Südwester, der, ein in den Nacken hinabfallender Segeltuch- oder Öltuch-Hut zum Schutze gegen Sturm und Regen. — Grimm erklärt West aus dem gotischen vis = Meeresstille. Für unsere Meere paßt das nicht, würde auch zu dem Südwester nicht stimmen, der seinen Namen gerade davon hat, daß es eben bei Süd-West am meisten stürmt und regnet. Doch heißt vis nicht nur Meeresstille, sondern überhaupt Stille, Ruhe, Abend. Grimm vermutet auch eine gotische Form vistr, gegen Abend, adversum occidentem.
Superkargo, s. Cargo.
Süsswasser, das, ist dem Seemann der Gegensatz zu Salzwasser, sei es, daß es in Tänks von Hause oder aus irgend einem Hafen mitgenommen, sei es, daß es aus Salzwasser destilliert ist. Früher mußten die Matrosen oft mit vieler Mühe das Regenwasser auffangen. Übrigens sagt der Seemann lieber Frischwasser als Süßwasser, welches doch eigentlich hauptsächlich für die Unterscheidung von Süßwasser- und Salzwasserfischen gebraucht wird.
T.
Taifun, der. Der mit Recht so gefürchtete ostasiatische Wirbelsturm. Das Wort kommt nach einem mir zugegangenen sachverständigen Urteil von der Kantoner Aussprache zweier Charaktere, die sich hier nicht für das Auge wiedergeben lassen, die aber für das Ohr tai fung lauten. „Tai heißt „groß‟ und fung „Wind‟. Nun nennen zwar die Chinesen jeden starken Wind tai fung, während sie für einen Taifun noch den speziellen Ausdruck fung kü haben. Sie sagen ta fung ku. Das ta entspricht dem französischen il fait. Die aus dem Chinesischen kommenden Ausdrücke beruhen ja nicht immer auf der gründlichsten Kenntnis der chinesischen Sprache. Da tai fung außerordentlich häufig (auch schon in der Kinderstube, aus der und von deren Amah's sich wohl vielfach die Kenntnis chinesischer Wörter seitens der früheren Europäer herleiten wird) gehört wird, und da überdies ta fung kü wieder so ähnlich klingt, so glaube ich, braucht man keinen Zweifel zu hegen. — Merkwürdig ist das Verschwinden des g am Ende. Die Engländer schreiben wie taifoon auch Kowloon für kau lung („Neun Drachen‟) die chinesische Stadt und daher auch die britische Halbinsel Hongkong gegenüber. Ich erkläre mir das aus dem Nasenlaute der Portugiesen (von Makao her) und des Französischen der alten katholischen Missionare. So auch Kanton statt Kwang-tung oder Kwang-tong; Tonkin statt Tong king oder Tung-king. Daß der Laut der Kantoner Aussprache für die Europäer maßgebend geworden ist, findet sich auch in dem Worte Japan (japanisch Nippon), von der Kantoner Aussprache Jat pun (mit verschlucktem, kaum hörbarem t in jat). Jat heißt Sonne, pun heißt Ursprung oder Aufgang.‟
Takel, das, ein „Flaschenzug‟, Windezeug aus zwei oder mehreren Blöcken (s. d.). Niederländisch, dänisch und schwedisch takel, englisch tackle, französisch palan à itague, etague, itacle, itagle, itaque. Von einem Stamme mit Tau. Früher die Gesamtheit aller Taue, überhaupt des ganzen Segelwerkes, wie aus der Zusammenstellung „Vor Top und Takel‟ hervorgeht. — Kilianus Duffl hat Takel in dreierlei Bedeutung 1. tackel = trajectus, transenna, funis latus in utraque fluminis ripa alligatus, ut pontonem dirigat et provehat. 2. tackel sax: trosse, remulcus. 3. taekel = hofd-touwe = funis nauticus major, also Gien. — Es liegt nahe, an das gotische tagl = Haar zu denken, althochdeutsch zagil, angelsächsisch tägel, englisch tail, altnordisch tagl, cauda, besonders equina, da man ja wohl von je her Taue aus Pferdehaar gekannt hat und die Frauen in Syrien in schwerer Kriegszeit sogar ihre Haare abschnitten zu Schiffstauen, vergl. jedoch Tau, s. a. Gut. Über die Zusammenstellung „Takel und Mantel‟ s. Mantel. — Das Takel wird erst durch das Hinzukommen des Mantels ein Takel; ohne Mantel ist es eine Talje (s. d.).
