4. Tot segeln. Den Strom tot segeln, heißt, gegen den Strom so viel Fahrt machen, daß man ihn überwindet und trotz des Stromes noch vorwärts kommt, seinem Ziele sich nähert. Ein Schiff tot segeln, heißt, es überholen, ihm vorbeikommen, also schneller segeln als es.
toppen s. brassen und toppen.
Törn, der, s. Seetörn.
Torpedo, der. In der Kaiserlichen Marine versteht man unter einem Torpedo ziemlich ausschließlich einen Offensiv-Torpedo (während die Defensiv-Torpedos Minen genannt werden), also das bekannte zigarrenähnliche Geschoß, mit Schießbaumwolle geladen, von komprimierter Luft durch eine kleine Schraube getrieben, unter Wasser sich mit ziemlicher Geschwindigkeit auf ein feindliches Schiff zu bewegend, um da zu explodieren und das Ziel in die Luft zu sprengen. Das Nähere gehört nicht hierher, ist auch in tiefes Geheimnis gehüllt. — Nur muß bemerkt werden, daß fälschlicherweise im Binnenlande und sogar auch in Kriegshafenstädten oft Torpedo gesagt wird, wo man ein Torpedoboot meint, nämlich ein Boot, das lediglich zum Schießen mit Torpedos eingerichtet ist und ausschließlich dazu bestimmt ist, während die großen Panzerschiffe und Kreuzer ihre Torpedoarmierung nur so nebenbei haben. — Torpedos müssen rasch arbeiten; es ist daher ein eigentümliches Zusammentreffen, daß das Wort eigentlich steif, langsam, plump, unbeweglich bedeutet, denn in diesem Sinne hat der dicke, plumpe, unförmige Fisch seinen Namen Torpedo (vom lateinischen torpeo) empfangen. Er hat ihn allerdings für diese moderne Seekriegswaffe nicht hergeliehen wegen seiner Schnelligkeit, sondern seiner Fähigkeit, elektrische Schläge auszuteilen.
Torpedooffizier, der. Ein Torpedooffizier verhält sich zu einem Torpederoffizier wie ein Artillerieoffizier zu einem Feuerwerksoffizier, d. h. der Torpedooffizier steht in der Front und betreibt das Militärische am Torpedowesen, das Exerzieren, Instruieren und Schießen, während der Torpederoffizier sich am Lande dem Technischen und der Verwaltung in Torpedoangelegenheiten widmet als einem dauernden Lebensberuf. Der Torpedooffizier aber ist ein Seeoffizier, der nur eine Zeit lang das Torpedowesen an Bord unter sich hat und dann wieder ein anderes Kommando bekommt, als Batterieoffizier, Erster Offizier, Kommandant u. s. w.
Trackkarte, die, ist eine Seekarte, auf der sich Seeleute ihre Tracks, d. h. die Strecken die sie auf See zurückgelegt haben, einzeichnen, den Weg den sie „gezogen‟ sind (denn track hängt mit dem niederdeutschen, niederländischen trekken, ziehen zusammen); ihre Seereisen. Seemännischen Wert hat dies nicht, es dient nur als Reiseerinnerung, allenfalls noch als Anhaltspunkt für das Gedächtnis in Bezug auf Strömungen, vorherrschende Windrichtungen, überstandene Stürme, Länge der Seetörns u. s. w.
Treibbake = Schwimmbake, s. Bake.
Treiber, der, ist ein ganz hinten am Stern von Lustjachten (manchmal auch bei sonstigen Segelbooten) angebrachtes, an niedrigem Maste fahrendes, über das Heck hinausragendes Schratsegel bei sogenannter Jawl (s. Tjalk) — Tagelake. Es soll den Großbaum entlasten und durch den Druck auf das Heck den Bug gegen die See halten. — Ist schweres Wetter, so tritt an die Stelle des Treibers ein kleinerer, stärkerer Sturmtreiber. — Früher hatte man auch auf Vollschiffen einen Treiber. Er fuhr an einer Leesegelsspier, die an der Nock der Besansgaffel gehißt war; die Schoten wurden an einer über die Reling gelegten Spier ausgeholt. Es war also dieser Treiber eine Art Rahsegel. Es wurde gesetzt, wenn das Schiff vor dem Winde segelte, der Besan also nicht zur Geltung kam. Viel half der Treiber freilich auch nicht, aber er trieb das Schiff immerhin etwas schneller weiter, half also die Fahrt beschleunigen und so das Verdienst mehren und führte darum den sinnreichen Namen „Brodgewinner.‟
treiben. Das bekannte Lied: „Treibe, treibe, Schifflein treibe!‟ klingt ganz nett im Salon; im seemännischen Sinne ist treiben keine angenehme Bewegung, sondern bedeutet allemal etwas das man lieber nicht sähe. Ein Schiff treibt, wenn es nicht von Dampf oder Segel sondern von der Gewalt eines Sturmes in Bewegung gesetzt wird. Es treibt „vor Top und Takel‟ wenn der Sturm so schwer ist, daß es keine Segel führen kann. Es treibt „vor Anker‟ wenn die Anker im Sturm nicht halten, das Schiff also trotz der Anker in Bewegung gerät. Es ist dann oft so gut wie unlenkbar und allen möglichen Gefahren preisgegeben. Ein Schiff treibt ab, wenn Strom oder ungünstiger Wind es von seinem Kurse abdrängen.
