Schot, die, das Tau, welches die untere Ecke eines Rahesegels nach unten und hinten, die hintere Ecke eines Gaffelsegels oder eines Stagsegels nach hinten holt. Eigentlich heißt aber die Ecke Schot, an der dieses Tau befestigt ist. Der größeren Deutlichkeit wegen, heißt diese Ecke jetzt tautologisch Schothorn oder Schothörn; Schot allein würde aber völlig genügen, wenn eben nicht der Name des Segelteiles auf das daran sitzende Tau übergesprungen wäre. Denn Schot heißt Schooß = Zipfel, Ecke, herunterhängender Teil eines Kleides, Rockschooß. Also: Ecke des Segels. Von Schot kommt altfranzösisch escota, französisch écoute, spanisch, portugiesisch escota, italienisch scotta, von sciozan, schiezan, sciezen, schissen; mit der Urbedeutung des Vorschießens, des Vorspringens. Angelsächsisch sceat, vorspringende Ecke; gotisch skauts, Schooß; mittelhochdeutsch schoz. Der Teuthonista kannte das Wort noch nicht, sonst hätte er nicht eine so umständliche Umschreibung desselben gegeben. Bei Kilian ist es aber deutlich als seemännisch zu erkennen; er hat schoot = gremium, sinus und schoot-horn: pes veli, extremum velis angulus; schoot viere = laxare funem sive imum angulum velis navis. — Die Schot wird im Einzelnen nach ihrem Segel benannt; Wasserschoten sind die dem Wasser sehr nahen, manchmal sogar naß werdenden Schoten der Unterleesegel. Die Ausdrücke Binnenschot und Außenschot erklären sich von selbst.
Schott, das. Die neuen großen Schiffe sind alle durch Querwände in verschiedene Abteilungen geteilt, die mit verschließbaren Türen versehen sind. Sind diese geschlossen, so besteht das Schiff aus einzelnen von einander wasserdicht getrennten Räumen. Wenn nun in Folge einer Havarie einer derselben voll Wasser läuft, so werden die anderen nicht in Mitleidenschaft gezogen und das Schiff bleibt flott. — Bremer Wörterbuch: Schott = Riegel, Schub oder Falltür, wodurch eine zudringende Materie abgehalten wird; schotten = verriegeln, verschließen, absondern durch eine Scheidung, wofür man auch abschotten sagt, einen kleineren Raum von einem größeren durch eine Bretterwand trennen. — Bei unseren neuen großen Schleusen haben sie auch Schotten, man hat aber die seemännische Form dafür verschmäht und gemeint, eine hochdeutsche Form wählen zu sollen und sagt daher Schütze. Es ist das Schott ja auch ein Schutz, aber Schott hätte genügt; niederdeutsch schot und schüt: „ein Brett oder eine lose Holzwand, ein hölzerner Schieber, eine Holzklappe etc. zum Schütten oder Abhalten (Absperren, Abschließen etc.) und Stauen des Wassers, bz. zum Schutz und zur Sicherheit gegen das Ein- und Durchbrechen des Wassers bei Sturmfluten, oder auch zum Schütten oder Ein- und Aussperren des Viehes.‟ — In oldenburgischen und ostfriesischen Zeitungen liest man wohl einmal eine Anzeige: „Geschüttet ein Schaf; abzuholen im Schüttstall bei N. N.‟ — Kilianus: schutten = sepire, intersepire, intercludere, daher: schut, schot = septum, locus conclusus.
schralen. Der Wind schralt, wenn er sich so dreht, daß er anfängt für die Fahrt des Schiffes ungünstig zu werden, so daß man bald nicht mehr Kurs halten kann. Das Gegenteil von raumen. Eigentlich heißt schralen schlecht, ungünstig werden; schral heißt ostfriesisch schlecht, mager, dünn, elend, arm, knapp; man kann schralen also übersetzen mit knapp werden, der Wind wird knapp, nicht in Bezug auf seine Kraft und Stärke, denn das würde abflauen heißen, sondern vielmehr in Bezug auf seine Richtung, so daß man nur noch knapp oder vielleicht schon gar nicht mehr beim Winde steuernd zugleich auch Kurs steuern kann. „Unzureichend‟ dürfte der allgemeine Begriff von schral sein; niederländisch schraal, westfriesisch schreal, nordfriesisch skral, norwegisch skral, dänisch skral, bei Kilian schrael; alle mit mehr oder weniger verschiedenen Nebenbedeutungen. Beim seemännischen Gebrauch des Wortes ist es nicht ganz ausgeschlossen, daß bei der ungünstigen Drehung, die der Wind macht, auch zugleich ein schwächeres Wehen eintritt, doch ist zunächst sicher nur an die Richtung gedacht.
