seisen, bei der Marine merkwürdigerweise zeisen genannt, heißt zusammenbinden, z. B. die Parten eines Taues mit einander verbinden, daß sie nicht rutschen können; das aufgegeite Segel beschlagen, an der Rahe festbinden; eine Kabelaring und ein Ankertau zusammenbinden, u. s. w. Das Mittel, mit dem solches geschieht heißt die Seising; das Wort hat aber eine doppelte Bedeutung: einmal das Mittel zum Binden, den Bändsel also, und sodann den Zustand des Gebundenseins. Das Wort kommt aus dem Französischen, von saisir; doch haben es die Franzosen zuerst von uns empfangen und von unserem althochdeutschen sazjan weitergebildet. Die Bedeutung ist: festmachen.

Seitentakel, das. Seitentakel sind solche, die an jeder Seite des Mastes an die daselbst befindlichen Hanger befestigt werden und dazu dienen, Boote und andere schwere Lasten aus- oder einzusetzen. Man unterscheidet sie nach dem Mast an dem sie sich befinden. Sie haben einen Mantel, s. Mantel und Takel.

Semaphor, der, zu deutsch „Zeichenträger‟ vom griechischen semaio, ich zeige, und phero, ich trage; eine Vorrichtung mit beweglichen Armen, ähnlich denen, mit denen auf Bahnhöfen die Einfahrtssignale gegeben werden. Die Arme kann man auch Flügel nennen und das Ganze mit „Flügeltelegraph‟ übersetzen.

Sente, die, hat im modernen Eisenschiffbau teilweise eine andere Bedeutung erhalten als sie sie beim Holzschiffbau hatte. Damals nannte man Senten dünne, biegsame Latten, die von vorne nach hinten auf die Inhölzer genagelt wurden um die Biegung der Seitenplanken darnach gestalten zu können; naturgemäß fing man damit ganz unten am Kiel an und schritt allmählich nach oben zu weiter. Jetzt dienen die Senten zwar auch noch, in Form von starken Balken ausgeführt, als Lehrgerüst für die einzulegenden Spanten, fast immer im unteren Teil des Schiffes liegend und die Wölbung des Schiffsbodens bildend, aber es hat sich auch die Theorie des Wortes bemächtigt und gebraucht es als wissenschaftlichen Begriff, als gedachte Linie, nämlich für die Bezeichnung der Schnittlinie, welche eine schräg d. h. dachförmig durch den Schiffskörper gelegte Ebene mit der äußeren Schiffsform bildet; die Ebene heißt dann Sentebene. Zur Erklärung des Wortes müssen wir natürlich auf seine älteste Bedeutung zurückgehen: Latte zur Gestaltung des Schiffsbauches, und zwar zunächst seines untersten Teiles. Nun heißt das lateinische sentina zwar auf deutsch „die Bilge‟, aber auch der Raum wo die Bilge sich sammelt, der unterste Schiffsraum, und ich stehe daher, bis eine bessere Erklärung gefunden wird, nicht an, Sente für eine Verkürzung von Sentine zu halten.

Setzbord, der, eines Bootes ist eine breite und dünne Planke die man auf den Bord eines Bootes setzt um denselben zu erhöhen, damit das Boot nicht so leicht Wasser über nehme. Es heißt darum im Englischen washboard, weatherboard und water-board — weil das Wasser bei schlechtem Wetter nicht über diesen Bord waschen soll.

Serving, die, s. Sarving.

setzen. Segel setzen heißt die Segel entfalten und dem Winde von der richtigen Seite darbieten, so daß sie in Tätigkeit treten und ausrichten können wozu sie bestimmt sind. Das Gegenteil davon, nämlich das Einziehen oder Festmachen der Segel heißt Segel bergen. — Setzen in Bezug auf die Bewegung eines Schiffes s. stampfen. — Am häufigsten ward im Mittelniederdeutschen setten und auch später noch setzen für ankern gebraucht; die Zahl der Belegstellen ist so groß, daß es nicht not tut einzelne anzuführen.

