Talje, die, ist ein an Bord völlig unentbehrliches Werkzeug, ein Flaschenzug, der oben einen zweischeibigen (Violin-) Block und unten einen einscheibigen Block hat. Die beiden Blöcke sind durch ein Tau verbunden, das, da es über die Scheiben der Blöcke läuft, Läufer heißt, Taljenläufer. — So wie die Talje sich zunächst dem Auge darstellt, nämlich in unbenütztem Zustande, sind die beiden Blöcke noch zusammen, so daß sie wie ein Ganzes aussehen, das in der Mitte einen Einschnitt hat. Von diesem (allerdings nur scheinbaren) Einschnitt kommt der Name. Man kann auch an den Einschnitt denken, der den Violinblock in zwei (ungleiche) Teile teilt. — Französisch heißt der Schneider bekanntlich tailleur, der Einschnitt taille, einschneiden, schneiden tailler; italienisch taglia, spanisch taja, talla, portugiesisch und provençalisch talha = Schnitt, Einschnitt, Wuchs. Das geht alles auf das lateinische talea = abgeschnittenes Stück zurück; (daher auch Detail und Talon). Kilian hat talie = incisura. Niederländisch (1702) taalie. Da die Franzosen den Flaschenzug nicht taille sondern palan nennen, so scheint Talje direkt aus dem Mittelmeer ins Niederdeutsche getragen worden zu sein; gewiß schon früh, denn solch ein handliches und brauchbares Hilfsmittel werden sich die friesischen Kreuzfahrer sicher nicht haben entgehen lassen.

Tamp, der. Jedes Tauende, abgeschnitten oder nicht, heißt Tamp, auch der Tampen. Das Ursprüngliche dürfte das abgeschnittene kurze Ende sein; nämlich das Ende, das zur Aufrechterhaltung der Ordnung dient, wie bei uns in der Schule der Haselstock und in China der Bambus; der Tamp in der Hand eines schneidigen Stabswachtmeisters, eines Mannes, den man früher Rumormeister nannte und von dem Leonhart Frohnsperger im Kriegsbuch berichtet, wenn die Kriegsleute sich nicht mit einander vergleichen (vertragen) wollten, dann habe er „einen Vergleicher, ist ungefährlich eines Armes lang.‟ Doch ist das Schlagen der Mannschaft jetzt verboten. Nur Schiffsjungen bekommen noch mit diesem Vergleicher ihre Strafe, mit einem Tau, „ungefährlich eines Armes lang‟; es geht aber auch ganz gut mit dem nicht abgeschnittenen Ende irgend eines grade in der Nähe aufgeschossenen laufenden Gutes. Tamp ist wohl Nasalierung vom niederdeutschen tap, wie tampon von tapon; tap aber bedeutet einen Schlag, einen „Klapps‟; ein Tamp war also ursprünglich das Tau oder der Teil eines Taues, mit dem ein Klapps gegeben wurde und ist dann nach und nach in die allgemeine Bedeutung Tauende übergegangen.

Tänk, der, ist ein an Bord gebräuchlicher Aufbewahrungsbehälter für Wasser, Petroleum, Öl u. s. w., überhaupt für Flüssigkeiten, Wein, Bier etc. etc. ausgenommen; eine Art Cisterne, ein größeres, oft viereckiges, sonst auch dem Raum angepaßtes Gefäß. — Ein Tänkschiff ist ein solches das eingerichtet ist, Petroleum ohne die Fässer in sich aufzunehmen, so daß es drüben in Amerika in die entsprechenden Behälter eingepumpt und hüben wieder ausgepumpt wird. — Das Wort kommt aus dem Englischen, wo es tank heißt. Und zwar ist da, wie die englischen Provinzialismen und das Schottische beweisen, ein s im Anlaut abgefallen. Es stammt vom lateinischen stagnum, eine Pfütze stehenden Wassers (daher auch stagnieren); italienisch stagno, spanisch estanque, altfranzösisch estanc, neufranzösisch étang.

Tau, Tauwerk, das, ungefähr gleichbedeutend mit Seil. Ursprüngliche Bedeutung ist: Werkzeug zum Ziehen, hernach so erweitert, daß jedes beliebige Werkzeug ein Tau genannt werden konnte und man sogar von einem vartouwe = Wagen und von einem schriftau = Schreibzeug gesprochen hat. Tau hat also dieselbe allgemeine Bedeutung wie unser Zeug, das auch mit ihm zusammen eines Stammes ist, verwandt mit dem lateinischen ducere. Gotisch taujau = tun, machen; also jedes Werkzeug mit dem man etwas tut. Althochdeutsch ziohan, (altsächsisch tiohan), ziehen, oder zawjan, machen, davon althochdeutsch zawa, Seil, Strick, Werkzeug, Webergerät, Fuhrwerk, Wagen, Schiffsgerät, Schiffstau. Dieser zwar vielseitige aber im Grunde doch immer auf ein Ziehen mit der Hand, also auf Handwerk, Handarbeit hinauskommende Gebrauch des Wortes erinnert an das französische manoeuvre aus eben demselben Grunde Tau bedeutend, und zwar heißt sinnreich das laufende Gut manoeuvres courantes oder coulantes und das stehende Gut manoeuvres dormantes (vergl. „schlafendes Auge‟ in der Botanik). Tauwerk ist das noch unverarbeitete Gut, so wie es vom Reepschläger kommt; Hanftauwerk, Manilatauwerk, neuerdings auch Drahttauwerk.

