„Überall!‟ lautet der Ruf mit dem „Alle Mann‟ in der Frühe geweckt werden, während der Ruf beim Wecken der neuen Wache „Reise! Reise!‟ (s. d.) heißt. Das „Überall‟ ist zum größeren Nachdruck von einem mächtigen Gepfeife des Bootsmanns und seiner Maate begleitet. Man nannte das früher „Reveille‟, jetzt heißt es „Wecken‟. Und das ist gut, denn mit diesem Worte waren deutsche Seeleute französischer als die französischen, die gar nicht Reveille sagen, sondern battre la diane. Das haben die Holländer treuherzig übersetzt: „die Diana slaan‟ und gewiß, wenn sie überhaupt etwas dabei gedacht haben, an die alte Göttin Diana gedacht. Warum sollte auch gerade die Göttin der Jagd beim Aufstehen der Seeleute „geschlagen‟ werden? Sie nannten freilich auch die „Morgenwache‟ Diana. Aber die Franzosen selbst haben das Wort wieder aus dem Italienischen. Da heißt diana der Morgenstern, eigentlich Stella diana, der Tagesstern, der das Herrannahen des Tages verkündigt, von dem verloren gegangenen aus dies gebildeten Adjektiv diano. — Unsere treffliche Flottenvereins-Wochenschrift führt trefflich den Titel „Überall‟, weil überall in Deutschland ihr Weckruf zu Gunsten einer „achtunggebietenden Flotte‟, wie man vor fünfzig Jahren sagte, gehört werden soll.

„Über Bord‟ unterscheidet sich sehr wesentlich von „Von Bord‟. Dieses wird gebraucht, wenn jemand oder etwas auf ordnungsmäßige Weise von Bord geht. Man sagt: „Dienstlich oder mit Urlaub oder krank oder bei Außerdienststellung von Bord gehen; das Boot setzt von Bord ab; die Takelage, die Artillerie, das Inventar von Bord geben‟, dagegen: „etwas über Bord (ins Wasser) werfen, der Hut geht (nicht so häufig fliegt) über Bord, der Mann fällt über Bord; Leiche über Bord setzen.‟ Rostocker Chronik: „a. 1566 synt van Denen ond dudsche ock vel tot bleuen, de hefft men auer bort na sebruck geworpen ond en gelt by gebunden, dat se konden begrawen werden, wen se an land quemen.‟

unterfangen wird gebraucht, wenn man etwas irgendwo fest bindet, wo es möglichst wenig im Wege ist und möglichst wenig Platz einnimmt, namentlich wenn man etwas an der Decke irgend eines Raumes fest bindet, so daß es da hängt ohne den Raum seiner eigentlichen Bestimmung zu entziehen. Das Wort wird unterfangen betont, es ist nicht in dem ethischen Sinne, indem man sagt „ich habe mich unterfangen‟ d. h. „ich habe es gewagt‟, gebraucht, sondern in dem rein mechanischen des Befestigens. Wenn fangen mit paça, das im Sanscrit Strick heißt, und mit pax, der Friede, das eigentlich „Befestigung‟ bedeutet, verwandt ist, so gebraucht es in der Verbindung „unterfangen‟ die Seemannssprache in seiner urspünglichsten Bedeutung: „etwas (unter Deck, unter der Decke) befestigen, festbinden.‟

Über Stag gehen s. Stag.

unklar s. klar.

unterschlagen mit dem Ton auf unter, heißt das Segel aus der Segelkoje holen und mit der dazu gehörigen Rahe verbinden, es an der Rahe befestigen. Das Gegenteil davon heißt Segel abschlagen. Segel unterschlagen und abschlagen unterscheidet sich also sehr wesentlich von Segel setzen und Segel bergen. Segel setzen heißt die untergeschlagenen Segel ausspannen, Segel bergen die ausgespannten Segel wieder einziehen, zusammenfalten und festbinden, aber untergeschlagen lassen, so daß sie jederzeit leicht wieder gesetzt werden können. — Die eigentliche Bedeutung von schlagen ist: „eine Bewegung zu etwas hin machen. —

unsichtig s. sichtig.

Unterwindluftzuführung s. Windsack.

unter Land sagt man für „im Schutze des Landes‟. Ein Schiff befindet sich unter Land, wenn zwischen ihm und dem Winde Land liegt, das ihm den Wind abhält oder doch abschwächt, also wenn es sich an einer Luvküste befindet. Es ist also bei dieser Redensart zu ergänzen: „unter (dem Schutze von) Land.‟

V.