Raketenapparat, der, ist eine Vorrichtung zur Rettung von Menschen aus Seenot, wie sie die unter dem Protektorat des Kaisers stehende „Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger‟ auf den Rettungsstationen an den deutschen Küsten vorrätig hält. Das Erste und Hauptsächliche an der Sache ist, daß eine Rakete, an der eine dünne Leine befestigt ist, über das gefährdete Schiff hinweggeschossen wird, und daß man an Bord dieses Schiffes die Leine erfaßt und festhält. Alles andere ergibt sich dann nach der genauen Handhabungsvorschrift der genannten Gesellschaft von selbst. (Vergl. auch „Hosenboje‟) Rakete, englisch rocket, (nicht zu verwechseln mit dem Ballschläger racket, der in Deutschland im Mittelalter raket hieß, von rete = Netz eine Diminutivform, also Schlagnetz) italienisch rochetta, Diminutivum vom italienischen rocca, althochdeutsch roccho, rocco = Rocken. Das Wort ist also deutsch und kommt von der Ähnlichkeit einer pulvergefüllten Papierhülse mit einem Spinnrocken.

rammen. Durch anrennen in den Grund bohren, zu bohren versuchen. Es gibt ein althochdeutsches Zeitwort ramen, mittelhochdeutsch ramen: aufs Korn nehmen, nach etwas trachten. Da haben wir schon dasselbe Wort. Davon kam zunächst ramme, Balken oder Klotz zum Einstoßen von Pfählen oder Steinen in die Erde; Sturmbock zum Einrennen von Toren und Mauern, Widder. — Der Bock, der Widder gibt die Erklärung, denn der hieß und heißt mundartlich heute noch ram, mittelhochdeutsch ram, althochdeutsch rammo, von einer Wurzel ra, die stoßen bedeutet. — Rammen kann ein Schiff füglich nur wenn es mit seinem Vorderteil dem anderen in die Seite fährt. Daher muß sein Steven, sein Bug als Rammsteven, Rammbug gestaltet sein; es ist dann ein Rammschiff.

Randsomhölzer, die, sind die Hölzer aus denen der Holzschiffbau das hinterste und auch das vorderste Spant zusammensetzt, so daß also die hinteren mit den Wrangen und dem Heckbalken den Spiegel, die vorderen den Bug angeben. Das Wort stammt aus dem Niederländischen, wo es randsoenhouten heißt. Randsoen besteht aus der beliebten niederländischen Endung oen, sprich un, (vergl. Pardun) und rand. In der Tat bilden diese Hölzer den hintersten bezw. vordersten Rand des Schiffes, daher sie auch im Englischen fashion pieces heißen, d. h. „Façonstücke‟, Stücke die die Gestalt bestimmen. Die Randsomhölzer sind stärker als die gewöhnlichen Spanten. Bei dem zur Zeit in Kiel im Bau befindlichen Südpolarexpeditionsschiffe werden, wie fachmännische Seite mündlich berichtet, die Randsomhölzer besonders verstärkt um dem Eise desto mehr Widerstand bieten zu können. — Für gewöhnlich wird angenommen, daß es nur hinten Randsomhölzer gibt, doch sagen Männer vom Fach, daß sie auch vorne vorkommen.

rank ist ein Schiff, wenn es sich leicht auf die eine oder die andere Seite legt, wenn es zum Krängen neigt. Das Gegenteil davon ist „stabil‟. Ob ein Schiff rank oder stabil ist, hängt von der Lage seines Metacentrums (s. d.) ab. — Das verwandte hochdeutsche Zeitwort steckt noch in unserem verrenken, „drehen, hin und her ziehen‟. Daher auch Ranke; für eine Pflanze das Mittel sich festzuhalten, doch so daß sie Spielraum hat sich hin und her zu bewegen durch die Federkraft der spiralförmigen Rankengestalt. Rank ist in der Einzahl als Substantivum nicht gebräuchlich, desto mehr in der Mehrzahl Ränke, eine schnelle Wendung, eine krumme Bewegung, eine List andeutend; im Mittelhochdeutschen war aber die Einzahl rank = schnelle, drehende Bewegung gebräuchlich. Im Niederländischen sagt man wohl von einem Mädchen, sie sei „een rank meisje‟; das heißt nicht, wie Weiland meint, ein dünnes, sondern vielmehr ein flinkes, bewegliches Mädchen.

Rapert, das, ein jetzt ziemlich veraltetes Wort für Laffette. Eigentlich Rampert, niederländisch rampaard, also Rammpferd. Während die Laffette in den romanischen Sprachen Wagen (carretta) heißt, hat man sich in den germanischen das Kanonenrohr als auf ein Pferd gebunden vorgestellt, Rammpferd aber gewählt, weil es beim Schießen stößt wie ein ram, ein Widder (s. rammen).

