Schmarting, die, ist eine Bekleidung einer dem Schamfilen ausgesetzten Stelle mit altem Segeltuch, also im Wesentlichen dasselbe wie Schladding, nur daß man bei beiden Wörtern von verschiedenen Gesichtspunkten ausgegangen ist; bei Schladding von der Bekleidung, bei Schmarting aber von dem Schaden, der entsteht, wenn die betreffende Stelle nicht bekleidet ist, denn dann gibt es eine Schmarting, ostfriesisch-niederländisch smarting, eine durch Reiben entzündete Stelle auf der Haut, eine schmerzhafte Verletzung; smarten heißt schmerzen, aber nicht so allgemein wie im Hochdeutschen, sondern: „durch Reiben wund werden und dann wehe tun‟; daher das Wort smartfel = schampfel (s. schamfilen) für Epidermis, da diese sich durch Reiben an einem harten Gegenstand leicht „schamfilt‟ und dann sehr schmerzt. Solches Reiben zu verhüten, solche „Schmarting‟ zu verhindern, wird eine Schmarting angelegt.

Schmeerreep, das, ist ein Sicherheitstau, das geschoren wird, um in Wirkung zu treten, wenn das eigentliche Tau aus irgend einem Grunde nicht halten sollte; also etwas das an sich überflüssig ist und nur der größeren Vorsicht halber, um ein Übriges zu tun, benützt wird, damit man desto besser und sicherer fahre. Es mag der Benennung der Gedanke an das Sprichwort zu Grunde liegen: „Wer gut schmeert, der gut fährt‟, d. h. wer dem Kutscher kein Trinkgeld gibt, der fährt zwar auch, wer ihm aber eins verabreicht, der fährt besser, schneller, sicherer. Jemanden schmieren heißt ihn bestechen, sich seiner durch Bestechung versichern, und eine Versicherung ist das Schmeerreep, ist auch die Schmiergording gewesen. — Es braucht kaum ausdrücklich bemerkt zu werden, daß das Gesagte nur den Wert einer Vermutung hat und daß unser Wort noch einer wissenschaftlichen Erklärung harrt.

Schmiege, die, heißt der mit einer beweglichen Zunge versehene Zollstock der Schiffszimmerleute, der dazu dient, die Schmiegung d. h. die Abweichung vom rechten Winkel zu messen, wie sie sich der Gestalt des Schiffes gemäß an den Spanten findet; ein Schrägemaß. Die Bedeutung von schmiegen ist „sich eng an etwas drücken‟, wobei man sich, wenn es not tut, aus der geraden in eine geneigte Lage bewegen muß, seinen Winkel zu verändern genötigt sein kann. Hierher gehören auch schmücken, weil das schmückende Kleid sich anschmiegt und schmuggeln, weil der Schmuggler ein sehr anschmiegendes Wesen haben muß, um hinter einem Baum oder Busch Deckung suchen zu können.

Schnabel, der, meist in der Verbindung Schiffsschnabel, ist der vorderste Teil des Schiffes, wie Schnabel der vorderste Teil des Vogels ist. Schon bei den Alten hatte der Bug eine rostrumartige, geschnäbelte Gestalt, wie die columna rostrata hinlänglich beweist. Aus rostrum ist spanisch und portugiesisch rostro = Angesicht entstanden, wie es auch schon im Lateinischen bei Plautus und anderen Schriftstellern gebraucht worden war, als zwar volkstümliche, aber nicht unedle Bezeichnung. Bei uns wird Schnabel für Mund gebraucht, aber nur in verächtlichem Sinne. Der Seemann sagt von seinem Schiff lieber: „es steckt die Nase in den Wind‟ als: „es steckt den Schnabel in den Wind‟. — Das Wort gehört zu der in schnappen enthaltenen Wurzel snab.

Schnau, die, ein Schiff wie eine Brigg, also zweimastig, mit Rahesegeln, aber mit der besonderen Eigentümlichkeit, daß für den Besan ein besonderer Mast errichtet ist, und zwar ganz dicht hinter dem Großmast, so nahe, daß sein oberes Ende zwischen der Längssaling dieses Mastes befestigt ist. Diese Einrichtung ist geblieben, auch nachdem die Schnau selbst verschwunden ist: man hat heute noch neben den Masten Schnaumasten stehen für die Schratsegel und den Besan. — Schnau kommt vom niederdeutschen snau der Schnabel, eigentlich die Schnauze; ursprünglich hat also nicht dieser eigentümliche Mast, sondern der besonders auffallend oder hervorragende Schnabel den Namen hergegeben, das rostrum. Niederländisch snauw, dänisch snau, schwedisch snau, englisch snow, französisch senau, italienisch senau, portugiesisch senau. Das Bremer Wörterbuch sagt: snau = Schnauze, das hervorstehende Maul mit der Nase bei einigen Tieren. Im uneigentlichen Sinne wird es von einigen leblosen Dingen, deren vorderstes Ende hervorragt oder schmal und scharf zugeht, gebraucht, z. B. Schiffe sind up de snau gebaut, wenn sie vorne spitz zulaufen.‟ So hat ja auch im Hochdeutschen eine Kanne eine „Schnauze.‟

