2. Spricht man von Tonne im Sinne von Tonnengehalt. Dieser bedeutet die Zahl der Tonnen, die ein Schiff mit Sicherheit zu tragen vermag, bezw. die Anzahl der Registertonnen als Raummaß für die Schiffsvermessung; eine solche Tonne mißt 2,832 cbm; während eine Tonne als Schiffslast 1000 Kgr. wiegt.

Schon frühzeitig ist man im Betonnen eines Fahrwassers von der eigentlichen Tonnenform der größeren Deutlichkeit der Unterscheidung zuliebe abgewichen. Namentlich in den Niederlanden war es Gebrauch, Tonnen auszulegen, die oft mit einer Tonne gar keine Ähnlichkeit hatten. Waghenaer, „Spiegel der Zeevaerdt‟ 1588, schreibt: „Op alle de stroomen van Hollandt, Vrieslandt ende Zeeland, sijn de tonnen aent opperste rondt en breedt, ende afgaende aent neerste eynde smal ende scherp als hier aan gheteeckent staet (folgt Abbildung eines Dinges, das wie ein Trichter aussieht), sijn swert ghepeckt of geteert, ligghen al meest op de rechter hant int wantzeylen aen de slincker int inecomen, ende aen de ander sijden op de sanden ofte platen staen gemeenlijk de Baeckens met korven bouen op in deser manieren (folgt Bild einer Bake: eine Stange mit einem runden korbgeflechtartigen Ball darauf) op datmerse te verder sien maech. Ende waermen eenige holken oft sanden soude mogen onderseylen, sijn (om dat de verhoeden) witte tonnen gelegt van dessen fatsoene (Bild einer richtigen Tonne) ende legghen altijt op de contrarie sijde van de voors. swerte tonnen.‟

Tonnenbojer, der. Ein Schiff, dazu bestimmt Tonnen und Bojen auszulegen, wangerländisch tunbujer. — Als die Bremer dem Grafen Anton Günther von Oldenburg, ja dem Kaiser und Reich mit Gewalt entgegentraten um einen den Oldenburgern vom Kaiser bewilligten Weserzoll zu hindern, war das Mittel der Gewalt — ein einziger „Tonnenboyer‟. Der genügte der freien Reichs- und Hansastadt Bremen, um viele Jahre lang die Absicht des Kaisers und des Grafen zu hindern. Wir haben an ein Schiff zu denken ähnlich einem Zollkreuzer, mit einigen Kanonen, für gewöhnlich friedlicher Beschäftigung obliegend, aber gelegentlich zu kriegerischen Zwecken verwendet. Übrigens hatte man früher auch gewöhnliche kleinere Handelsschiffe, die Bojer hießen, aber mit dem Legen von Bojen nichts zu tun hatten, sondern nur nach dem Vorbilde der (Tonnen-)Bojer gebaut waren; kleine Fahrzeuge mit nur einem Maste, die kaum die hohe See hielten, wie aus einer alten Nachricht erhellt: „anno 1525 im pasken (Ostern) segelde Herm. Euers (Evers) mit enem bojer mit enem smaksegel in Engelant, das touoren angehört was.‟