tauen, (vertauen, vertäuen) (mit einem Tau) ziehen, ein Schiff von der Stelle ziehen und an einem anderen Orte wieder festmachen, alles vermittelst eines Taues. Aubin unterscheidet zwischen toüer und remorquer (s. Remorqueur): „Remorquer signifie le changement de place qu'on fait à un vaisseau par le moien d'un bâtiment à rames (so wurde die schwedische Fregatte „Eugenie‟ in der Magellanstraße aus dem Bereiche eines der daselbst so heftig, aber örtlich beschränkt wehenden Wirbelwinde durch ihre Boote um eine Felsenecke getaut oder vertaut, wo es totenstill war) et toüer signifie le même remuëment par le moien du cabestan ou par la hansiére.‟ — Ist das Schiff an der Stelle angekommen wo man es haben will, so wird es festgemacht, an einem Bollwerk, einer Pier, einer Boje; insofern solches mit einem Tau geschieht heißt es vertäuen, wangerländisch vertojen. — In Holland heißt aanturen ein Tier zum Weiden mit einem Tau festbinden, ostfriesisch tüddern, daher vertüddert oder vertütert anstatt „unklar‟, verwirrt, bei Stricken, Bindfaden, Nähgarn.

Taube Jütte, die s. Davit.

Taube Gezeit s. Nipflut.

Teakholz, das. „This timber is excellent for ship-building, and has been called the oak of the East. It works easily, and, though porous, is strong and durable; it is easily seasoned and shrinks but little, and from containing a resinous oil it resists the action of water, and repels the attacks of insects of all kinds.‟ Es ist das Holz der Tectona grandis aus der Ordnung der Verbenaceen, die in Indien, auf Ceylon und den Molukken bis zu gewaltiger Höhe wächst und sehr breite und lange Blätter hat. Teak ist ein tamilisches Wort.

Teer, der, ein aus Fichten, Kiefern etc. etc. durch Brennen gewonnenes, mit harzigen Teilen vermischtes dickflüssiges Öl, das Tauwerk, Holz, Segeltuch u. dergl. gegen die Einwirkungen des Wetters, besonders der Feuchtigkeit schützt. Matrosen, die grade mit Teer umgehen, sehen nicht besonders reinlich aus. Sie tragen dann besondere Anzüge, Jacken, denen kein Teer mehr etwas schaden kann. Daher sie nicht bloß Blaujacken, sondern auch Teerjacken genannt werden. Viele Leute lieben den Teergeruch. — Als etwas das vom Baume kommt hat Teer den Namen empfangen. Gotisch triu = Baum, Holz; englisch tree; vergl. -der in Wachholder, Maßholder, Holunder; die indogermanische Grundlage ist derw — , griechisch drüs, Eiche; Sanscrit daru = Baum. Littauisch derwa, finnisch derwas, lappisch tarwas, Kien = Harz = Teerholz; esthnisch terw, finnisch terwa, gädhelisch tearr, kymrisch tar, bretonisch ter = pix. „Die Entwicklung der Formen deutet auf Osteuropa als Heimat des Wortes, die keltischen Wörter sind dann aus dem Deutschen entlehnt.‟ — Das Wort kommt Hochdeutsch erst 1556 vor, war aber im ganzen niederdeutschen Sprachgebiet früh verbreitet. Im Beòwulf heißt niw-tyrwed neugeteert, niw-tyrwedne naca, ein neugeteertes Schiff.

Tender, der, „a small vessel employed to attend a larger one for supplying her with provisions and other stores, or to convey intelligence and the like.‟ Also ein kleineres Schiff, das einem großen beigegeben ist, um seinen Verkehr mit dem Lande zu vermitteln, von einem Schiffsboot oder einem Beiboot dadurch unterschieden, daß es nicht an Bord des größeren Schiffes genommen werden kann, weil es dazu zu groß ist, und daß es seine eigene ständige, aber vom größeren Schiffe abhängige Besatzung hat, auch einen Offizier vom Stabe des Schiffes als Kommandanten. — Bekanntlich heißt Tender auch der der Lokomotive eines Eisenbahnzuges beigegebene Wagen, der sie mit Kohlen etc. etc. versieht. — Das Wort kommt vom lateinischen tendo, spannen, anspannen, irgendwohin richten, lenken, reichen, darreichen, für etwas sich bemühen, arbeiten, ein Zelt aufschlagen, lagern. Tender ist also mit Intendantur gleicher Herkunft.