Schiff, das, hat vom Einbaum bis zum Linienschiff so viele Wandlungen durchgemacht, daß es vermessen wäre, mit wenigen Worten sagen zu wollen, was ein Schiff sei. Wir fragen daher nur nach der Herkunft des Namens „Schiff‟. Es ist behauptet worden, es läge ihm ein vorauszusetzendes gotisches Zeitwort skipan zu Grunde, etwa mit der Bedeutung, „hohl machen‟. Es ist auch nicht zu leugnen, daß das Wort den Eindruck macht, als habe in frühesten, indogermanischen Zeiten die Stammsilbe den Vokal i getragen. Indessen verschieben sich Vokale leicht, und gerade Schiff hat einen reichen Wechsel zwischen a, e, i und sogar io aufzuweisen. Da ist 1, das hochdeutsche Schiff, 2, das niederländische scheep, 3, das altfriesische skapp, 4, das gädhelische sgiob. Zu 1, gehört mittelhochdeutsch schif, althochdeutsch scif, gothisch und altnordisch skip, angelsächsisch scip, englisch ship, altsächsisch skip, neuniederländisch in der Einzahl schip, dänisch skib, französisch esquif (Boot). Zu 2, die neuniederländische Mehrzahl von schip, schepen, mittel- und altniederländisch scheep, mittelniederdeutsch schep, schepen, scheper, althochdeutsch scef, scefsaufi, scefsaufig-schiffbrüchig, lettisch skepe. Zu 3, bretonisch skaf, gädhelisch scafa, griechisch skafos. Wenn wir nun in so verschiedenen Sprachen in dem Worte das wir Schiff nennen anstatt des i oder des e den Vokal a finden, so kann es nicht allzu kühn sein, auf eine vorgermanische Wurzel skap und auf das althochdeutsche skapjan als Ursprung zu schließen. Dieses letztere Zeitwort skapjan heißt schaffen. Allerdings nicht in dem Sinne des biblischen Schöpfungsberichtes: „etwas aus nichts ins Dasein rufen‟, sondern gemäß dem altgermanisch-heidnischen Schöpfungsgedanken: „aus rohem Stoffe etwas zu einer Gestalt herausbilden‟. Und zwar geschah solches Herausbilden aus dem Urstoff nach germanischer Vorstellung durch „schaben‟. (s. schaffen = essen). Holz war der Stoff an den man dachte. Skapjan heißt, mit irgend einem Werkzeug in Holz arbeiten und aus Holz etwas herstellen, „schaffen‟; heißt durch Ausstechen, Ausgraben, Aushöhlen, Schnitzen, Schneiden, Glätten, Hobeln, Schaben einen Baumstamm zu einem Boot gestalten und umschaffen. Das war zunächst nur ein Einbaum, aber so fing eben der Schiffbau an. Und eben darum findet man bei den alten Deutschen so häufig eine Zusammenstellung von Schiffen und Leichen und eine gewisse Gleichstellung von Schiff und Sarg, weil das Schiff sowohl wie der Sarg ein Einbaum war. So einfach die Sache ursprünglich war, so einfach, aber naheliegend war das Wort dafür aus der Tätigkeit bei der Herstellung der Sache zu finden. Eine zwar ebenso einfache, aber doch lange nicht so geistreiche Bezeichnung von Schiff ist vaisseau, provençalisch vaissel, englisch vessel, italienisch vascello vom lateinischen vas, vasculum = Gefäß. Das „Bremer Wörterbuch‟ glaubt die Sache damit abgetan zu haben, daß es schrieb, Schiff komme von schieben, „weil die ersten Schiffe, deren sich eine Nation bedient hat, ohne Zweifel kleine Schiffe waren, welche mit Stangen fortgeschoben wurden‟. Diese Erklärung ist um weniges besser als die scherzhafte, die vom schiefen Bau redet. — Die Ausrüstung etc. etc. eines Schiffes hieß mittelniederdeutsch eskipasje; daraus ist das französische Wort equipage geworden. — Hier eine kurze Übersicht über die Benennung der Schiffe wie sie gegenwärtig üblich ist. Bei den Segelschiffen wird die Unterscheidung nach der Art der Takelage getroffen. Ein Vollschiff hat drei vollgetakelte d. h. mit Rahen versehene Masten; eine Bark, die besonders stark vertretene Art von Segelschiffen für große Fahrt, hat Groß- und Fockmast mit Rahen, den Besanmast aber mit Schratsegeln, eine Schunerbark hat Masten wie eine Bark, aber an Groß- und Fockmast keine unteren Rahesegel sondern Gaffelsegel, eine Brigg hat Groß- und Fockmast, vollgetakelt und am ersteren noch einen Besan, der aber Briggsegel heißt; eine Polackerbrigg, s. d., eine Schunerbrigg oder Brigantine ist wie die Schunerbark getakelt, doch ohne Besanmast, ein Dreimast-Marssegel-Schuner hat den Fockmast vollgetakelt und der Großmast ist gleich dem Besanmast, ein Dreimast-Gaffel-Schuner hat drei Besanmasten, die aber Schunermasten genannt werden; ein Dreimast-Topsegel-Schuner ist gleich dem Dreimast-Gaffel-Schuner, nur daß sein Fockmast Mars- und Bramrahen führt; ein Marssegel-Schuner hat den Fockmast vollgetakelt und einen Schunermast; ein Topsegel-Schuner hat zwei Schunermasten, von denen jedoch der Fockmast Mars- und Bramrahen führt; ein Gaffel-Schuner hat zwei einfache Schunermasten mit Gaffelsegel und Gaffeltopsegel und ist der eigentliche, richtige, weitverbreitete, leicht zu handhabende Schuner, wie er mit wenig Bemannung die weitesten Fahrten unternimmt. Die Engländer nennen ihn fore and aftschuner, weil beide Masten gleich getakelt sind, und so kann man ihn auch bei uns nennen hören; ein Chasse-Marée s. d.; ein Lugger s. d.; ein Kutter s. d.; ein Slup s. Schaluppe. — Außerdem gibt es Viermastschiffe, und zwar Viermast-Vollschiffe mit Fockmast, Großmast, Kreuzmast, Jiggermast, von jigger, „a small square sail on a mast and boom at the stern of a boat,‟ man würde also Treibermast sagen können; Viermastbarkschiffe mit Fockmast, Großmast, Kreuzmast und Besanmast; und Viermastschuner, ebenfalls mit Fockmast, Großmast, Kreuzmast und Besanmast. Und sogar zu Fünfmastschiffen hat man sich verstiegen, nämlich zu Fünfmastvollschiffen, Fünfmastbarkschiffen, Fünfmastschunern; als Namen für die Masten der ersteren sind in Vorschlag gebracht Fockmast, Großmast, Kreuzmast, Jiggermast, Achterkreuzmast; für die beiden letzteren Fockmast, Großmast, Kreuzmast, Jiggermast, Besanmast. — Die Kriegsschiffe werden bei uns zur Zeit eingeteilt in Linienschiffe, Küstenpanzerschiffe, Große Kreuzer, Kleine Kreuzer, Panzerkanonenboote, Schulschiffe, Spezialschiffe, Torpedofahrzeuge. — Über die Benennung der Schiffe nach der Anordnung ihrer Decks s. Deck.