Topp, der, in der Einzahl richtiger: Top. Spitze, Äußerstes, Höchstes; höchste Spitze des Mastes, dann auch in der Verbindung Vortop, Großtop, Kreuztop den ganzen betreffenden Mast bedeutend mit allem was drum und dran ist, so daß pars pro toto genannt ist, wie man Dach für Haus, Köpfe oder Seelen für Menschen, Segel oder Kiel für Schiff sagt. Topp, eigentlich im Singular bloß Top, ist nichts anderes als Zopf, nur mit unverschobenem An- und Auslaut. Das niederdeutsche Sprachgebiet in seiner zähen Art hat die hochdeutsche Lautverschiebung von Konsonanten welche im Germanischen aus indogermanischen Verschlußlauten entstanden waren, nicht mitgemacht. Von dieser hochdeutschen Verschiebung sagt Wilmanns, daß sie besonders lehrreich sei, „weil sie sich zum großen Teil vor unseren Augen vollzieht und genauere Einsicht in die stetig fortschreitende Änderung der Konsonanten und die sie regelnden Kräfte gewährt.‟ „Der Beginn der Verschiebung fällt in die Zeit vom 5. bis 7. Jahrhundert unserer Zeitrechnung und deshalb sind ihr auch viele romanische Lehnwörter, die bis zum 8. Jahrhundert ins Deutsche aufgenommen sind, unterlegen. Von Oberdeutschland geht die Bewegung aus; die Sprache der Langobarden, Bayern, Alemannen und eines Teils der Franken wird von ihr ergriffen; je weiter nach Norden, um so schwächer wird die Wirkung.‟ An Top ist sie wirkungslos geblieben. Im Althochdeutschen ward die Tenuis des Anlauts durch das homogene Reibungsgeräusch von t affriziert, also von s, und so ward aus t ein z. Das homogene Reibungsgeräusch von p ist f, die Affrikation von p ist also pf. Da aber Top sich, wie gesagt, nach niederdeutscher Eigentümlichkeit an diesen Affrikationen nicht beteiligt hat, so ist es bis auf diesen Tag Top geblieben. Daß Top = Zopf aber für Mastspitze gebraucht werden konnte beweist uns, daß Zopf ursprünglich nicht das herabhängende, geflochtene Haar, sondern den „Schopf‟, das nach oben zusammengefaßte und -gebundene Haar, den obersten Scheitel (toupet) bedeute. Wenn Shakespeare sagt: „To take the present time by the top‟; so meinte er ja damit auch nicht die Stirnlocke, sondern vielmehr den Teil des Haarwuchses, an dem man etwa einen Ertrinkenden zu packen hätte, um ihn aus dem Wasser zu ziehen. — Im Niederländischen heißt top so allgemein das Oberste, Äußerste, „die Krone‟ von etwas, daß man sogar vom „top van den vinger‟ spricht.

Top und Takel. Vor Top und Takel segeln heißt, ohne jegliches Segel zu setzen sich dem Sturme preisgeben, so daß also lediglich das Schiff selbst und seine Takelage dem Sturme eine Angriffsfläche bietet. Es liegt auf der Hand, daß das äußerste Gefahr bedeutet und auf Leben oder Sterben geht. Darum heißt französisch das „aller à mats et à cordes‟ auch „aller à la dérive, aller à Dieu et au tems‟ (Aubin, 1702). Dänisch: „med top og tavl‟, ganz und gar, mit Kopf und Schwanz, mit Haut und Haaren. In Holland, überhaupt bei allen seefahrenden Völkern sind ähnliche Redewendungen in Gebrauch; „over Gods genaade drijven‟; „sig aan het geweldt der winden en baaren (Wellen) overgeven.‟

Toppnant, weiblich. Toppnanten sind „Taue, die an beiden Nocken der Rahen und am Top des Mastes oder auch unter dem Eselshaupt durch einen Block aufs Deck hinunter fahren, diese Taue dienen die Rahen horizontal zu erhalten oder sie auch nach Umständen gegen den Horizont zu neigen‟, vergl. Kajen. Treffend heißen die Toppnanten französisch balancines. „On s'en sert pour tenir la vergue en balance, lors qu'elle est dans la situation naturelle, ou pour la tenir haute et basse, selon qu'il est à propos‟ (Aubin). Was das Wort selbst betrifft, so vermute ich, daß Toppnant nichts weiter ist als eine Verkürzung von Toppenende, das zuerst Toppnend geheißen haben mag und dann ohne Rücksicht auf die Herkunft, vielleicht bei Aufnahme in die neuhochdeutsche Seemannssprache, bei welcher Gelegenheit an gar manchem Orte gesündigt wurde, die gegenwärtige Gestalt erhielt. Daß „Ende‟, das Ende eines Taues, für das Tau selbst gebraucht wird, siehe unter Ende. — Die Rahe mittelst der Toppnant auf und nieder bewegen heißt sie toppen.

tot wird in der Seemannssprache in folgenden Verbindungen gebraucht:

1. Totes Gewicht s. Deplacement.

2. Totes Werk. So nennt man den Teil des Schiffes, der über der Schwimmebene liegt, also den Teil des Schiffskörpers, der sich über Wasser befindet. Tot ist dieser Teil, weil er nicht hilft Wasser verdrängen, weil er also nicht mit trägt, sondern getragen werden muß.

3. Totes Holz. So heißen die Kielklötze. Sie heißen so im Gegensatze zu dem lebendigen, beweglichen Schiffe.