Ree! ist auf Segelschiffen der Handelsmarine dasselbe Kommando, das auf Kriegsschiffen: „Klar zum Wenden!‟ lautet, bedeutet also den Befehl, daß jeder sich auf seinem Posten bereit zu halten habe zu den stets wichtigen Manövern des Wendens. Das erste Kommando zum wirklichen Beginn desselben heißt jetzt „Luv zum Wenden!‟ Früher hieß es: „Ruder (-Pinne) in Lee!‟ Es ist behauptet worden, Ree wäre eine sehr starke Zusammenziehung dieses Kommandos, („Ruder in Lee‟, „Rulee‟, „Ree‟) aber das stimmt schon dem Sinne nach nicht, da Ree dem „Ruder in Lee‟ zeitlich und begrifflich vorangeht. Ree ist allerdings eine Kontraktion, aber von rede und daß dieses nichts anderes als „bereit‟, „fertig‟, „klar zum Manöver‟ heißt, weiß jeder, der den Ursprung von Reede kennt.
Reede, die, ist ein Ankerplatz für Schiffe im Gegensatz zu Hafen. Ein niederdeutsches Wort, das als Rhede und Rede Ende des 17. Jahrhunderts ins Hochdeutsche drang. Wie sich aus dem Folgenden ergeben wird, ist für die Schreibweise Rhede gar kein Grund vorhanden. Man könnte ruhig Rede schreiben, da das e ohnehin lang gesprochen werden muß, und nur um es von Rede = Sprache zu unterscheiden, empfiehlt es sich, die Schreibweise Reede zu bevorzugen. Das Wort lautet französisch rade, spanisch, portugiesisch und italienisch rada, ist aber deutschen Ursprungs. Wir müssen auf das Gothische zurückgehen. Da heißt garaiths angeordnet, garaidjan bereit machen, zubereiten, mittelhochdeutsch gereite fertig machen. Und zwar liegt dem Worte ursprünglich der Begriff des Reitens zu Grunde; „bereit‟ ist aber der, der fertig ist aufs Pferd zu steigen, wie der fertig (fährtig) ist, der bereit ist, auf den Wagen, auf dem er fahren will, zu steigen. Althochdeutsch reiten, reiden = bereit machen. Mittelniederdeutsch rede = fertig. Nach einer Urkunde im Archiv zu Bremen entschuldigt sich Enno Edzardisna, hovetling in der Greet, (Häuptling zu Greetsiel) bei Bremen, daß er den Verbundbrief noch nicht geschickt habe, „wente de inseghel des mene landes een dele nycht al rede synt.‟ Die älteste deutsche Form für Rede ist reyde, reide, rede; diese drei kommen bereits 1400 im „Seebuch‟ vor. Gewöhnlich aber reyde in den meisten niederdeutschen Urkunden. Dem entsprechend spricht ein kaiserliches Reskript vom 2. März 1634 von Bremischem „Convoy-, Tonnen-, Baken-, Hafen-, Reyder-, Consumtions- und Schreibgeld.‟ Dieses Reydergeld nennt der aus Mitteldeutschland stammende oldenburgische Chronist Hamelmann 1598 Reutergeld. „Aber dessen ungeachtet haben die von Bremen im Jahr 85 wieder solchen vertrag angefangen Reuter- und Tonnengeldt und dergleichen von den Schiffen zu nehmen‟ ... Allmählich aber ist der Diphthong ei geschwunden und hat dem einfachen e Platz gemacht. Derselbe Vorgang hat sich mit dem niederdeutschen Eigenschaftsworte reide abgespielt; es wird zunächst rede und dann des Öfteren durch Schwund des d, wie slee von slede, kurz ree, wie ja auf Handelsschiffen der Befehl: „Klar zum Manöver‟ einfach ree! heißt. Von diesem rede = bereit hat Reede den Namen. In einem alten Stralsunder Vocabularium heißt es: „reyde het de stede vor de hauene, dar man en schip reydet, rede makt to segelende.‟ Das ist ungefähr, aber doch nicht ganz richtig. Nicht darum heißt der Ankerplatz Reede, weil das Schiff da rede gemacht wird, sondern weil es bereits rede ist, wenn es diesen Platz aufsucht; weil es nicht eher auf Rede geht, als bis es rede ist. Erst wenn es im Hafen völlig aufgetakelt, bemannt, geladen, ausgerüstet ist, kann es hinaus auf die Reede, bereit Anker auf zu gehen sobald der Befehl dazu ergeht und der Wind dazu günstig ist. Die meisten Reeden würden sich gar nicht zum Ausrüsten und Laden eines Schiffes eignen. — In der Marine-Rundschau 1892 ist der Versuch gemacht, Reede auf umgekehrtem Wege zu erklären, so daß Reede — englisch road — als Weg zum Reiten, zum Fahren für Schiffe das ursprünglichere wäre und das Eigenschaftswort rede eben davon käme, daß das Schiff, das auf der Reede liegt, rede ist. Das bedeutet