Sill, das. Hauptsächlich in der Verbindung Luksill gebraucht: die Schwelle. Das niederdeutsche Wort sülle, sül, mittelniederdeutsch sul, sulle, sille; niederländisch sulle: angelsächsisch syll, englisch sill, norwegisch svill, althochdeutsch swella, swelli, kommen mit dem gotischen sulja, Sohle, von einer Wurzel sval = schwellen. Man hat zunächst an eine Anschwellung der Haut unter den Füßen zu denken, sodann wird Sohle als Träger und Grundbalken einer Tür gebraucht im Sinne einer Anschwellung, einer Erhöhung; was für ein Luksill an Bord besonders zutreffend ist, denn das ist besonders hoch, damit überkommende Seeen nicht in die unteren Schiffsräume laufen.

Sirene, die, ist ein Nebelsignalapparat, der einen weithin heulenden Ton von sich gibt und Schiffen im Nebel die Nähe des Landes kund tut. Die Benennung ist zwar nicht ganz sinngemäß, da diese Sirene das gerade Gegenteil beabsichtigt wie die klassischen Sirenen, aber doch insofern glücklich gewählt, als jeder gleich weiß, was darunter zu verstehen ist. — Wie sich ein althochdeutscher Physiologus eine Sirene vorstellte, sehen wir aus einer Wiener Handschrift des elften Jahrhunderts: „In demo mere sint uunderlihu unihtir, diu heizzent sirene unde onocentauri. Sirene sint meremannin unde sind uuibe gelih unzin ze demo nabilin, dannan uf vogele, unde mugin vile scono sinen (singen). So si gesehint man an demo mere varin, so sinen sio vilo scono, unzin si des uunnisamin lides so gelustigot uuerdin, daz si inslafin. So daz mermanni daz gesihit, so verd ez in unde brichit si.‟

Skiff, das. Dabovich nennt so, S. 1237, ein für eine Person eingerichtetes Outrigger-Boot. Im Allgemeinen aber heißt so — englisch skiff, französisch esquiff, deutsch sonst Schiff — „any small boat. In merchant ship's boats the skiff is next in size to the launch or long-boat, and is used for towing, running out a kedge etc.‟ Die Form des Wortes läßt auf nordischen Ursprung der Sache schließen.

Skorbut, der, eine glücklicherweise unter dem Einfluß der besseren Schiffsverpflegung unserer Zeit ihrer Schrecken beraubte Krankheit der Seeleute bei längeren Seetörns. Das Wort hieß zwar mittellateinisch scorbutus, stammt aber aus dem Niederländischen, wo scheur Riß heißt. Skorbut heißt neuniederländisch scheurbuik, aber die lateinische Form scorbutus zeigt, daß es früher scheurbut geheißen haben muß, also nichts mit Bauch zu tun hatte, sondern Hautriß bedeutete. Die Form scheurbuik ist volksetymologische Anlehnung an buik = Bauch, und daraus ist bei der Aufnahme ins Hochdeutsche durch Mißverständnis Scharbock geworden; da ist Skorbut denn doch deutlicher.

Sitzer, der, s. Spant.

Sliding gunter. Man spricht von einem sliding gunter Mast und einem sliding gunter Segel; beide sind zusammen, wie es scheint, durch das moderne Lust- und Rennjachtwesen nach Deutschland gekommen. Sie werden nur selten geführt, am meisten noch bei Kriegsschiffsbooten. Das Segel ist von dreieckiger Gestalt, sein oberer Teil ist an einer Stenge untergeschlagen, die vermöge zweier Eisenringe an dem verhältnismäßig niedrigen Maste auf und niederfährt oder gleitet, daher auch Gleitsegel genannt. Das Wort kommt mit der Sache aus England und bezieht sich — ursprünglich wohl scherzweise — auf Edmund Gunter und dessen Sliding-rule, „a sliding scale corresponding to logarithms for performing the multiplication and division of numbers without dividers.‟ — Man nennt die sliding gunter Takelage auch portugiesische oder Houari-Takelage; houari ist ein Wort der amerikanisch-indianischen Seemannssprache, von den Portugiesen nach Europa gebracht.

sloopen ist soviel wie abwracken, ein altes Schiff in seine einzelnen Teile zerlegen und diese als Brennholz verkaufen. Das niederdeutsche Wort slopen heißt schleifen, abtragen, niederreißen. Es ist unser hochdeutsches schleifen, eine Festung, ein Haus schleifen; sowohl sprachlich als begrifflich.

Sodraum, der, = Kielraum, der unterste Raum im Schiffe, gleichbedeutend mit Bilge. Das sich hier sammelnde Wasser heißt wie Bilge- und so auch Sodwasser. Sod und Bilge sind bedeutungsverwandt. Denn wenn Bilge die rauschende Bewegung des nach ihr benannten Wassers bezeichnet, so bedeutet Sod die siedende Bewegung desselben, wenn das Schiff von den Wellen gerüttelt und geschüttelt wird. Im Uebrigen heißt sod im Niederdeutschen Brunnen, von seden = sieden in der Bedeutung aufkochen, aufbrausen, aufwallen, aufquellen; „wie Brunnen von brennen und Welle von wallen.‟ Vergl. Bilge am Ende.

Sog, der, heißt in Ostfriesland und in den Niederlanden das Kielwasser. Eigentlich heißt so die Form und Gestalt des Hinterteiles eines Schiffes, der Piek; der Zug oder Verlauf der Linien hinten am Schiffe. Weiterhin hat sich dann der Name auf das Wasser ausgedehnt, das von diesem Teile des Schiffes als bewegtes, schäumendes Wasser bei der Fahrt hinter sich gelassen wird. Das Wort sog ist zwar niederdeutsch, aber da Zug sonst überall im Niederdeutschen tog heißt, so ist hochdeutsche Entlehnung anzunehmen.

Soldatenloch, das. „Der Mars hat in erster Linie den Zweck, dem zur Stütze der Marsstenge nach den Seiten hin bestimmten stehenden Gut die erforderliche Spreizung zu geben, soll nebenbei aber auch die Bedienung der Takelage erleichtern. In der Mitte hat er eine vierkantige Öffnung, das sogenannte Soldatenloch, welches sich noch durch zwei Klappen nach den Seiten hin vergrößern läßt und den Zweck hat, das Auflegen des stehenden Guts des Untermastes, das Aufbringen der Marsstenge, sowie das ungehinderte Andeckfahren eines Teils des laufenden Guts zu ermöglichen.‟ (Dick u. Kretschmer, II. 87). Im Entern ungeübte Leute, z. B. die (See-)Soldaten, klettern, wenn sie in den Mars wollen, nicht außen herum an den Püttings hinauf, sondern kriechen durch dieses Loch, das daher von ihnen den Namen hat, wahrscheinlich weil sie der Meinung sind, der Zimmermann habe besonders für sie dieses Loch gelassen. — Wie jedes Loch an Bord ein gat genannt werden kann, so ist auch dieses häufig in der Form Soldatengat.