holz, Eisen etc. etc. Vom griechischen plate, und dieses von einer Wurzel prath sich ausbreiten. In Ostfriesland nennen sie eine Plate eine Sandbank die bei Flut überschwemmt wird, bei Ebbe trocken fällt. Es gibt aber auch Platen in der Weser, in der Ostsee etc. etc. Was letztere betrifft, so lesen wir in Manson, See-Buch, Lübeck 1735 bei Gelegenheit einer Segelanweisung nach Wismar: „Als einem aber der Wind nicht fugen wolte, dieses Tonnen-Tieff einzusiegeln, muß er aussen um den Hannibal auf 6 oder ja 5 Fadem loden, und nach den Küsterhöft zu lauffen, und segeln die Mittel-Tieff. West-Südwest von der Tonnen ein klein Stück seynd zwo runde Sandbänken, die heissen Platen, die läßt man am Stührbord. Hannibal lieget Nordwest zum Norden eine kleine halbe Meil von der Kirchen die auf Poel stehet.‟