a. Das Meer; in See gehen (in die See stechen sagt kein Seemann) heißt absegeln, abdampfen, abfahren. „Ich gehe morgen in See‟, „ich gehe nach Hongkong in See‟.
b. Eine hohe Meereswoge; „wir nahmen Seeen über‟, die Wogen gingen so hoch, daß sie uns über die Reling an Deck schlugen; „wir kamen dwarssees‟, so zu liegen, daß die Seeen von der Seite auf uns zukamen. „Eine See nahm den Schiffsjungen mit über Bord‟.
Diese letztere Bedeutung von See könnte noch einmal für die Etymologie des Wortes von Wichtigkeit werden. Da das Wort gotisch saiws heißt, so hat man Verwandtschaft mit dem lateinischen saevus, wild, angenommen. Diese Annahme gewönne bedeutend an Wahrscheinlichkeit, wenn man annehmen dürfte, daß die Bedeutung von See = wilde Woge, vielleicht die ursprünglichere wäre. Diese Seeen sind jedenfalls etwas die See im Sinne von Meer Kennzeichnendes. Aber freilich steht See zumeist für Landsee, und das erwähnte gotische saiws heißt mehr Sumpf wie Meer, also eine Senkung, eine Niederung, ein tiefliegendes, überschwemmtes Gebiet, und daher ist, zumal es ein althochdeutsches Wort gisig = See, Sumpf gibt, neuerdings eine germanische Wurzel sik, die sinken bedeutet, in den Vordergrund der Betrachtung getreten, so daß also See auf irgend eine Weise den k-Laut am Ende eingebüßt hatte. — Die Entscheidung in der Frage wird erst gefallt werden können, wenn man sagen kann, was zuerst See genannt wurde: der See, oder die See. Der See steht begrifflich dem Zeitwort sinken nahe, die See dem Eigenschaftsworte saevus. — Vielleicht kann der Gedanke an Verwandtschaft mit Seele uns weiter bringen. Dem Worte Seele liegt eine Bewegungswurzel su zu Grunde, bewegen, regen, erregen, aufregen; wenn man diese auch für See annimmt, dann kommt die See und der See in einem Begriff, „bewegt‟ zusammen, denn bewegt sind sie beide.
Seebeine, die. Wer überhaupt zum ersten Male oder nach längerem Landaufenthalt zum ersten Male wieder an Bord kommt, der muß zunächst darnach trachten, daß seine Beine sich an die Bewegungen des Schiffes gewöhnen, so daß er auch im Sturm noch einigermaßen sicher stehen und gehen kann. Wenn er soweit ist, dann hat er Seebeine. Französisch (Aubin 1702:) avoir le pié marin; man nennt den Mann der Seebeine hat auch gradezu pié marin; „On apelle ainsi un homme qui a le pié si seur et si ferme, quil peut se tenir debout pendant le roulis d'un vaisseau.‟ Niederländisch zee-voeten hebben, zee-schoenen hebben, zee-handen en -voeten hebben. — Doch nennt man im Französischen mit tieferer Bedeutung einen Mann pié marin. „Il se dit aussi de celui qui entend bien la navigation, et qui est fait aux fatigues de la mer. Lorsqu'un Officier a le pié marin les gens de l'équipage ont bien plus de confiance en sa conduite.‟
seefest ist ein Mensch wenn er zur See fahren kann ohne seekrank zu werden, d. h. ohne daß er seine Beschäftigung wegen Seekrankheit unterbrechen muß. Kleine Unbehaglichkeiten, vorübergehende Übelkeiten kommen wohl auch einmal einen seefesten Mann an; seekrank wird eigentlich nur der genannt, der „Kette steckt‟ oder dem das Essen und das Rauchen gar nicht mehr schmecken will. — Geschütze, Boote, Anker, Kisten, Kasten, Schränke u. s. w. sind „seefest gezurrt‟ wenn sie so befestigt sind, daß sie auch bei hohem Seegang nicht „über Stag‟ gehen können.
Seekadett, der. Die wörtliche Übersetzung von Kadett ist Junker, junger Herr (jonkheer) jüngerer Sohn, aber ursprünglich bedeutete es: junger, kleiner Hauptmann oder Häuptling, denn das Wort stammt vom lateinischen capitettum, das eine Diminutivform zu caput ist; noch zutreffender wäre also: „kleiner (zukünftiger) Kapitän.‟ Im Altfranzösischen hieß cadet noch capdet. — Wer Seeoffizier werden will tritt in die Marine als Seekadett ein. —
seeklar ist ein Schiff wenn es klar, d. h. fertig zum Auslaufen ist. Dazu gehört für ein Schiff, das auf eine weite, lange Reise geht, eine umfassende Vorbereitung und Ausrüstung. Bei Kriegsschiffen findet daher vor dem Auslaufen des Schiffes eine genaue Seeklarbesichtigung statt, die der Stationschef selbst abhält, bezw. durch seinen Generalarzt, seinen Stabsingenieur abhalten läßt, die ihn bei der Besichtigung zu begleiten haben.