aber einen großen Umweg, den man um so mehr sparen kann, als die Sache auch so zuletzt doch auf dasselbe, nämlich auf den aus „reiten‟ entstandenen Begriff „bereit‟ hinauskommt. — Das Wort hat reiche Beziehungen im Romanischen. Außer dem erwähnten rada finden wir im Italienischen arredo, spanisch arreo, portugiesisch arreio, altfranzösisch arroi = Zurüstung, Putz, Geräte; italienisch arredare zurüsten, corredo, altfranzösisch conroi, Ausrüstung. Alles vom gothischen raidjan. Dazu auch französisch agrès Takelwerk, agréer auftakeln; altfranzösisch agrei überhaupt Ausrüstung, Vorrat; wofür der Teuthonista schyp gereytscap hat; mittelniederdeutsch bei Kilian gereide. So sehr lag in dem Worte der Begriff Bereitschaft, daß man ein Testament selgerede, Bereitschaft der Seele zum Sterben nannte. — „Auf die Reede gehen‟ heißt auf der Reede zu Anker gehen. Deshalb sagt 1588 Waghenaer anstatt ankern „Reede machen.‟ „Daer leyt een banck buyten Iutlandt von Dodenbarch een myl inde Zee ghenaemt Reefhoren, streckende west ten zuyden wel acht mylen lanck, is tot sommighe plaetsen niet dieper dan dry vadem, daermen tot sommighe plaetsen door zeylen ende rede maken mach voor eenen noordtwesten ende norden wind.‟
Reederei, die, heißt eine Firma, die ihr gehörige Schiffe fahren läßt, wozu gehört, daß sie dieselben vorher ausrüsten, bemannen und laden läßt, also rede macht (s. Reede). Der Inhaber einer Reederei heißt Reeder, niederländisch reeder, altnordisch, isländisch reidari, norwegisch reidar, schwedisch redare, dänisch reder. Eigentlich heißt Reeder weiter nichts als Bereiter, Anfertiger, Zu- oder Ausrüster z. B. linnen-reder, Leineweber. Wenn aber bloß Reeder gesagt wird, so ist ein Schiffsreeder gemeint.
Reep, das, ist nicht nur das Tauwerk im Dienste der Seemannschaft, in Niederdeutschland heißt von Alters her jedes Seil, jeder Strick, jeder Strang Reep: das Reep der Glocken, das Reep des Henkers, sogar die Meßschnur heißt als Seil zum Messen in einer Skra die Lübeck etwa 1290 nach Lübischem Recht an den Hof der Deutschen in Nowgorod verfügt hat, repe: „So we one begrepen wert mit eime valschen repe oder mit einer valschen elen unde darmede met‟ ... Doch muß es schon dem Teuthonista vor mehr denn 400 Jahren geläufig gewesen sein, bei Reep hauptsächlich an den seemännischen Gebrauch zu denken, denn nachdem er zuerst ganz allgemein gesagt hat, es sei ein „seyl of towe‟, fügt er hinzu: „repe of seyl tot den segel of seyle op den schyp dyenende‟, „repe of seyl in den schyp der men in den wyntstorm gebruict‟, „repe dar men dat segel in den schyp mede op trect.‟ Gothisch heißt es raip, althochdeutsch reif. Dieses letztere wird aber für zwei Begriffe gebraucht, für Seil und für Ring. Das muß daher kommen, daß ein „aufgeschossenes‟ Seil wie ein Ring daliegt, zumal wenn anstatt des Hanftaues eine wilde Waldrebe gebraucht wird, wie es das ursprüngliche war. Wer gesehen hat, wie noch jetzt in einfachen ländlichen Verhältnissen an Stelle eines Strickes eine Waldrebe gebraucht wird, der kann sich leicht vorstellen, daß ein Reep im Grunde nichts anderes ist als eine Rebe. Das gothische Wort skaudaraip pflegt man wohl mit Schuhriemen zu übersetzen, es war aber ursprünglich nicht etwa ein Lederriemen, sondern einfach ein Stück Rebe. Wenn die altdeutschen Damen, wie aus dem Worte wida, Haarband, hervorgeht, zum Aufbinden ihrer langen blonden Haare eine wida, Weide, benützten, ähnlich wie heutzutage die Besenbinder die Birkenreiser zusammenbinden, so werden die Männer sich auch wohl mit einer Rebe als Schuhband begnügt haben. Im Laufe der Zeiten ist aber die Herkunft des Wortes Reep von Rebe als dem bindenden Material so aus dem Bewußtsein der Leute entschwunden, daß man in Ostfriesland sogar ein aus Stroh gedrehtes Seil ein Strohreep nennt. — Mit Reep ist auch Rippe verwandt mit der gemeinschaftlichen Bedeutung Umschlingung. Man hat versucht, Reep davon abzuleiten, daß der Reepschläger den Hanf „rupft‟ beim Rückwärtsgehen; das dürfte kaum angängig sein.
