Tide, die, ist — vergl. Gezeiten — die Zeit von Ebbe und Flut, die Flutzeit, die Flutperiode, die zeitliche Zusammensetzung einer Ebbe und einer Flut; doch wird an der Nordseeküste das Wort so gebraucht, daß man dabei eher geneigt ist, an Flut zu denken als an Ebbe. Soll letztere gemeint sein, so muß das schon besonders irgendwie angedeutet werden, entweder dadurch, daß man nach Breusing „taube Gezeit‟ oder nach Dornkaat „dode ti‟ (ostfriesisch heißt tide auch tie und ti) sagt, namentlich zu der Zeit, wo der Mond im Viertel steht, während eine tide zur Zeit des Voll- oder Neumondes spring-tide heißt. — Das Wort Tide ist von vielen für englisch gehalten und Teid ausgesprochen worden. Mit Unrecht; denn schon 1400 im Seebuch kommt es als gut deutsches Wort vor, und zwar in den Formen tide und tyde. „mit halver tide‟; „en quarter, dordendeel, twedeel tydes‟; „myt ener halven tiden‟; auch in der Mehrzahl: „de tyde van Calismains, Engelant.‟ 1588 hat Waghenaer das Wort in drei Formen: getijden, ghetijden und tije, auch spricht er der größeren Deutlichkeit halber wohl auch einmal von watergetijde.
Tidehafen, der. In diesem Worte tritt es deutlich zu Tage, daß, ob zwar eine Tide Flut und Ebbe bedeutet, die Flut doch den gewichtigeren Teil der Verbindung ausmacht, denn ein Tidehafen ist soviel wie ein Fluthafen, nämlich ein offener, nicht durch eine Schleuse geschlossener Hafen, der nur zur Zeit des Hochwassers zugänglich ist. — Die gangbare niederländische Zusammenziehung tij für tide war schon Waghenaer 1588 sehr geläufig; er spricht häufig von „tij hauen,‟ ja sogar von Tijbuckinghen als den besten, die natürlich in Holland verzehrt werden, während die minderwertigen Maertschen Buckingh die Elbe hinauf nach Deutschland, Böhmen, Ungarn und bis zur Türkei gehen, „al waer de selve Buckingh voor de goede leckernye mede vercocht, gesleten ende gheconsumeert wert.‟
Tief, das, ist im seemännischen Sprachgebrauch ein Fahrwasser, und zwar mehr eine Fahrwasserrinne zwischen Untiefen, im Watt, zwischen zwei Inseln; eine Strecke, die tief genug ist für Schiffe. Dep heißt sonst niederdeutsch Graben, Kanal, Fluß, niederländisch diep (Nieuwediep, sprich Nüwediep), englisch deep, Tiefe, See, Meer; „Anything remarkable for depth, sea, ocean.‟ Hochdeutsch die Tiefe, aber im weitern Sinne, so daß es nicht bloß Meerestiefe, sondern (Luther) überhaupt Meer bedeutet.
Tiefgangsmarke, s. Ahming.
Tiefladelinie, die, ist eine außenbords an einem Handelsschiffe angebrachte, durch einen Kreis gezogene horizontale Linie, die anzeigt, wie tief ohne Gefahr für Schiff, Ladung und Mannschaft ein Fahrzeug geladen werden darf. Das richtet sich nach der Bauart und Güte des Schiffes, nach der Art der Ladung und besonders auch nach dem Bestimmungsort, indem ein Schiff für große Fahrten nicht so tief geladen werden darf, wie ein Binnenfahrer. — Es wäre zu wünschen, daß ein allgemeines deutsches Tieflademarkengesetz gegeben würde.
Tieflot, das, hieß sonst das „schwere‟ oder „große‟ Lot, ein Lot, das dazu dient, größere Tiefen auszuloten als das Handlot es vermag, s. loten. Da zum Auswerfen des Tieflotes Leute am Bug und am Heck des Schiffes beschäftigt sind, so verständigen sich diese unter einander durch Aussingen, wobei der berühmte Vers ausgesungen oder gerufen wird: Warschau von untere, Kabliau und Flundere, Jetzt kommt das große Lot Und schlägt euch alle tot. „Men mut ock nicht allein up de Gissing tho Warck gahn, den Gissung maket bewilen Missung, de Hulp middelen, alß dat Duiep Loet, mut flitig in acht genahmen werden, vornehmlich in der Nord-See, und sünst dar men underschetlicke Gründen hefft; welckes bewilen gude Narichtunge gifft.‟ „Kunst der Seefahrt,‟ 1673.
Timmerstek s. Stek.
Tjalk, die, ein kleineres, ziemlich breites, kurzes, rundes Fahrzeug für Küstenschiffahrt mit einem Pfahlmast und einem Farunner. Im Niederdeutschen und besonders im Ostfriesischen, wo die Tjalk zu Hause ist, schreibt man in Folge der eigentümlichen Aussprache des j im Anlaut oft anstatt j ein tj, man sagt sogar oft tja anstatt ja. Dieser Umstand läßt für Tjalk auf eine ursprüngliche Form Jalk schließen. In der Tat kennt und hat auch das „Bremer Wörterbuch‟ noch diese Form. So geht das Wort also auf Jolle (englisch yawl, yal) zurück und dürfte eine Diminutivform davon darstellen, die über Jolleken, Jolken, Jolk sich entwickelt hat; kann man doch Tjalk auch Tjolk aussprechen hören. Es ist dabei zu bedenken, daß Jolle, wenn sie wirklich durch die Phönizier mit ihrem gaulos an unsere Küsten gelangt ist, damals kein so kleines Boot war wie heute, sondern ein seegehendes Fahrzeug.
Tonne, die.
1. Ein Seezeichen, das ursprünglich aus einer Tonne bestand, jetzt aber aus Eisen gefertigt wird und einer Tonne wenig mehr ähnlich sieht. Aber der Name ist geblieben und hat sogar dienen müssen zur Zusammenfassung der Tonnen, Bojen, Baken, Spieren in den einen Begriff Tonnenwesen. Die Schiffe, die dergleichen Seezeichen legen und überhaupt in Ordnung halten, heißen jetzt Tonnenleger, Dampftonnenleger. Früher, z. B. zur Zeit der langen Oldenburgisch-Bremischen Weserzollstreitigkeiten, hießen sie Tonnenbojer. Da die Abgaben der Schiffe zunächst zur Unterhaltung der Seezeichen bestimmt waren, so heißen sie noch heute Tonnengelder.