treideln ist die offizielle Bezeichnung für das, was sonst treilen, trauen, treieln, treueln, troilen heißt und die Tätigkeit eines Menschen bezeichnet, der an einer langen Leine um die Schulter ein Schiff einen Fluß oder einen Kanal entlang zieht. Die Leine heißt Treil; französisch traille, vom lateinischen tragula, Diminitivum von traha, vom Zeitwort traho ich ziehe. Die Form treideln ist auffallend, weil nicht zu ersehen ist, woher das d hineingekommen ist. Man könnte denken, sie habe sich aus dem Keltischen erhalten, wo es im Kymrischen ein Wort treidio gab, das laufen bedeutete; da treilen ja mit Laufen verbunden ist, so könnten die beiden Begriffe in einander geflossen sein und treilen hätte dabei das d von treidio in sich aufgenommen. Aber in mittelalterlichen Urkunden findet sich das d nicht, da steht immer nur treilen oder troilen. 1323: „Naves ducere volentibus, quod vulgariter troylen dicitur.‟ 1343: „We bekennet, dat wi vorkoft hebbet vnse dre molen stat to N. mit allem anschote, also dat man varen mach it water vp vnde neder, sunder hinder ouer vsen anschot velich treilen.‟ 1348: „Also dat de ghenne, de twischen Luneborch vnde Ulsen de Elmenowe vp vnde neddervaret, moghen vppe den oueren gan vnde de sceppe dar vppe troylen na ereme behoue.‟ Und in dem Privilegium des Herzogs Magnus für Braunschweig aus dem Jahre 1431 steht: „Ok so mögen de schiplude troylen vp mynen oueren.‟ Das d ist also neueren Datums; vielleicht Folge des Gedankens daran, daß der treilende Mann nur kleine Schritte, nur kurze Tritte machen kann, wegen der Last die er zieht. So könnte ein Iterativum von treten, tritteln, mit in den Begriff treilen geraten sein, dessen geminirtes t hinter dem Diphthong schwinden mußte und zur Media wurde. Dabei ist daran zu erinnern, daß der noch teilweise von Kaiser Trajan herrührende Treidelweg durchs eiserne Tor, der teils als Halbwölbung in den Felsen eingehauen, teils als hängender Weg gebaut war, von den Donauschiffern Treppelweg genannt wird und daß treppeln so viel wie trippeln und dieses Iterativum zu trappen ist. — Es wäre auch möglich, daß der Gedanke an trödeln das d in treideln gebracht hätte, weil das Geschäft zuweilen recht langsam vor sich geht. — Die Franzosen haben für den Mann, der es betreibt, ein seine Tätigkeit sehr deutlich beschreibendes Substantiv gebildet aus dem deutschen Zeitwort holen (s. d.) und nennen ihn haleur. Man hatte seinen Scherz mit ihm und rief ihm früher an der Loire und sonst in Frankreich das Wort arrache-persil, Petersilienausreißer, zum Spott zu. Sprichwörtlich sagte man nicht unwitzig: „arrache-persil navigue aussi.‟ Sie antworteten mit einer Flut von Schimpfreden, ähnlich wie die Flößer auf dem Neckar, wenn die Tübinger Studenten ihnen zuriefen: „Jockele sperr!‟ — Englisch to drail; holländisch (Weiland) treil: denkelyk een bastaardwoord van het fr. tirail ontlend, en darmede van tirer, trekken, afkomstig. Eene lyn, om een schip voort te trekken. Voorts — und das bedeutet eine bedeutende Erweiterung des Begriffes, der sich übrigens auch in Ostfriesland findet — „ook het gesamenlyke touwwerk van een schip: van zeil, van treil, van roer, van snoer, van maste beroofd. — Het schip word met zeil en treil verkocht.‟