schrapen, mit einem Schraper die Farbe von etwas abkratzen, um es dann neu und besser zu malen. Ein gemeinniederdeutsches Wort, das außer in der Form schrapen auch in der von schrappen und schrabben vorkommt und bedeutet: mit festem Drucke schaben, kratzen, scharren, striegeln, streichen; Rüben schaben, sich den Bart schaben, einen Fisch abschuppen; auch: sich den Bart oder den Mund (behaglich) streichen. In einer Lübecker Reformationsgeschichte von 1529-1531 heißt es: „Und verstunden sik de lude bi dem dome beter up ein mule to schrapen effte enen framen manne sin wyff tho schanden tho maken, als dat se over gades Wort scholden handelen und ordelen.‟ — Der Schraper ist ein dreieckiges Stück Eisen mit scharfen Kanten und einem Stiel. — Von der Form schrabben für schrapen kommt auch das bekannte Wort Schrubber, ein scharfer, steifer Besen zum Scheuern des Fußbodens, des Decks; ein „Leuwagen.‟
Schratsegel, das. Alle Segel die nicht an einer Rahe oder Spier fahren sind Schratsegel. Mit diesem Namen werden also alle Stagsegel und alle Gaffelsegel gemeinschaftlich bezeichnet, so daß Jager, Klüver, Stagsegel, Stengestagsegel, Vorgaffelsegel, Großgaffelsegel, Besan und Briggsegel unter dem Begriff und Namen Schratsegel zusammengefaßt werden. Im Niederdeutschen ist schrat das, was einen Winkel bildet, in schräger Richtung verläuft, die Gestalt eines Keils hat, was spitz zuläuft. Der Name ist also gewählt für das was allen Schratsegeln auch wirklich gemeinsam ist, daß sie nicht grade, sondern schief geschnitten sind. So nennt man schratdok „ein dreykantiges Halstuch des Frauenzimmers, deren zwey durch die Zerschneidung eines vierkantigen entstanden sind.‟ Diese Vorstellung lag wahrscheinlich auch der Benennung der Schratsegel zu Grunde, da ja besonders ein Stagsegel genau die Form eines solchen dreieckigen Busentuches der Frauen hat. Man könnte sich zwar die Sache auch so vorstellen, daß die Schratsegel immer schräge stehen, während die Rahesegel doch zuweilen auch einmal Vierkant gebraßt werden, aber dem widerstreitet doch zu sehr der eigentliche Begriff von schrat, der nicht sowohl das dreieckig Geschnittene, sondern vielmehr das dreieckig Geschnittene ist, denn die Wurzel dazu ist skru = schneiden, von der auch der Familiennamen Schröder = Schneider kommt. Ein Schratsegel ist also eigentlich ein geschnittenes Segel, gleichsam ein in der Diagonale durchgeschnittenes Rahesegel.
Schraubenbrunnen, der, ist ein im Heck angebrachter Schacht, in dem die Schraube hängt, wenn ein mit Dampfkraft versehenes Schiff segeln will. Die Schraube wird gelichtet, d. h. aus dem Wasser herausgezogen und in dem Brunnen aufgehängt, damit sie beim Segeln die Fahrt nicht hemme. Doch wird durch solchen Schraubenbrunnen das Heck eines Schiffes geschwächt, so daß man in Erwägung gezogen hat, ob dieser Nachteil nicht den geringen Vorteil der Aufhebung des Schraubenwiderstandes aufhebe.
schricken. Man schrickt ein (belegtes) Tau, wenn man es um ein weniges fiert. Es ist z. B. ein Kutter vorn etwas höher gehißt wie hinten; da es aber für das Auge des Seemanns durchaus erforderlich ist, daß der Kutter grade hängt, so muß der vordere Kutterläufer geschrickt werden. Oder es tritt Regen ein, der die Brassen naß macht und zusammenzieht, so daß sie allzu straff angespannt sind, dann werden die Brassen geschrickt. Da das Schricken nur bei einem Tau geschieht auf dem Kraft steht, so ist das Schricken mit einem Ruck verbunden, und der Fierende muß vorsichtig sein, daß er das Ende gut belegt hält, damit das Tau in seiner Gewalt bleibe. Schricken ist mit dem Schreck in Heuschreck nahe verwandt und mit unserem hochdeutschen Worte Schrecken, denn das demselben zu Grunde liegende althochdeutsche screckon heißt auffahren, aufspringen, springen, hüpfen, sich heftig, mit einem Ruck bewegen. Dem entspricht das niederdeutsche schrikken = springen, einen plötzlichen Ruck machen oder bekommen, auffahren, zurückfahren, schrecken, erschrecken. Doch kommt das seemännische schricken nicht unmittelbar vom althochdeutschen screckon, sondern von screcken, mittelhochdeutsch schrecken = springen machen, in Schrecken setzen. Es ist also dasselbe Wort, das eine Köchin gebraucht, wenn sie ein hart gekochtes Ei aus dem heißen Wasser plötzlich in ganz kaltes bringt, damit es sich besser schälen lasse.
Schrims, das, ist Abfall von Tauwerk, ein Durcheinander von kleinen Stücken Garn, teils noch zu zupfen, teils schon gezupft. Das Wort würde wenig bekannt sein, wenn es nicht oft mit Galgenhumor vergleichsweise gebraucht würde, um das gekochte präservierte Rindfleisch zu benennen, das leicht wie Strähne eines aufgedrehten Taues auseinanderfällt, daher es auch noch öfters als Schrims geradezu Kabelgarn genannt wird. Das Wort dürfte aus dem Englischen herübergekommen sein und müßte wohl Schrimps geschrieben werden, denn das — jedenfalls mit dem mittelhochdeutschen schrimpen verwandte — englische schrimp heißt Knirps, Zwerg, und mundartlich heißt im Englischen shrimp irgend etwas Kleines, Unbedeutendes, Geringes, was begrifflich mit Schrims als Abfall stimmt.
Schrubber, der, s. schrapen.
Schuner, der, s. Schoner.