1. teilen, abteilen; daher bescheeren, jedem sein Teil geben.
2. eine Leine scheren, dadurch einen Raum von einem andern abteilen; kann auch durch eine Bretterwand geschehen.
3. ausscheren, sich von der bisherigen Richtung scheiden, trennen von einem Schiffe, von den unteren Wolken.
4. schneiden (mit der Schere); die Haare scheren, Tuch scheren.
5. mähen, Gras scheren, Rasen scheren.
6. sich bekümmern um, sich Mühe machen um — „Was schert mich Weib, was schert mich Kind‟ ...
7. gehen, eilen, laufen, sich eilig entfernen, sich plötzlich von einer Gesellschaft trennen: „scheren Sie sich zum T...!‟
8. in einer Weberei Garn scheren.
Nur die drei ersten Bedeutungen sind in der Seemannssprache gängig; und zwar ist 2. dahin erweitert, daß „ein Tau scheren‟ nicht nur gebraucht wird wenn dadurch ein Raum abgeschoren werden soll, sondern ganz allgemein, z. B. Wäschejollen scheren, wobei allerdings zu bedenken ist, daß durch jedes Scheren eines Taues schließlich der Raum in zwei Teile geschieden wird. Die Grundbedeutung ist „abscheiden‟. Althochdeutsch sceran, mittelhochdeutsch schern; altnordisch skera, angelsächsisch sceran, im Altfriesischen, wo das Wort eine zahlreiche Verwandtschaft hat, skera. — Die nordischen Scheren bedeuten geteilte, von einander schroff „geschiedene‟ Felsen, vergl. norwegisch skjera, schwedisch skära, dänisch skjäre.
Schiemann, der. „Der auf den Bootsmann folgende Unteroffizier, dem die Takelage des Fockmastes angeht, so wie dem Bootsmann die Takelage des großen Mastes und dem Bootsmannsmaat diejenige des Besahnmastes.‟ Kilian: „schim-man (schieman) proreta, qui in prora tutelae navis presidet.‟ „Vocatur ille in navibus cujus est omnium vasorum et instrumentorum curam habere‟. Brem. Mscr. „Und dese jegenwardige beide menne mit ohm (dem Capitain) gesegelt dar dann Gerth Spanman thom ersten schymman, auerst darnach houetbossman gewesen‟, Brem. Urk. v. 1580. Nach einer Wismarer Urkunde von 1580 unterschied man: A. hovetbossmann, B. schymman, C. tymmerman, D. E. F. bosmans, G. puitker auf einem Schiffe; letzterer war der Geringste (s. Pütker). Dem deutschen Schiemann entspricht das dänische Skibmand und das schwedische Skipman, und das legt die Annahme nahe, daß Schiemann eigentlich Schipmann (entsprechend den Bootsmann) geheißen habe und daß das p vor m ausgefallen sei, beziehungsweise sich zu m assimiliert habe. Die Frage würde uns nichts weiter angehen, da die Tage des Schiemanns vorüber sind, und mit dem Amt wäre auch der Name ausgestorben, wenn nicht das Wort Schiemannsgarn ihn gerettet hätte, die Bezeichnung eines schönen, glatten, sauber geschlagenen zu den verschiedensten Zwecken verwendbaren dicken Bindfadens. Nach Weiland hätte der schimman davon den Namen, „om dat hy is de schim en schaduw van den hoogbootsman‟ (!)