Seemann, der, ist jetzt die allgemeine Bezeichnung für einen seebefahrenen Mann, der die Seefahrt als Beruf betreibt. „Der Junge will „‚Seemann‟‛ werden.‟ Daher auch das Wort „Seemannschaft‟ für den Inbegriff alles dessen, was ein tüchtiger Seemann wissen muß, wobei im weiteren Sinne auch die Navigation eingeschlossen ist. Doch hat, wie in allen Wissenschaften, so auch bei dieser, in neuerer Zeit ein solcher Aufschwung stattgefunden, eine solche Vermehrung und Bereicherung, daß Einer nicht mehr Alles wissen kann. — Vergl. Matrose. — Während heutzutage ein Seemann ein Mann ist, der friedlich seinem Berufe nachgeht, wird im Beówulf unterschieden zwischen Leuten die nur überhaupt die See durchschiffen und Leuten, die zur See kämpfen; nur die letzteren hießen Seeleute. Ein sae-man war also nicht ein Seemann, sondern ein „Kriegsmann zur See‟. — Ein eigentümliches Zusammentreffen ist es, daß im Mittelniederdeutschen seeman, seman ein Mann heißt, der unter dem Pantoffel steht, „de sick van dem wyve regeren leth, dar dat wyff de brock drecht;‟ niederländisch en wijffwl, Jan ligt achter, die voor woont als t' huys omgekeert is. — Nicolaus Gryse: „Dat öuerst vrouwe Seeman daryegen mundtwercket vnde anmeldet, dat dat frouwen regement auer den man dat erste vnde oldeste gewesen sy.‟ — „Denn wenn eine ehefrouwe eren ehemann vth kribbischer bössheit mit vndenstliken worden vörbolgener wyse awer dwer vnd dwas alse einer seemanche hebberecht ankarret, ansnarret vnde anfaret vnd trotzichlick auer de nese houwet, vthhaltert vnde vth halippet ... dat sulue ys grote sunde und schande.‟ — Dieses Wort ist nur wegen seiner lautlichen Ähnlichkeit an Seemann angelehnt; im Mittelhochdeutschen hieß ein Pantoffelheld und auch eine den Pantoffel schwingende Frau „Simon‟, und das war eine ebensolche Anlehnung an den bekannten jüdischen Namen Simon, vielleicht mit dem Gedanken an die Bedeutung im Hebräischen „ein Hörender, Gehorchender.‟ Eigentlich hieß das Wort „Sie-Mann‟ und bezeichnete eine Frau als eine, die der Mann im Hause ist.
Seemannshaus, das, ist ein Erholungshaus für Seeleute, in dem sie Bücher, Papier, Feder und Tinte, angenehmen Aufenthalt, gute und billige Verpflegung finden, und vor allen Dingen den Gefahren schlechter Kneipen entzogen sind. Nach dem Vorbilde der englischen Sailors Homes entstehen jetzt auch in Deutschland dergleichen Anstalten zum Wohle des seefahrenden Mannes; sind sie von der Seemannsmission eingerichtet, so heißen sie Seemannsheime.
Seeräuber, der, war im Sprachgebrauch der früheren Hansazeit nicht das, was man sonst Pirat, Korsar, Flibustier oder Vitallienbruder nannte, sondern ein Mann, der mit seinem Schiffe auf mehr oder weniger eigene Faust Fehde trieb und den Feind schädigte wo und wie es ihm möglich war. Aber immer nur den Feind und immer nur als kriegführende Partei, also ähnlich wie die Vitallienbrüder in ihrer ersten, nach damaligem Recht einigermaßen rechtmäßigen Zeit. Hierüber schreibt Sartorius, Hansa, I. 90 treffend: „Über Seeräuber wird oft und viel geklagt und Friedensschiffe wurden gegen sie in die See gesandt. Allein diese waren selten eigentliche Seeräuber, den Namen teilten sich beide kämpfende Teile wechselseitig zu, da Repressalien gewöhnlich waren, und bey eingetretenen Bedrückungen mit gleichem geantwortet wurde. Auf diese Art von wechselseitiger Seeräuberei blieben alle Feindseligkeiten zwischen den deutschen Städten, den Engländern und Schotten beschränkt.‟ Wie es noch 1673 auf deutschen Meeren aussah, verrät eine Segelanweisung in der „Beschriving von der Kunst der Seefahrt‟: „... so pegelt erstlick mit ein Compaß, wat Streck dat gy de Nase von juw hebben, und wo fern gy juw van de Wall gist tho wesen, datsülvige teckent mit ein Stip Kryt in de Paßkart, (schrivet ydt ock in ein Memorial Bock, alles wat gy in de Kart tecken, up dat wen de Kart dorch Rövers offt sünst, juw affhendig gemaket worde, gy juw dennoch na dem Memorial richten können.‟)