Sicht, die, das Ansehen, der Anblick, der Zustand in dem man etwas sieht, mit den Augen wahrnimmt. Es ist ein Verbalabstractum zu sehen. „Der Leuchtturm kommt in Sicht‟, „wir lagen in Sicht von Helgoland.‟ Es ist gleich dem hochdeutschen Gesicht in der Bedeutung „zu Gesicht bekommen.‟ Der hochdeutsche Übersetzer der „Durchläuchtigsten Seehelden‟, Sulzbach 1681, sagt sogar mißverstandener und mißverständlicher Weise „ins Gesicht bekommen‟; er meint damit natürlich nicht „eine (Ohrfeige) ins Gesicht bekommen‟, sondern schreibt: „Als die Holländische Flotte auf die Höhe vorbesagter massen kommen war, setzte sie ihren Lauff recht nach der Küste von Brasilien zu, welche sie den vierdten May ins Gesicht bekamen‟ ... Von Sicht hat sich der Seemann ein Eigenschaftswort sichtig gebildet, das in der Verbindung „sichtig Wetter‟ eine Witterung bedeutet bei der man gut, deutlich, weit sehen kann. Auch ein Zeitwort: sichten; verschieden von dem Zeitwort sichten = sieben, bedeutet es: „zu sehen bekommen‟.[P2: should be comma] „in Sicht bekommen‟, „wir sichteten soeben den Pic von Teneriffa.‟ Sichtweite eines Leuchtfeuers ist der Umkreis, in dem das Feuer gesichtet werden kann; verschieden also von Sehweite, denn so heißt die Entfernung auf die einer sehen kann, Sichtweite aber die Entfernung auf die einer gesehen werden kann.

Signal, das, heißt in der Seemannssprache jedes Zeichen, das man auf eine gewisse Entfernung hin gibt, um sich verständlich zu machen und einem andern etwas mitzuteilen, eine Anfrage an ihn zu richten, besonders auch ihm Befehle zu übermitteln. Das ursprünglichste Signal waren die Bewegungen des menschlichen Leibes, ein Winken mit dem Arm, ein Bücken des Oberkörpers (s. Bake). Bald lehrte die Erfinderin Not auch den Seemann andere Hilfsmittel, etwa einen gehißten Besen (Quast, s. Badegast), und vor allen Dingen das Signalisieren mit Flaggen, das sich noch immer, auch im internationalen Verkehr, erhalten hat. Zum richtigen Verständnis der Signale hat jede Nation ihr Signalbuch, in dem die Signale mit ihrer Bedeutung verzeichnet stehen. Außerdem haben sie alle zusammen ein internationales Signalbuch, mit dessen Hilfe ein Russe und ein Portugiese sich bestimmte Mitteilungen machen können, ohne daß sonst einer ein Wort vom andern versteht. Man signalisiert ferner mit Winkflaggen nach dem Morse-Alphabet, mit dem Semaphor, mit den verschiedensten Lichteffekten etc., aber bald wird die drahtlose Telegraphie allen diesen kleinen Aushilfsmitteln ein Ende machen. Bis dahin hat man eigene Signalgasten, Signalmaate, Obersignalmaate und eigene Signalzweigkompagnien bei den Matrosendivisionen. — Signal kommt vom lateinischen signum, das Zeichen, oder vielmehr vom lateinischen signalis, „bestimmt ein Zeichen zu geben.‟ — Kontre-Signal heißt das verabredete Zeichen, daß das Signal gesehen worden, bezw. verstanden ist.

Siel, das, die bekannte Entwässerungsvorrichtung an den Nordseeküsten, die dem Binnenwasser Abfluß in das Meer verschafft. Zur Zeit der Flut muß durch das Siel die Öffnung im Deich verschlossen werden, damit das Meerwasser nicht das Land überschwemme. Zur Zeit der Ebbe wird dann die Schleuse des Siels geöffnet, so daß das während der Flut in einem Sammelbecken binnendeichs aufgestaute Wasser nach See zu abfließen kann. Wo ein Siel ist, da wohnt ein Sielwärter; wo einer wohnt, siedelt sich leicht ein anderer an. So entstehen die Dörfer mit der Endung Siel: Mariensiel, Rüstersiel, Karolinensiel, Neuharlingersiel etc. Im weiteren Sinne ist Siel irgend eine Wasserleitung, eine Abzugsrinne, ein Zuleitungsrohr etc. etc. In diesem Sinne kommt sile = aqueductus schon in der Historia de fundatione monasterii Rastedensis vor, die 1290-1310 etwa geschrieben ist. — In dem Worte Siel steckt der Begriff von seihen, althochdeutsch sihan. Aus diesem Zeitwort, das die Bedeutung „Wasser durchlassen‟ hat, mag, wie Doornkaat vermutet, erst ein Substantivum sihila, ein Etwas was Wasser durchläßt, gebildet worden sein, was dann in sila kontrahiert wurde, dessen offene Endsilbe leider, wie bei so vielen altfriesischen Wörtern, geschwunden ist, so daß nun die einsilbigen Leute bei der Aussprache eines solchen Wortes den Mund nicht mehr aufzutun brauchen.