Registerbrief, der, die amtliche Bescheinigung der heimischen maßgebenden Behörde, die ein Schiff mit sich führt über seine Nationalität, seine rechtliche Zugehörigkeit zu einer bestimmten Nation; sein Ausweis andern Staaten gegenüber, daß es den Schutz seiner Flagge seitens seines Heimatsstaates genießt; das darüber ausgestellte Certifikat, der Brief, muß eine Beschreibung des Schiffes enthalten, den Namen und die nähere Bezeichnung des Eigentümers, des Kapitäns etc. und eine Angabe darüber, daß es in die heimischen Register eingetragen ist.

Reibholz, das, ist nicht mit der Bezeichnung Reibholz = Streichholz zu verwechseln, sondern bedeutet das Holz, das zwischen einem an einer Kaimauer liegenden Schiffe und der Kaimauer selbst sich befindet und verhütet, daß das Schiff sich an den Steinen der Mauer reibt, also ein Mittel gegen das Schamfilen. Wird die Vorsichtsmaßregel von Bord aus getroffen, so bedient man sich eines Fenders; von Land aus, so nennt man das dazu verwendete Holz Reibholz, doch können natürlich auch Bord und Land zusammenwirken.

Reichskommissar, der, für das Seemannswesen, ist der Beamte des Reichs, der, ein früherer Seeoffizier, angestellt ist um bei Seegerichtsverhandlungen mit Recht zu sprechen und dabei sein seemännisches Verständniß zur richtigen Beurteilung eines See-Unglücksfalles im besonderen in die Wagschale fallen zu lassen.

Reil, das, ist das zuweilen noch gehörte, schlecht ausgesprochene Wort für Oberbramsegel: royal. Es heißt eigentlich königlich, offenbar weil dieses Segel das höchste, oberste an Bord ist. Es könnte aber auch sein, weil die royal navy es zuerst in Gebrauch gehabt hätte. Doch das müssen die Engländer unter sich ausmachen. Es beschränkt sich der Gebrauch des Namens bei uns auf das Oberbramsegel; die Oberbramstenge und Oberbramrahe ist bei uns überall nicht nach diesem royal benannt.

„Reise, reise!‟ Der Ruf mit dem der Bootsmannsmaat der alten Wache die neue Wache die „verfangen‟ soll aufweckt. Wie oft ist dieser Ruf für englisch gehalten worden, wo to rise bekanntlich aufstehen heißt. Und doch wurden in Ostfriesland Leute mit dem Rufe riis! geweckt, lange ehe Britannien daran dachte die Wogen zu beherrschen. Schon im Altfriesischen, das seit fünfhundert Jahren nicht mehr gesprochen wird, hieß es: „riys oer ein! Di sinne scynt yn dyn naest!‟ Aufstehen, sich erheben hieß eben altfriesisch risan, gotisch urreisan, althochdeutsch risan, mittelhochdeutsch risen, mittelniederdeutsch noch ziemlich spät und zwar, wie die davon abgeleiteten Wörter bezeugen, nahe an reisen anklingend, ebenfalls risen. Daher kommt nämlich ein Reisiger, einer der sich aufmacht, zu Felde zu ziehen. Daher das schweizerische pleonastische Reislaufen, in fremden Kriegsdienst treten. Schon im Althochdeutschen hieß reisa Aufbruch, Kriegszug, und daraus entstand nach und nach unser „Reise‟ im Sinne von: „So jemand eine Reise tut,‟ dabei gilt es ja und galt es früher noch mehr, sich früh zu erheben, „der Sonne entgegen‟ zu gehen. — Sehr deutlich hat die Architektur in ihrem Worte Riese die Bedeutung „sich erheben‟ festgehalten. Sie unterscheidet in der Gothik bei einer Fiale, diesem kleinen schlanken Türmchen, den Leib und den Riesen, und dieser ist der Teil der sich verjüngend nach oben strebt. — 1673 hieß niederdeutsch das Steigen, das Höhergehen der Sonne noch risen; „Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟: „im gewissesten tho gahn, so mag man diese Pegeling 2. à 3. mahl dohn, und ein jedermahl anschriven, doch mut solckes kort na ein ander geschehen ehr de Sün vel rist.‟ — „Wenn gy nu sünd by Norden de Sünn, dat ys wen de Sünn Südwart van juv ys, und upt Högeste ys geresen, so nehmet den Stock (Jakobsstab), und settet ehn an dat buten Kant, nevens juw Ogappel, und schufet dat Krütz so lang, dat gy dat bawenste Ende vant Krütz recht int midden up de Sünn krigen, und dat underste Ende just an de Kimmen offt Horizont des Waters. Wachtet den ein weinich und proberet ydt wedder, und wat de Sünn den höger reist, dat halet dat Krütz na juw, bet gy sehn dat de Sünn nicht mehr riest, so ys ydt wol.‟

