Vorsteven, s. Steven.

Vortop, der, müßte nach dem Muster von Großtop und Kreuztop eigentlich Focktop heißen, aber einmal liegt dieses Wort dem Seemann nicht mundgerecht und sodann gehört auch das ganze Vorgeschirr des Bugspriets dazu: Stagsegel, Klüver, Jager und alles was damit zusammenhängt, insofern, nämlich der Offizier der bei Segelmanövern den Fockmast unter sich hat auch dieses alles beaufsichtigt und von Leuten der Fockmastdivision bedienen läßt.

W.

Wache, die. Unter Wache versteht man an Bord einmal die Tätigkeit des Wachegehens, sodann die Zeit die gewacht wird und endlich die Gesamtheit derer, die auf Wache sind. — „Ich habe die Wache,‟ sagt der Offizier, den man Offizier der Wache nennt. Offizier der Wache ist aber nicht gleichbedeutend mit Wachoffizier. Es kann einer Wachoffizier und Offizier der Wache zugleich sein; er kann aber auch Wachoffizier sein und braucht doch nicht gerade Offizier der Wache zu sein. Es kann auch einer Offizier der Wache sein, ohne daß er Wachoffizier ist, z. B. der Navigationsoffizier, wenn er den wachhabenden Offizier zum Frühstück verfängt. Unter den Offizieren eines Schiffes sind nämlich immer einige, in der Regel vier, mit der Bestimmung, die Wachen zu gehen, an Bord kommandiert; sie heißen Wachoffiziere, wie es auch einen Navigationsoffizier, einen Batterieoffizier, einen Kadettenoffizier, einen Flaggleutnant, einen Adjutanten gibt. Die Wachoffiziere gehen unter sich abwechselnd in der Regel in vier Wachen, d. h. in vier Zeiträumen von je vier Stunden. — „Ich bin auf Wache,‟ sagen die Matrosen, Schiffsjungen, Heizer etc. Die Mannschaft geht in zwei Wachen, oder „Wache um Wache,‟ oder „vier auf, vier ab‟. Es ist also immer die eine Hälfte der Besatzung für den notwendigen Schiffsdienst zur Stelle; (s. aber Quartier der Wache.) Die eine heißt Steuerbordwache, die andere Backbordwache, mit entsprechenden Wachabzeichen auf der rechten oder linken Schulter. Damit nun nicht jede Wache jeden neuen Tag immer wieder dieselben Stunden auf Wache komme, so wird die Wache von 4 h bis 8 h p. m. von beiden Wachen in zwei Hälften gegangen; sie führt zuweilen den Namen Plattfußwache, auch bloß „der Plattfuß‟; manchmal heißt auch der zweite Teil, von 6 h bezw. 6 h 30 bis 8 h so. Irgend ein Scherz mag dieser scherzhaften Bezeichnung zu Grunde liegen; sie wird in der Marine nicht angewandt und überhaupt nur selten mehr gehört. Über die Nachtwache s. Hundewache. — Nur in See geht man vierstündige Wache; im Hafen wechselt es Tag um Tag, das nennt man „Hafenwache gehen.‟ Sonst heißt Hafenwache auch noch die Hafenpolizeiwache, bezw. eine Hafenpolizeipatrouille. S. auch Quartier.

Wachtmeister, der, war ursprünglich der Unteroffizier, der die Wache beaufsichtigte, jetzt ist er bei der Marine der Mann im Range eines Feldwebels, der die Polizei ausübt, also der Profoß, der Rumormeister. Zu den Zeiten Leonhart Fronspergers, als der Soldat, der Dienste zur See nahm, sich sein Weib oder Kebsweib mit an Bord nahm, war über die Weiber und Kinder ein eigener Weibel gesetzt, der strenge Ordnung halten mußte und nicht zu säuberlich mit seinen Pflegebefohlenen umging. Er führte den schönen Namen Hurenwaibel. (1565) Wachtmeister ist begrifflich genau dasselbe wie Quartiermeister.

Wägerung, die, auch Garnierung genannt, ist die innere Bekleidung der Außenwand eines Schiffes. Die Bretter oder Platten die von außen an den Querspanten befestigt werden, bilden die Außenbordwand; die Bretter oder Platten aus Holz, Eisen oder Stahl, die an der Innenseite dieser Spanten befestigt werden, bilden die Wägerung, auch Wegerung. Ostfriesisch heißt wage die Wand, altfriesisch wag, westfriesisch weage, saterländisch wage, wangerländisch woch; angelsächsisch vag, altenglisch wag, altnordisch veggo, norwegisch vegg, schwedisch vagg, dänisch vaeg. Von wägen, ein Gewicht bestimmen, dann auch ein Maß, eine Gestalt bestimmen, einen Raum bestimmen, was durch die ihn umgebenden Wände geschieht, wie dann überhaupt die Wägerung in ihrem Verlaufe die Gestalt des Schiffes angibt.

