vergissen, sich, s. gissen.

verholen, etwas von einer Stelle auf die andere schaffen. Ein Schiff verholen heißt, es mittelst Holens an einer ausgefahrenen Trosse auf einen anderen Platz legen. Außer der Trosse gehören dazu noch andere Vorrichtungen: Verholspill, Verholklüsen, Verholklampen, doch gehts zur Not auch ohne diese.

Verklarung, die. Verklarung ablegen heißt: sich vor dem zuständigen Richter über einen an Bord auf See erlebten Unfall, eine Havarie etc. etc. verhören lassen und dabei sich über die näheren Umstände erklären, sie erläutern, die Sache deklarieren. Verklaren heißt an sich weiter nichts als erklären, wie man auch in hochdeutschen Mundarten anstatt erklären verklären sagt; es hieß aber besonders schon im Mittelniederdeutschen „vor Gericht erklären.‟ Lübecker Urkunde von 1413: „Alse de vorescrevenen schelinge in yegenwardicheyt vnses rades ... vorlud vnde vorclared worden.‟ — Altfriesisch foerclaria, erklären; foerclaringhe = Verklarung.

Verklicker, der, ist eine leicht vom Winde zu bewegende, sich also nach jedem Luftzug richtende und daher die Windrichtung genau anzeigende Vorrichtung aus Kork mit Federn, meist aber, namentlich auf Kriegsschiffen, ein „Windstander‟ aus leichtem Flaggentuch. Er wird an einer Stelle angebracht, wo ihn der wachhabende Offizier gut sehen kann und wo er unbeeinflußt ist von dem Winde der etwa durch ein Segel aus seiner Bahn gelenkt sein könnte. — Was ein Seemann ist, der kann zwar ohne dergleichen Hilfsmittel mit der Nase oder den Ohren die Richtung des Windes genau angeben, aber der Sicherheit wegen und um einen Vergleich zu haben hat er einen Verklicker. Man würde in Versuchung stehn ihn Verglieker, Vergleicher, zu nennen, wenn es nicht ein altes niederdeutsches Wort verglicker gäbe, das der Teuthonista mit scrutator, catascopus, circulator übersetzt und von dem das „Bremer Wörterbuch‟ schreibt: „verklicken jemandes Vergehen angeben, verraten, verklicker ein Angeber, Verräter.‟ In Ostfriesland heißt der Spiegel vor dem Fenster, den man sonst in Deutschland Spion nennt, Verklicker. Wie neugierige Frauen in diesem Verglicker sehen, wer auf der Straße geht, so sieht der wachhabende Offizier an seinem Verklicker, woher der Wind weht; der Verklicker ist ihm in der Tat ein Verräter und Angeber, der die Windrichtung angibt und verrät.

Verlat, das, hochdeutsch Verlaß, Gelaß; im Allgemeinen in Ostfriesland ein Raum in dem man etwas läßt, besonders aber eine Kasten- und Doppelschleuse, worin man das Oberwasser der Kanäle zum gelegentlichen Gebrauch zurückhält und aufspeichert um es nachher wieder abzulassen. — Wie alle dergleichen Wörter auch als Ortsbezeichnung, z. B. Ditzumer Verlat.

vermooren, ein Schiff das vor Anker liegt besonders fest oder in einer besonderen Richtung fest legen mit Hilfe von mehreren Ankern. In vermooren steckt das althochdeutsche marrjan, mittelhochdeutsch marren, merren = halten, befestigen, anbinden, anschirren; angelsächsisch merran, englisch to moor = „to confine or secure a ship in a particular station, as by cables and anchors or by chains.‟

verstauen s. stauen.

vertäuen s. Tau.