Reling, die. Es ist nicht zu verkennen, daß unsere Kriegsschiffsseeleute heutzutage unter Reling etwas anderes verstehen als was sie eigentlich ist. Denn sie nennen die ganze Bordwand soweit sie über das Oberdeck hinausragt Reling, während sie eigentlich doch nur ein auf dieser Bordwand aufsitzendes Geländer bedeutet. Es waren auf dieser Bordwand Stützen angebracht, und diese waren mit Riegeln unter einander verbunden, so daß diese Riegel das Geländer bildeten. Riegel heißt niederdeutsch Regel; daher zunächst Regeling und dann nach Schwund des g und Zusammenziehung der beiden e Reling. Roeding (1794) hat eine leicht verständliche Beschreibung: „Regelingen sind lange dünne hölzerne Riegel die von Zeit zu Zeit durch hölzerne Stützen getragen werden, die man Finknetzstützen oder Regelingsstützen nennt. Letztere sind auch manchmal von Eisen und beide zusammengenommen bilden ein Geländer um den Bord des Schiffes, welches die Schanzkleidung trägt. Auf Kriegsschiffen sind die Finknetzstützen gewöhnlich von Eisen und doppelt; statt der Regelingen scheert man gern einen Leier (Leiter) von hinlänglich starkem Tauwerk durch ein Loch an ihrem oberen Ende. Vom Leier bis zum Bord wird nach innen und außen ein Netz von dünner Lien befestigt, welches das Finknetz heißt. Zwischen beide werden im Gefecht und bei gutem Wetter zum Auslüften die Hangematten des Schiffsvolks gestauet, die eine Art von Brustwehr machen, welche zuletzt mit einer Schanzkleidung von gemaltem Segeltuch oder bloßer Presenning bedeckt wird.‟

Remorqueur, der. Am Rhein hält man es für geschmackvoll, einen Schleppdampfer remorqueur zu nennen und von remorquieren zu sprechen. Französisch rémorquer, italienisch remorchiare, spanisch remolcar, vom lateinischen remulcum = Schlepptau, remulcare, griechisch remulkein, am Seil ziehen, ins Schlepptau nehmen.

Reveille, die. Mit Bezug auf dieses Wort sind wir französischer als die Franzosen. Denn die reden nicht von Reveille, sondern sagen battre la diane; holländisch die Diana slaan. Diana heißt die Morgenwache, italienisch diana, der Morgenstern, eigentlich stella diana, von dem verschwundenen Adjektiv diano, von dies, der Tag. Die Göttin der Jagd ist durch Mißverständnis in die seemännische Gesellschaft gekommen. Übrigens hat man sich besonnen und sagt jetzt anstatt Reveille Wecken.