Rauchsegel, das. Wenn ein Segelschiff, das auch Dampfkraft hat, diese letztere zeitweilig benützt, so müssen die (natürlich fest gemachten) Segel mit Bezügen versehen werden, damit der Rauch sie nicht schwärze. Ein solcher Bezug ist ein Rauchsegel; Segel weil aus Segeltuch hergestellt, wie man auch von Sonnen- oder Regensegel spricht. Sie wurden früher und werden wohl auch jetzt noch treffender Rauchbezüge genannt.

Raum, der, ohne nähere Bezeichnung bedeutet auf Handelsschiffen den Raum zur Aufnahme der Ladung, den Laderaum, niederdeutsch rum. Alle anderen Räume, sie mögen noch so bedeutsam sein, müssen besonders bezeichnet und benannt werden, Kajüte, Pflicht, Farunner, nur der Raum, auf den es bei einem solchen Schiffe allerdings hauptsächlich ankommt, heißt der Raum. — Vor Zeiten war Raum in gewissen Zusammensetzungen gleichbedeutend mit Deck z. B. Ober-Raum = Oberdeck. Es erzählen die „Durchläuchtigsten Seehelden‟, Sulzbach 1681 von Andreas Doria: „Es will aber das Krieges Glück nicht allezeit fügen, und ein so tapferer Kriegsmann wird nirgends gefunden, dem es nicht etwa einmal zu wider lauffen sollte. Und warlich so viel herrliche Thaten mochten wol ein oder zwey widerwärtige Fälle überwägen. Doria hatte zu Spesia das teutsche Fußvolck von Madrucci auf viertzig Galeyen eingenommen, und wiewohl ihm nicht unbewust war, daß die Türckische Flotte sich in der See aufhielte, verhoffte er gleichwohl, dieselbige entweder an Gaetta, oder an einem andern benachbarten Orte an das Land zu setzen; weil es aber Nacht worden, und er wegen seines hohen Alters nicht länger oben auf dem Ober-Raum bleiben konnte, hat er befohlen, daß man von der Insel Ponza sich abhalten solte, es wurden aber die Galeyen entweder durch den Strom, oder durch Unvorsichtigkeit der Steuerleute, so nahe an dem Ort, da die Türken lagen, getrieben, daß sie ihnen eher auf den Hals kamen, als sie sich zum fechten fertig machen konten. Derohalben Doria Befehl thät, daß man auf das füglichste, als es immer müglich zu weichen, bedacht seyn solte, aber unter denselben ward eine Galeye verloren, wie auch noch andere sechse, so die gantze Nacht, und den halben folgenden Tag von den Türken verfolget, und benebenst sieben hundert Teutschen, und einem Obersten, genommen wurden.‟

raumen ist die seemännische Form für das neuhochdeutsche Wort räumen, sich von der Stelle bewegen, den Platz verlassen, Raum machen oder geben, Platz machen, niederdeutsch rumen, mittelhochdeutsch rumen, althochdeutsch ruman, angelsächsisch rumjan. Seemännisch bedeutet: „Der Wind raumt‟, er verändert seine Richtung, aber nicht wie beim Krimpen, in ungünstiger, sondern in günstiger Richtung, so daß man besser Kurs steuern und die Segel aufbrassen d. h. den Wind unter günstigerem Winkel auf die Segel wirken lassen kann. Wenn der Wind so günstig ist, ungefähr backstags weht, so spricht man von raumem Wind und kann raumschots segeln; man spricht auch von raumer See, wenn das Schiff freie Bahn hat, wenn ihm genug Seeraum zur Verfügung steht.

rauschen lassen heißt eine Sache nicht langsam an einem Tau fieren, sondern das Tau loswerfen und so den Gegenstand dem Gesetze seiner Schwere übergeben, daß er diesem Gesetze folgend zu Boden saust. Rauschen heißt nach Kluge brausen, sausen, stürmen, eilig einhereilen, entsprechend dem niederländischen ruischen, englisch to rush = stürzen. Diese letzte Bedeutung erinnert an einen sehr gefährlichen Scherz, der eigentlich kaum ein Scherz genannt werden kann, darin bestehend, daß man einen schlafend oder doch ahnungslos in der Hängematte Liegenden „rauschen‟ läßt, indem man heimlich die Befestigung der Hängematte am Hängemattshaken löst.

reddern die Segel, heißt, sie durch Ordnen der Brassen, Schoten u. s. w. so in den Stand setzen, daß sie zum sofortigen Gebrauch bereit, klar zum Segelsetzen sind. Das niederdeutsche Zeitwort reden, mit dem auch Reede verwandt ist, bedeutet „bereit machen‟, eigentlich fertig machen zum Reiten, sattelfertig für das Besteigen eines Pferdes, seinen Anzug ordnen. In vielen Konjugationsformen von reden stellt sich ein doppeltes d ein. Von einer solchen geminierten Form ist reddern ein Faktitivum, besonders als solches gebildet ohne Rücksicht auf den eigentlichen schon an sich faktitiven Sinn des Zeitwortes.