Schnicke, die, war zu Rödings Zeiten (1794) ein kurzes, rundes, bloß in der Nordsee gebräuchliches Fahrzeug zum Fisch-und Austernfang, kleiner als die Schmack; jetzt (Doornkaat) ein leichtes, langes und spitz zulaufendes Fährboot für Binnenkanäle. Zur mittelniederdeutschen Zeit war es ein Beiboot einer Kogge. In einer Lübischen Urkunde von 1368 heißt es: de stede schollen othmaken teyn cogghen ghemannet mit ghuden wepenern, dat is tho vorstande hunderd wapende man in enen giwelken kogghen onde tho giwelken koggen schollen wesen een schute onde een snykke.‟ Es ist eigentlich dasselbe wie Schmack, jedenfalls gleichen Ursprungs mit diesem vom althochdeutschen snahan, kriechen, gleiten, schlüpfen, schleichen; es bedeutet also jedenfalls keinen besonderen Schnellsegler. Niederländisch snick, altnordisch, norwegisch snekkja, dänisch snekke, snakke, althochdeutsch snacga.

Schnürboden, der. Wenn die Pläne und Zeichnungen eines Schiffes fertig sind und es geht nun an die Ausführung, so ist die erste Arbeit das Abschnüren des Schiffes. „Es ist dies eine Arbeit, welche das Aufzeichnen der Konstruktionslinien des Schiffes in natürlicher Größe auf dem Fußboden eines besonders hierfür gebauten Raumes, des sogenannten Schnürbodens, ausmacht.‟ Das Aufzeichnen geschieht nach den betreffenden Maßen der Pläne mittelst der Meßschnur.

Schoner, auch Schuner, der. Das Kennzeichnende dieses seetüchtigen, gutsegelnden, leicht zu bedienenden schmucken Segelschiffes ist die ausgiebige Verwendung von Schratsegeln. Wenn man von einer Schuner-Takelage spricht, so sind stets Schratsegel gemeint im Gegensatz zu Rahesegeln. So sagt man z. B. Schunerbrigg zu einem Fahrzeug, das vorne Rahen, hinten Schunertakelage hat. Niederländisch schoener, schwedisch, dänisch skooner, französisch schouner, italienisch, spanisch, portugiesisch scuna, englisch schooner, scooner. Das Wort soll amerikanischen, neuenglischen — im geographischen Sinne — Ursprunges sein. „It seems to have been proved beyond controvercy that the name, like the vessel itself, is of American origin, being from a New England word scoon, to skim or skip upon the water, to make ducks and drakes. The first vessel of the kind is said to have been built at Gloucester, Mass „by Captain Andrew Robinson about 1713; and the name was given to it from the following circumstance. Captain R. hat constructed a vessel, which he masted and rigged in the manner that schooners now are, and on her going off the Stocks into the water a bystander cried out; „O how she scoons!‟ R. instantly replied: „A scooner let her be;‟ and from that time this class of vessels has gone by that name.‟ Also von der leichten, schwebenden Bewegung ist der Name genommen.

Schönfahrsegel, das, verkürzt Schoversegel (bei Röding). Man sollte denken, das wäre die richtige Bezeichnung für Leesegel, weil diese nur bei schönem Wetter gefahren werden. Das ist aber nicht der Fall, sondern das Großsegel heißt so. Offenbar darum, weil es das hauptsächlichste Segel ist, das dem Winde die meiste Fläche darbietet, das also die schönste d. h. schnellste Fahrt verursacht. Auch war es das Segel, das am längsten stehen blieb, wenn andere bereits geborgen waren, das Segel, vor dem sichs am schönsten beiliegen ließ. Der Verfasser der „Beschriving von der Kunst der Seefahrt,‟ Lübeck 1673, schreibt: „Wie ich Anno 1647 in des Hertzogen von Venetien Diensten war, kamen auff uns zu, zwischen Candia und Malta in der Morgenstund der Admiral von Tripoli, gemondiert mit 36 Stücken und 16 Metanen Bassen: wir fochten mit ihnen von dem Morgen biß an den Abend ungefehr zu 6 Uhren. Es war ein hartes Gefecht, so, daß wir unterweilen ein dem andern eine geraume Zeit an Bort lagen, biß endlich unser Schiff durch 55 Fatiens, oder fünff und fünfftzig hundert Pundt Pulver, mit allen die darinnen wahren auffflohe und das Unterteil ging alsofort zu Grunde. Ich aber war zu meinem Glück gerade zuvor über Bort gesprungen, weil ich sahe, daß ich nicht länger Zeit hatte da zu bleiben, daß Wasser ging aber ziemlich holl, weil wir die vorige Nacht vor ein Schonvorsegel hätten beygelegen, welches auch beyde Schiffe ins bordiren so an einander rammeln thäte, daß man kaum das stehend darin behalten konte.‟

Schore, die, oft auch pleonastisch Schorbaum, ist ein als Stütze dienender Balken; so heißen z. B. die Bäume, mit denen man ein aufgeschlepptes oder im Dock befindliches Schiff stützt, Schoren. Niederländisch schoor, altenglisch schore, englisch schore. Es bedeutet ein geschnittenes, gespaltetes Stück Holz und ist mit scheren gleicher Herkunft von skeren (Präter. schor), aus der Wurzel skar, schneiden, spalten.