Seesoldat, der, ist ein Soldat, der bei einem der drei kaiserlichen Seebataillone dient, die sich gegenwärtig in China befinden, sonst aber in den heimischen Marinegarnisonen den Infanteriedienst besorgen. Die Offiziere werden auf einige Jahre von der Armee zur Marine kommandiert; einige von ihnen fahren auch an Bord der Schulschiffe als Instrukteure für die Seekadetten im Infanteristischen. Im Binnenlande wird ein Kriegsmatrose öfters Marinesoldat genannt und dann mit einem Seesoldaten verwechselt. Sie sind aber sehr aus einander zu halten.
Seetage, die, s. Seetörn.
Seetörn, der, ist eine unbestimmte Anzahl von Seetagen, d. h. solchen Tagen, die man hinter einander auf See zubringt oder zugebracht hat. Man gebraucht das Wort Törn auch sonst in der Seemannssprache häufig und zwar oft gleichbedeutend mit dem neuhochdeutschen Fremdworte Tour. Wie man hochdeutsch sagt: „Das ist meine Tour,‟ anstatt „ich bin an der Reihe,‟ so sagt man seemännisch: „Das ist mein Törn,‟ Rudertörn, Wachtörn u. s. w. — Außerdem spricht man in der speziellen Seemannschaft von einem Törn; wenn man ein Tau einmal um irgend einen festen Gegenstand herumgelegt hat, so hat man einen „Törn‟ genommen, wofür man auch „Schlag‟ sagen kann; ist irgendwo zufällig eine Schlinge in dem Tau entstanden, hat es eine Drehung gemacht, die es nicht machen sollte, und es ist in Folge dessen eine Bucht entstanden, so ist das auch ein Törn, der aber möglichst bald wieder herausgedreht werden muß. — Was Seetörn selbst angeht, so könnte man es, wenn man das Fremdwort Tour beseitigen will, einfach mit Seereise wiedergeben, wie wir ja auch im Binnenlande anstatt Tour Reise oder Ausflug sagen. Eigentlich müßte es ja Rundreise heißen, denn es kommt von tourner, drehen; englisch turn, und letzteres hat, wie die Aussprache beweist, den Vermittler gespielt. — Der Seemann hat auch das Zeitwort törnen für drehen und vertörnen für verdrehen. Verwandt ist turnen und das mittelhochdeutsche turnei, neuhochdeutsch Turnier.
Seemeile, die, s. Meile.
Seeraum, der, s. raumen.
Seetriften, die, nennt man das, was die See angetrieben hat, das Strandgut. In früheren Zeiten brauchte ein Schiff noch garnicht gestrandet zu sein, um mitsamt seiner Ladung als Strandgut angesehen zu werden. Es genügte, wenn eine grundroeringe, eine Berührung des landesherrlichen Strandes durch das Schiff stattgefunden hatte. Bremer Wörterbuch: Dies unmenschliche Strandrecht wurde auch aufs feste Land, auf Wagen und Pferde ausgedehnt. Wenn ein Wagen umgefallen war oder einige Güter davon gefallen waren, so fielen sie dem Landesherrn oder dessen Vögten heim. Imgleichen wurde ein Pferd eingezogen und weggenommen, wenn ein Reiter davon ins Wasser gefallen und ertrunken war. Renner in der Bremischen Chronik erzählt: Up einen Tidt hadde de Vaget (des Erzbischofs Johann I, 1307) thom Langwedel einen gefangenen Kopman und sprak thom Bischuppe: Here, düse Kopman hefft Grundroringe gedahn, und ist mit siner Kahren und Gude gefallen durch de Brugge, derhalven schall he juw geven grot Gudt.‟ (!) Doch vergl. hierzu was Winkelmann in seiner Oldenburgischen Chronik von dem 1598-1602 erbautem Turm auf Wangerooge schreibt: „Nach Abgang deren ins Norden gestandenen Kirchen ist der Mittelteil dieses Turmes zu dem Gottesdienst der Einwohner, das unterste und obriste aber, bei etwa vorgehendem Schiffbruch, zu Hinlegung der gestrandeten und salvirten oder gebergten Güter verordnet worden, massen die Herren Grafen, als Christlöbliche Obrigkeit nach aufgehobenem Strandrecht, niemaln mit den gestrandeten Gütern auf der See, Jhade und Weser mit der Schärfe verfahren, sondern dieselbige, zur Erhaltung ihrer Jurisdiktion, so sie auf gedachten Wassern haben, auf gebührliches Ansuchen rückgegebene Recognition und erlegten Berggelts vor die Hilfleistende, wieder abfolgen lassen, damit dem Beträngten keine größere Bedrängniß zugefügt werden möchte.‟
Seewache, die, s. Wache.