Revier, das, ist das Fährwasser in einem schiffbaren Flusse. Es ist also ganz überflüssig Flussrevier zu sagen. Diese nähere Bestimmung ist zu Revier nur hinzugefügt worden, weil in verschiedenen hochdeutschen Verbindungen, wie z. B. Jagdrevier,Forstrevier, Revierförster, und auch für sich allein stehend das Wort Revier die Beziehungen zu Fluß, die es ursprünglich besaß, verloren hat. Es kommt von rivière, Fluß; dann Gegend am Fluß, also Ufer; dann Gegend am Ufer, und zuletzt einfach Gegend, Bezirk. Mittelhochdeutsch rivier, und so meist auch mittelniederdeutsch, die zweite Silbe mit sehr langem i, fließendes Wasser, Fluß, Strom. Die Formen revier, rivier, rever wechseln mit einander. Es ist zu beachten, daß seemännisch nicht jedes fließende Wasser, sondern nur das schiffbare Revier heißt. In den „durchläuchtigsten Seehelden‟ (1681) wird von einer holländischen Gesandtschaft nach England aus dem Jahre 1664 berichtet. Der Gesandte, Herr von Goch, „hatte noch denselbigen Abend geheime Audientz bei dem König, da anfänglich nichts als allerley Freund- und Höfflichkeiten vorgiengen. Aber Se. Majt. fiel zum ersten auf die Sachen der Ost- und West-Indischen Compagnie davon er unter anderen Reden sagte: Es wäre unerträglich, daß die West-Indische Compagnie mit etlichen wenigen Vestungen, und einem Schiffe drey oder viere (drei oder vier Schiffen), ohne fernere Besitzung einiges Landes die gantze Africanische Küste mit derselben Rivieren und Strömen unsicher machen und andern den Handel alle verhindern und incommodiren solte.‟

Riemen, der, besser Remen, das seemännische Wort für das Werkzeug zur Fortbewegung eines Boots, das im nichtseemännischen Leben Ruder genannt wird. Daß Remen zu Riemen gemacht und so in die Lage gebracht wurde, mit einem Lederstreifen verwechselt zu werden, war ein ziemlich kühnes Wagnis, zumal es Leute gemacht haben, die doch wohl kaum ahnen konnten, daß die beiden Wörter am letzten Ende auf eine Wurzel zurückgeführt werden können. Tatsache ist, daß jetzt Remen = Ruder und Riemen = Lederstreifen zwei sehr verschiedene Dinge sind. — Remen ist als seemännisches Wort zuerst, und zwar schon in althochdeutscher Zeit, am Oberrhein gebraucht worden. Von da ist es den Rhein hinabgewandert und hat sich an den Küsten der Nordsee und auch — wie zahlreiche mittelniederdeutsche Urkunden beweisen — an der Ostsee ausgebreitet. An den Oberrhein haben ihr remus die Römer gebracht, vielleicht der römische Admiral Crescentius, dessen Votivstein im Museum in Köln steht, oder einer seinesgleichen, denn es gab römische Seeleute genug am Rhein. Es fragt sich jedoch, wie die alten Deutschen dazu kamen, das fremde Wort für eine Sache anzunehmen, die ihnen doch unzweifelhaft schon lange vor der Zeit der römischen Herrschaft am Rhein bekannt war. Sie hatten doch gewiß auch in der vorrömischen Zeit einen deutschen Namen für das Fortbewegungsmittel ihrer Einbäume. Da sie nicht so neuerungssüchtig waren wie ihre spätgeborenen Söhne, so muß der uralte Name zu Gunsten des neuen darum aufgegeben oder doch zurückgedrängt worden sein (s. Ruder) weil das neue Werkzeug ein wesentlich verbessertes, brauchbareres, handlicheres darstellte als das bis dahin gebrauchte. Es mag also hier gegangen sein wie mit der verbesserten Mahlvorrichtung molina, der zu Liebe die Väter ihr Wort quairn so ziemlich in Vergessenheit geraten ließen und Mühle sagen lernten. Wahrscheinlich hatten die Rheinländer bis dahin mit Pagaien aus freier Hand gerudert, während remus auf dem Dollbord aufliegend gehandhabt wurde. Die Schreibart Remen ist der von Riemen aus geschichtlichen, sprachlichen und sachlichen Gründen vorzuziehen, s. auch Ruder und rojen. Französisch rame ist wohl dem italienischen, spanischen, portugiesischen rama, Ast, nachgebildet aber in seiner Bedeutung doch durch remus bestimmt, das der französischen Sprache ursprünglich gewiß nicht fehlte, aber ihr als eine zu ausdruckslose Form, denn es hätte rein lauten müssen, mißfiel. Wangerländisch rium, Ehrentraut II. 62. Nordfriesisch reem. — Auffallend hat sich der Begriff eretmos und der rhyma in dem Worte vereinigt, das die Rheinschiffsleute in der Schweiz gebrauchen: „Zugruder.‟