Schiffsbesichtigungskommission, die, eine Kommission bei der Kaiserlichen Marine, bestehend aus einem Seeoffizier und den nötigen technischen Mitgliedern, deren Aufgabe es ist, Handelsdampfer auf ihre Brauchbarkeit als Kriegschiffe zu besichtigen und sich über ihre Verwendbarkeit im Falle einer Mobilmachung etc. auf dem Laufenden zu erhalten. Schon vor 600 Jahren wußte man von einer, allerdings nur nach Bedarf im einzelnen Falle zusammentretenden Schiffsbesichtigungskommission. Im Jahre 1293 erteilte König Philipp der Schöne von Frankreich als Lehnsherr über Flandern „den Bürgern und Einwohnern von Lübeck, Gothland, Riga, Campen, Hamburg, Wismar, Rostock, Stralsund und Elbingen und einigen anderen das deutsche Meer befahrenden Kaufleuten, bey ihrer Fahrt auf Flandern oder von da zurück, es sey zu Wasser oder zu Land, in allen Teilen seines Reichs freyen Handel gegen Erledigung der üblichen Abgaben. Jedoch sollten sie nirgends nach Frankreich Wolle, Leder oder andere Waren aus England, Schottland oder Irland oder aus Landesteilen, die der Herrschaft der Engländer unterworfen sind, einführen, noch selbst auf dem Meere verschiffen, bei Verfall des Gutes und anderen Strafen nach des Königs Gutdünken. Ebenso sollten sie keine Güter aus Frankreich nach England führen und daselbst verkaufen, bei gleicher Strafe. Auch behält sich der König vor, ihre Schiffe, die er zum Kriegführen bedürfe, ihnen abzumieten oder abzukaufen, nach der Schätzung von vier unbescholtenen Männern, zur Hälfte aus ihrer, zur andern aus des Königs Untertanen genommen.‟ (Sartorius. — Lappenberg, Hansa, I 272.)

