Variation, die. Die verschiedenen für den seefahrenden Mann wichtigen Ablenkungen: Variation, Mißweisung, magnetische Deklination, Deviation, astronomische Deklination, stellen sich gemäß befreundeter fachmännischer Auskunft kurz so dar: Eine jede nur in ihrem Schwerpunkte unterstützte, sonst aber frei schwebende Magnetnadel stellt sich in die magnetische Nord-Südlinie. Der Winkel, den diese magnetische Nord-Südlinie mit der astronomischen Nordsüdlinie bildet, heißt „Missweisung‟, „Variation‟ oder auch „magnetische Deklination‟. — Nur an einem völlig eisenfreien Orte steht die Nadel in der magnetischen Nordsüdlinie, ist Eisen in der Nähe der Nadel, — wie an Bord der Schiffe — so weicht die Magnetnadel um einen gewissen Winkel (dessen Größe unter anderen Ursachen auch von der Entfernung, Lage u. s. w. des Eisens zur Nadel abhängt) von der magnetischen Nord-Südlinie ab. Dieser Winkel wird „Deviation‟ genannt. Die Deviation ändert sich mit dem Kurse des Schiffes. — „Abweichung stammt aus der nautischen Astronomie und ist die Verdeutschung des Wortes „Deklination‟; nämlich „Abweichung‟ der Gestirne vom Äquator des Himmels.‟ — Die „Beschriving von der Kunst der Seefahrt‟ 1673 hat eine eigene Abhandlung „Thom Dörden: Wo men de declinatie der Sünnen finden, und die Instrumenten tho meting des Poles hochte gebrucken sal.‟
Ventilator, der, s. Windsack.
Verbodmen s. Bodmerei.
Verdeck, nicht seemännisch, s. Deck.
verfahren hat eine ganz andere Bedeutung als das althochdeutsche farfaran = dahinfahren, sterben; auch wird es im anderen Sinne gebraucht als wenn man von einer verfahrenen Sache spricht; schon näher kommt man der seemännischen Bedeutung, wenn man an das in und um Gröningen gebräuchliche vervoaren denkt, das = verhuizen, also = umziehen ist, eine andere Wohnung beziehen oder von einem Orte zum andern ziehen. Man spricht nämlich: „eine Trosse verfahren‟ und meint damit, sie von einer Stelle (wo sie keine Dienste mehr leisten kann) nach einer anderen (wo sie wieder fest gemacht wird) bringen, z. B. von einem Poller oder von einer Boje nach der andern verfahren beim Verholen eines Schiffes oder beim Durchschleusen eines solchen. Und zwar ist der ursprüngliche Gedanke der gewesen, daß die Ortsveränderung der Trosse mit Hilfe eines Bootes vorgenommen, daß sie ausgefahren und dann von einer Stelle zur andern weiter gefahren wurde.
verfangen.
1. Ein Tau verfangen, einen Stopper auf ein so lange von den holenden Matrosen festgehaltenes Tau schlagen und so fest machen, daß es nicht wieder zurücklaufen kann. So gebraucht, hat verfangen den Sinn des hochdeutschen fangen.
2. Eine Beting verfangen, die Beting bei starkem Zug des Ankertaues auf dem Deck abstützen. Hier nähert sich der Begriff dem von 3, indem die Abstützung gleichsam im Falle der Not an die Stelle der eigentlichen Beting zu treten hat; er hat aber auch etwas von 1. an sich, da die Abstützung ein Festmachen, eine Verhinderung der Bewegung in erster Linie darstellen soll.
3. Einen Posten verfangen, d. h. ihn ablösen. In diesem Sinne wird das Wort in Ostfriesland und in Holland gebraucht für „an die Stelle eines anderen treten.‟ Wenn in Holland einer Soldat werden soll und er kauft sich für Geld einen anderen, der für ihn eintritt, so ist dieser andere sein plaatsvervanger. Ein solcher „Stellvertreter‟ hieß altfriesisch forifongera, forifonghera, forifongere (Richthofen 751). „Sa hwa sa breke, thet hi bete, hit ne se, thet hi forifongera winne‟ d. h. was einer zerbricht, muß er büßen, es sei denn daß er einen findet, der an seine Stelle tritt, für ihn die Buße übernimmt.
Schon das althochdeutsche far, -fir, -for, -fer, -fahan hatte eine reiche Bedeutung von „fassen‟ an bis hin zu „sich zu etwas verpflichten‟, „sich eines Dinges unterfangen‟, die letztere Bedeutung kommt der seemännischen nahe im Sinne von „sich einer Stellvertretung unterfangen.‟ — Auch hat ja unser hochdeutsches „verfangen‟ alle drei seemännische Bedeutungen in sich; wenn etwas verfängt so hält es, so stützt es und es tritt an die Stelle von etwas; vergl. „verfänglich.‟ — Am häufigsten hört man an Bord verfangen im Sinne von ablösen, schon weil das Kommando „Ruder und Posten verfangen‟ alle Stunde wiederkehrt; doch hört mans auch im Sinne von „stellvertreten‟; so wird der Offizier der Wache zu einem anderen sagen, wenn er aus irgend einem Grunde genötigt ist, sich auf kurze Zeit zu entfernen: „Bitte verfangen Sie mich eine Viertelstunde.‟