Takelage, die, die Gesamtheit alles dessen das zum Segeln gehört. Das Wort hieß mittelniederdeutsch takelaghe und wird damals kaum takelasche ausgesprochen worden sein, wiewohl diese Bezeichnung eines Sammelbegriffes, die im Mittelniederdeutschen oft vorkommt, kaum anders als unter französischem Einfluß entstanden sein wird. Hätte es auf dem Wege seiner ferneren Entwickelung das h behalten, dann wäre überhaupt kaum jemand auf den Gedanken gekommen, es Takelasche auszusprechen. Übrigens ist die Form des Sammelbegriffes in diesem Falle ganz überflüssig, da Takel ursprünglich für sich allein schon ein solcher Begriff war. — Im 18. Jahrhundert, in der Zeit der Fremdländerei, scheint sich erst die Aussprache asche festgesetzt zu haben. Wenigstens finden wir da erst Segelasche und, was dasselbe, Seilasche gedruckt. Der moderne Sprachgebrauch hat an der Endung solches Wohlgefallen gefunden, daß er sogar Stellasche, Kledasche und — Fressasche spricht. Kilian hat die Form taekelinghe; Takelung (s. d.) ist aber jetzt etwas anderes. — In Ostfriesland wird heute noch nicht Takelasche, sondern Takelasje gesagt, wie denn überhaupt alle die zahlreichen Wörter mit der Sammelendung -age so ausgesprochen werden.
Takeln, betakeln, auftakeln, abtakeln, Takelung s. Takler.
Takler, der. Jeder rechte Seemann muß ein Takler sein, d. h. die Arbeit des Takelns verrichten, eine Takelung herstellen, ein Ende betakeln und beim Auf- oder Abtakeln eines Schiffes seinen Mann stellen können. Alle diese Wörter kommen ja schließlich auf eines hinaus: seemännisches Vermögen mit dem Tauwerk richtig umgehen zu können und ihm die Gestalt und Beschaffenheit zu verleihen, in der es an seinem Orte und zu seiner Bestimmung gebraucht wird. — Insonderheit heißt betakeln das abgeschnittene Ende eines Taues so mit einem Bändsel befestigen, daß die Kardeele nicht aufgehen. Takeln überhaupt heißt splissen und knoten und dergl. Will man eine derartige Arbeit ganz allgemein bezeichnen, so nennt man sie eine Takelung. Wird ein Schiff in Dienst gestellt und es bekommt seine Segel und sein Tauwerk und es wird alles an seiner richtigen Stelle gesetzt und geschoren, so heißt das auftakeln, das Gegenteil davon aber abtakeln. — Auf der Werft hat man eigene Takler und eine besondere Werkstatt für sie. — Ein Frauenzimmer, das sich sehr geputzt hat ist „mächtig aufgetakelt‟; doch sagt man auch ohne Vorwurf „fein aufgetakelt‟, s. Takel.
Talfahrt, die, ist bei der Flußschiffahrt die Fahrt den Strom abwärts, während die Fahrt in umgekehrter Richtung Bergfahrt heißt. — Talweg ist der Stromstrich, die Mitte eines Flußes. So wurde am 9. Februar 1801 zu Lunéville, als man das alte deutsche Reich über den Haufen warf, unter Zustimmung von „Kaiser und Reich‟ beschlossen, der Talweg des Rheins solle die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich sein.