Schiffsregister, das. „Um nun jederzeit den an den Schiffahrtsverhältnissen beteiligten Kreisen Gelegenheit zu geben, sich über den Zustand irgend eines Schiffes ausreichend zu unterrichten, werden von den Besichtigungsinstituten Register, d. h. Schiffslisten, herausgegeben. Diese enthalten außer dem Namen und dem Unterscheidungssignal der bei dem bezüglichen Besichtigungsinstitut klassifizierten Schiffe die Hauptdimensionen derselben, die Klassenzeichen (s. A), das Datum der letzten Besichtigung und die Angabe des Materials, aus welchem sie erbaut sind, u. dergl. m.‟ Besonders enthalten sie auch die Klassifizierung nach Art der Fahrten. Dabei bedeutet

k Kleine Küstenfahrt, die Fahrt längs den Küsten des Festlandes und den Inseln der Nordsee vom Kap Gris Nez bis zum Aggerkanal, im Kattegat südlich von Friedrichshaven und Gothenburg, in den Belten und im Sund, sowie längs der Küste der Ostsee.

K Große Küstenfahrt, die Fahrt in der Ostsee, in der Nordsee, im Englischen Kanal, im Mittelländischen und Schwarzen Meer, sowie in überseeischen Gewässern ähnlicher Art.

Atl. Atlantische Fahrt, die Fahrt innerhalb des Atlantischen Ozeans, sowie Zwischenfahrten in indischen und chinesischen Gewässern und im Stillen Ozean.

L. Große Fahrt, die für die vorhergehenden Fahrten festgesetzten Grenzen überschreitende Fahrt.

Schiffe, deren Bug mit besonderen Verstärkungen für die Fahrt durch Eis versehen ist, erhalten außer dem Fahrzeichen noch die Bezeichnung: (E).

Schiffstaufe, die = Stapellauf. Diese Taufe erinnert äußerlich in zweierlei Hinsicht an das christliche Sakrament der Taufe, wie wenig sie auch sonst damit zu tun hat. Einmal ist taufen = tauchen, was früher beim Sakrament der Taufe geschah und jetzt bei der Schiffstaufe geschieht, indem das Schiff, wie es bei den dabei gehaltenen Reden zu heißen pflegt, „in sein Element hinabtaucht.‟ Sodann ist die Namengebung mit dem Tauchen verbunden. Frühe schon ist das altgermanisch-heidnische Namensgebungsfest mit der christlichen Taufe zu einer Feier verbunden worden. Bis zum Augenblick der Taufe wird — wenigstens bei uns; bei anderen Nationen ist es, wie auch bei unseren Handelsschiffen, anders — der Name eines Kriegsschiffes geheim gehalten. Es ist daher für die beteiligten Kreise ein spannendes Geschäft, aus den Einladungen, aus den Zurüstungen und Vorbereitungen und zuletzt aus dem Verlauf der Taufrede den kommenden Namen zu erraten.

schiften heißt irgend eine Sache von einer Seite auf die andere bringen, von einer Stelle auf die andere bewegen, ihr einen andern, neuen, besseren, unter veränderten Umständen richtigeren Platz anweisen, etwas teilen, abteilen, absondern, ordnen, anordnen, sichten, schichten. Das Wort ist niederdeutsche Form für schichten, nach dem so oft zur Anwendung gekommenen Gesetz der Lautverschiebung, nach dem Graft und Gracht, Schacht und Schaft, Kraft und kracht und viele ähnliche sich einander entsprechen.