vertonen heißt eine leichte, skizzenhafte Zeichnung von einer Insel, einer Bucht, einer Küste machen. Solch eine Zeichnung nennt der Seemann eine Vertonung. Sie hat einmal für den Zeichner selbst den Zweck, sich genauer die Gestaltung des Landes mit seinen Bergen, Hügeln, Kirchen, Türmen, Mühlen, Häusern und Bäumen einzuprägen, also sich eine gute Landkennung zu verschaffen, sodann aber auch die Vertonung zum gleichen Behufe an andere weiter zu vergeben, auf Seekarten zu veröffentlichen etc. Tonen ist ein weitverbreitetes niederdeutsch-niederländisches Zeitwort das „zeigen‟ bedeutet; daher tonbank, der Tresen, der Ladentisch, die Bank, auf der den Kunden die Waren gezeigt werden. Im Mittelniederdeutschen hieß tonen noch besonders „jemandem eine Urkunde vorzeigen, ein Dokument vorlegen,‟ und das Vorzeigen hieß toninge. — Zur Zeit mangelhafter Kenntnis der nautischen Berechnungen kam noch mehr auf eine gute Landkennung an wie heutzutage. Deshalb wirft 1670 der Verfasser der „Beschriving von der Kunst der Seefahrt,‟ ein alter befahrener, in manchem Sturm und Schiffbruch erprobter Schiffer, die Frage auf: „Wo mag man de Landen und Gelegenheit des Fahrwaters kennen lehren?‟ und erteilt darauf folgende Antwort, aus der — wenn das Wort selbst auch nicht gebraucht ist — doch hervorgeht, daß damals fleißig vertont wurde. „Wenn man vom einig Land affsegelt, so most men wol Achtinge hebben, up wat Art dat Land an tho sehnde ys, wat vor Karcken, Torens, Mölens, Backen, Husen, offt Berge und andere kenlicke Teckens, dat dar umbtrent syn, men kan ock datsülvige na Gelegenheit affmahlen offt afftecken und pegelen upt Compaß, wo ein jeglich Tohren, Möhl, Karck etc. van ju ys, und warpen ock dat Loth und sehn wo deep, und wat vom Grund dat dar umbtrent ys, und nehmen ock Achting wo dat Land na grade int Affseegelnt vorandert, und wen gy sehen, dat sick dat Land vorändert, so trekket eder mahlet ydt wedder aff und pegelt mit juw Compaß, wo ein jeglick Ding von juw steit, und so da örde (Spitzen) offt Hucken vant Land tho sehnde syn, so pegelt se ock inn geliken aff, warpet ock wedder dat Loet, und seht wo sick de Grund und Düpte vorändert, desgeliken möge gy ock solches wedderumb dohn, wen dat Land begint ant Water tho kamen, und schrieven solckes wedder an, up wat Streck de klenlickste Platzen offt Tekens vom juw liggen und wat Deepte gy alßden dar hebben, endlick möge gy solckes noch ins dohn, alß gy dat Land achter van de Compagnie (Kampanje) effen sehen könet, den stiget in de Marß offt an de Stengen..‟ Lucas Janszoon Waghenaer, Steuermann zu Enckhuyzen, der im Jahre 1588 seinen „Spiegel der Zeevaerdt‟ herausgab, hat als praktischer Seemann besonders viel auf Vertonungen gehalten, ihrer auch eine große Zahl auf seinen Seekarten beigebracht, neben Schiffen unter vollen Segeln und fröhlich in ihrem Element spielenden Fischen. Er versichert auch ausdrücklich, er habe mit „diversche Piloten ende bevaren Stuerlieden‟ über seine Karten und Segelanweisungen „ghecommuniceert, vertoont ende na haerlieder memorialen ghecorrigeert.‟

verschalken. Bei sehr schlechtem Wetter, wenn Gefahr vorhanden ist, daß Sturzseen überkommen, werden die Luken, durch die das Salzwasser ins Innere des Schiffes dringen könnte, verschalkt, d. h. sie werden zugedeckt mit ihrer Gräting und darüber wird ein Stück wasserdichten Segeltuches genagelt; doch so daß die Nägel leicht wieder ausgezogen werden können, wenn die Gefahr vorüber ist. Zu diesem Zwecke werden die Nägel nicht bis an ihre Köpfe eingeschlagen, sondern man legt erst ein Holzklötzchen unter als Unterlage und Stütze gegen zu tiefes Eindringen. Dieses Klötzchen, im Niederdeutschen schalk (auch Stütze, Unterlage, Träger bedeutend, eigentlich ein Knecht) genannt, hat dem Zeitwort verschalken zum Dasein verholfen.