Seezeichen, das, ist der allgemeine Name für Boje, Tonne, Bake etc. Die Seezeichen bezeichnen den Eingang in einen Hafen, die Fahrwasserrinne in einem Revier u. s. w. Man unterscheidet Winterseezeichen und Sommerseezeichen, letztere werden im Spätherbste eingezogen und durch die Winterseezeichen ersetzt.
Segel, das, „ein aus mehreren Kleidern (Bahnen) von starker Leinwand oder von Baumwollenstoff zusammengenähtes Tuch,‟ das an den Masten, Rahen, Gaffeln, Stagen, Spieren eines Schiffes ausgespannt wird um den Wind damit aufzufangen und so das Schiff in Bewegung zu setzen. Ein Segel hat entweder nach seiner Gestalt und Einrichtung oder nach der Stelle, wo es angebracht ist, seinen Namen, der es von anderen Segeln unterscheidet. — Die erste Erfinderin ist die Not. Es ist darum kein Wunder, daß die Menschen, sobald sie anfingen sich über den Naturzustand zu erheben, auf solch ein Fortbewegungsmittel verfielen. Doch scheint bei den alten Deutschen der Gebrauch der Segel nach Tacitus' Germania nicht allen Stämmen bekannt gewesen zu sein. Von den Batavern erzählt aber derselbe Geschichtschreiber, daß sie sich der sagula zum Segeln bedienten. Von sagulum kommt also der Name Segel. Weil aber sagulum der römische Kriegsmantel hieß und im Lateinischen keine seemännische Bedeutung hatte, so tragen manche Gelehrte gegen diese Ableitung Bedenken. Es ist indessen möglich, daß die erste Verwendung von sagulum zum Segeln eine gelegentliche gewesen wäre und daß gerade diese gelegentlich zufällige Verwendung des sagulum anstatt des velum oder linteum den Batavern den Namen nahe gelegt hätte, daß sie also durch eine zufällige Erscheinung auf den Gedanken gebracht worden wären, sagulum sei das wirkliche lateinische Wort für dieses ihnen alsbald sehr einleuchtende Fortbewegungsmittel. — Die kurze, bequeme niederdeutsche Form, in der unser Seemann das Wort meist gebraucht, ist seil, diphthongiert nach geschwundenem g, und sie wird in mittelniederdeutschen Schriftdenkmälern sehr oft gefunden, wahrscheinlich ward sie schon aus dem Grunde bevorzugt, weil sonst segel = Segel und segel = Siegel leicht verwechselt worden wären; wie man auch anstatt segelen seilen sagte und dadurch von segeln = siegeln unterschied. — Segel setzen, Segel bergen, Segel abschlagen s. (Segel) unterschlagen. — Segelkoje ist der Aufbewahrungsort der abgeschlagenen oder noch nicht untergeschlagenen Segel und der Reservesegel, Schutzsegel, Rauchsegel, Sommersegel, Bezüge, Presennings; bemerkenswert ist, daß dies das einzige Mal ist, wo das Wort, das sonst an Bord immer ein Bett bezeichnet, eine Kammer bedeutet, vielleicht weil die Segel darin als ruhend, schlafend gedacht sind, wie man in der Botanik von einem schlafenden Auge spricht. — Segeln bedeutet die Fortbewegung eines Schiffes oder Bootes, indem man den Wind auf die Segel wirken läßt. — Die Alten hatten ein zwar nicht schönes, aber deutliches aus Segel bezw. segeln gebildetes Wort für Navigation: Segelasje, Segelatie, Segelasche. „Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟ 1673: „Ein klene Faut (Fehler) in de Pegelinge verorsaket ein grote Faute in de Segelatie.‟
Segel kanten. Kanten heißt eigentlich machen, daß etwas vierkant ist, etwas in den rechten Winkel bringen, ihm zur rechten Richtung verhelfen, machen daß es sich „kant‟ ausnehme. Im Niederländischen und Ostfriesischen heißt kant glatt, schier, zierlich, hübsch, fertig, gerade, schön. Segel kanten heißt also, sie so in Ordnung bringen daß sie so stehen wie sie stehen sollen: nach jeder Richtung hin tadellos. Dick u. Kretschmer II. 322: „Dieses Manöver wird hauptsächlich nothwendig nach jedem allgemeinen Segelexercitium sowie auf der Morgenwache nach Tagesanbruch. Während nämlich bei Manövern mit alle Mann auf das Vorholen und Steifsetzen der einzelnen Enden im Interesse der Schnelligkeit nicht allzu viel Gewicht gelegt werden kann, ist die tadellose Ausführung von Segelmanövern bei Nacht infolge der herrschenden Dunkelheit in der Regel unmöglich.‟ — Segel kanten ist also auf See ungefähr das, was man im Hafen mit „brassen und toppen‟ vor der Morgenmusterung bezeichnet.