Wall, der, bedeutet in der Seemannssprache nicht sowohl das was man etwa einen Festungswall nennt, der Begriff ist bedeutend erweitert, so daß Wall überhaupt für Küste oder Land gebraucht wird. Niederländische und auch ostfriesische Matrosen sagen: „Aan den wall gaan‟ für „an Land, auf Urlaub gehen.‟ Im Angelsächsischen heißt sae-veall auch weiter nichts als Küste. Und doch muß das Wort ursprünglich eine irgendwie von Menschenhand zum Gebrauch des Seemanns geeignet gemachte Küste bedeutet haben. Auch wenn es vom lateinischen vallum durch sehr frühzeitige Entlehnung kommen sollte, so ist doch Menschenhand mit im Spiele. Und zwar — vergl. Kaje — bediente sie sich dabei des Holzes zur Herstellung einer — natürlich noch sehr ursprünglichen und einfachen — Art von Bollwerk. Nun fehlt zwar im Althochdeutschen das Wort wal, wie Kluge sagt, zufällig, aber wir haben doch glücklicherweise im Gotischen ein Wort das uns zu Hilfe kommt: valus, das zwar nur Stock, Rute bedeutet, aber uns grade deswegen darauf hinweist, daß Wall ebenso wie Kaje erst eine Art Zaun aus Stöcken oder Pfählen gewesen ist und sich dann im Laufe der Zeiten zu Weiterem ausgewachsen hat. Um dieses gotischen valus willen möchte ich die von Kluge für sehr unwahrscheinlich gehaltene Urverwandtschaft mit dem lateinischen vallum doch nicht so weit wegwerfen, also Wall nicht für ein lateinisches Lehnwort halten. — Niederdeutsch auch Wal, „Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟ 1673: „Ok kan men de Compassen proberen, wen men erst uth ein Gat, offt langest de Wal, edder sünst vom ein Land na dat ander segelt, vornehmlick dar weinig Strom gaet. Wen men den na dat Compaß, und nicht na dat Oge offt Land so hen stüret, und men den wol achting up sinn Korß gifft, wor men mit solken Korß vor falt, so kan men sik den desto beter darna richten, offt de Compassen Ostlick offt Westlick vant Norden wiken.‟

Wallgang, der. Zu den Einrichtungen, die die Seiten eines geschützten Schiffes schützen sollen, gehören auch die Wallgänge, das sind wasserdichte Räume an der Bordwand, „die durch senkrecht stehende Längsschotten, die sogenannten Wallgangsschotten, gebildet werden. Das innerste Wallgangsschott ist im Allgemeinen in solcher Entfernung von der Bordwand angeordnet, daß der Sporn eines rammenden Schiffes es unter gewöhnlichen Umständen nicht mehr verletzen kann. Die Wallgänge und der Doppelboden sollen das Schiff auch gegen die Gefahren von Explosionen schützen, die sich in der Nähe der Außenhaut vollziehen.‟ Dick und Kretschmer I. 559. Der Ausdruck Wallgang ist der Festungsbaukunst entnommen: „Gang hinter dem Wall‟, wobei der Panzer die Stelle des Walles vertreten muß.

Wake, die, ist eine offene Stelle im Eise, die entweder in Folge natürlicher Ursachen überhaupt nicht zugefroren war, oder aber künstlich ins Eis geschlagen ist für Zwecke des Fischfanges etc. Das Letztere, also das künstlich aufgehauene Eis ist auch für die Schiffahrt von Bedeutung, wie schon aus der Lübecker Chronik erhellt: „De hovetman .. leth in der nacht umb de (im Eise liegenden) schepe grote waken howen unde de issschulveren leth he under drucken.‟ Niederländisch wak, Nebenform von wek, weich, und dieses vom Präteritum wek von wiken, weichen, also eine Stelle die „weich‟ ist, weichend, die „nach‟ gibt, keinen Widerstand leistet.

Walrückendeckschiff, das, s. Schiff. — Der Walfisch ist übrigens ein besonderer Freund des Seemanns wegen seiner munteren, beweglichen, scherzhaften Art. Er ist ein „Herumtreiber‟ und hat davon auch den Namen, dem das gotische walwian zu Grunde liegt, altfriesisch walen, niederdeutsch walen = wälzen, unbeständig sich hin und her bewegen. Das Wort hat eine sehr große Verwandtschaft, zu der auch das Wort Walze = Wanderschaft im Munde unserer Handwerksburschen gehört.