Reffen, reefen. Die Segel kleiner machen, sei es daß der Wind an Stärke zunimmt, sei es daß man aus irgend einem Grunde kleinere Fahrt machen, mit geringerer Geschwindigkeit segeln will. Richtiger reefen. Es ist ganz unerfindlich, wie das ff in das Wort gekommen sein mag. Es muß irgend ein Unkundiger an raffen gedacht haben, weil das Segel beim Reffen von der Rahe aus mit der Hand gerafft wird. Der Seemann spricht aber reefen, niemals reffen. Und er tut recht, denn reffen kommt von Reef und dieses von Reep. Hören wir Roeding's allgemeines Wörterbuch der Marine über das Technische: „Man bindet nämlich durch dünne Linien, (Leine, Band, Bändsel, Reffbändsel,) die Reefbanden genannt werden, und in einem quer über das Segel genähetem Streif Segeltuchs befestigt sind, und auf beiden Seiten des Segels herabhängen ... einen Teil desselben um die Raa fest, so daß der übrige nicht eingebundene Teil allein dem Winde ausgesetzt bleibt.‟ So viele „quer über das Segel genähete‟ Streifen einander parallel in gewissen Abständen vorhanden sind, so viele Reefen können „eingesteckt‟ werden. Nun ist Reep zu vergleichen und zu beachten daß Reep früher nicht nur ein Tau, sondern auch einen Leinwandstreifen bedeutete, (ähnlich wie unser Riemen für Lederstreifen von dem griechischen rhyma, Seil, kommt). Diese Leinwandstreifen, zur Verstärkung des Segels da aufgenäht wo die Reffbändsel zu sitzen kommen, sind eigentlich die Reefe; reefen aber ist das davon abgeleitete Zeitwort. So erklärt sich auch das Kommando: „Das erste, zweite, dritte, vierte Reef in die Marssegel!‟ natürlich von oben gerechnet. — Um aber denen, die an raffen gedacht haben, alle Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, so ist nicht ausgeschlossen, daß raffen im Sinne von umfassen und halten eines Stammes mit Reep, Rebe und Rippe ist, entstammt der Wurzel die im Sanskrit rabh heißt und fassen, umfassen bedeutet. — Beim Ankern wird nicht gereeft, da werden die Segel aufgegeit (s. d.). Da wo Karl Simrock von Oegir (Aegir) handelt und über das Schiff „Ellida‟ aus der Frithjofsage von Tegner eine Stelle anführt, die im Original „refvade seglet sig sjelf‟ lautet, hätte er Gelegenheit gehabt, diesen, der ja nicht Seemann sondern Bischof war, zu verbessern. Er hat sie sich aber entgehen lassen, so daß wir bei ihm in Uebersetzung lesen:
Tags darauf stand Wiking am Meer, und sieh, wie ein Seeaar, Wenn er die Beute verfolgt, in die Bucht einlief ihm ein Drachschiff. Niemand sah man darauf, ja es stand selbst keiner am Steuer; Dennoch fand's den geschlängelten Weg durch Klippen und Scheeren, Gleich als bewohnt es ein Geist, und als es dem Strande sich nahte, Reffte das Segel sich selbst, unberührt von menschlichen Händen Senkte der Anker sich nieder und biß mit dem Zahne den Seegrund. Stumm stand Wiking und sahs: da sangen die spielenden Wogen: „Oegir gedenkt, den du bargest, der Schuld und schenkt Dir den Drachen.‟
Regatta, die. Das Wort ist jetzt für jedes zur See stattfindende Wettfahren in Gebrauch: Segelregatta = Wettsegeln; Bootsregatta = Bootswettsegeln; Ruderregatta = Bootswettrudern. Das Wort stammt aus Venedig und ist lange Zeit nur dorten für die Wettfahrten der Gondeln angewandt worden.
Regelchronometer, der. Wie Regelkompaß der maßgebende Kompaß ist, so ist Regelchronometer derjenige, nach dem man sich von Schiffs wegen ein für allemal richtet, der Hauptchronometer. Zum Vergleich und zur größeren Sicherheit gibt es auf größeren, nach den Anforderungen der Neuzeit ausgerüsteten Schiffen mehrere Chronometer, aber einer dient als Regel und Richtschnur.
Regelkompass, der, ist der Kompaß, nachdem sich der Kommandant, der Navigationsoffizier, der wachhabende Offizier richten, er muß daher in der Nähe der Stelle angebracht sein, von der aus diese drei ihre Befehle ergehen lassen, nahe der Kommandobrücke und dazu möglichst hoch, schon um den magnetischen Einflüssen der Umgebung nach Möglichkeit entrückt zu sein. Da mit dem Regelkompaß auch gepeilt wird, so muß er schon darum einen freien, übersichtlichen Stand haben. Ist dieser in der Nähe der Kommandobrücke nicht möglich, so muß ein eigener Peilkompass an passender Stelle angebracht werden. Einen besonderen Steuerkompass, den die Leute am Ruder bequem sehen können, gibt es ohnehin.
Regensegel, s. Rauchsegel.