Wanholz, das, oder wankantiges Holz ist das Holz so wie es gewachsen ist, das noch erst vierkantig gesägt werden muß, ehe es zum Schiffbau Verwendung finden kann. „Die erste Diele, welche an jeder Seite abgesägt wird und die an einer Seiten einen Rücken hat wird das Schillstück oder Schellstück (Schalenstück) genannt, die zweyte, welche an beyden Seiten platt aber schiefe Kanten hat, die Schelldiele und die dritte, welche ebenfalls noch schiefe Kanten hat die Wandiele.‟ (Röding). Die Bedeutung geht auf Abfall, Abnahme, Verminderung zurück, althochdeutsch wanon, vermindern, angelsächsisch vanjan, altenglisch wanjen, englisch wane abnehmen, daher wane of the moon. Das letzte Viertel des Mondes, in welchem Sinne wan auch im Mittelniederdeutschen gebraucht worden ist, wo überhaupt wan sehr häufig vorkommt für „nicht voll‟, mangelnd, fehlend, gebrechend, mangelhaft, fehlerhaft; ja aus dem Begriffe „nicht voll‟ ist sogar der von „leer‟ entstanden. Man vergleiche: wanback, ein schwächlicher Mensch der keinen breiten Rücken (back) hat, wanbar, wandicht, wanfett, wangar, wanklör, wanlustig, wanrad, wanrip, wanstaltig, wansturig, wantide, eine wenig bemerkbare Flut und Ebbe, wantiedig u. s. w.
Want, das, auch Wand, ist die Stütze des Mastes oder der Stänge nach der Seite zu, bewirkt durch starke Taue, Want- oder Hofdtaue (Haupttaue), die um den Kopf des Mastes oder der Stänge gelegt und an der Seite des Schiffes, der Rüst, oder an der Seite des Marses befestigt sind; sie müssen eisern stehen und gehören daher zum stehenden Gut. — Ein Blick auf ein Segelschiff zeigt uns, daß die Wanten zu beiden Seiten des Untermastes nichts weiter sind als stützende Seitenwände, und es gehörte auch kein allzu kühner Gedankensprung dazu, den Namen der Stütze eines Hauses auch hier anzuwenden, zumal wenn man sich die Entstehung der ersten Wände aus Holz und Holzgeflecht (Staken) vergegenwärtigt. Dagegen muß man allerdings die im Binnenlande so weit verbreitete Meinung bei Seite lassen als habe das Want den Zweck einer Strickleiter. Das ist etwas ganz Nebensächliches. Nebensächlich ist auch, daß die Hofdtaue der Wanten unter einander mit Weveleine verbünden, „ausgewebt‟ sind (wodurch die Sprossen der Strickleiter entstehen). Man kann daher auch nicht, wie es Breusing wollte, Müllenhoff aber schon für unmöglich erklärte, wegen dieses „Webens‟ Want mit Want = Tuch, Leinewand gleich setzen. Die Sache ist vielmehr ganz einfach: Wie die Wand das Haus stützt, so stützt das Want den Mast. Der Wechsel des Geschlechtes kann im Niederdeutschen nicht befremden, zumal es noch ein Neutrum want gibt, das Fischereigerätschaft heißt und von Einfluß gewesen sein kann. — Doch sind Breusing und Müllenhoff mit ihren scheinbar so weit auseinander gehenden Erklärungen in Wirklichkeit einander ziemlich nahe, denn Wand = Hauswand und Want = Leinewand und viele andere deutsche Wörter kommen zuletzt doch auf eine und dieselbe Grundbedeutung und auch auf dieselbe Wurzel hinaus mit der Bedeutung wenden, winden. Die Sippe ist so groß, daß sie hier nicht weiter in den Bereich der Betrachtung gezogen werden kann.
Warlblock, der. Wart ist eine Kontraktion von warvel = Wirbel, bedeutet also eine Vorrichtung, die sich dreht. Warlblock ist ein Block dessen Haken drehbar ist, wodurch dann auch der ganze Block drehbar wird, was unter Umständen wünschenswert sein kann, z. B. bei neuem, sich leicht noch verdrehendem Tauwerk. Warl stammt von althochdeutschen hwerban ab, ist also mit Werft verwandt.
Warpanker, der. Soll ein Schiff verholt werden ohne daß Bojen, Ducdalben, Poller oder dergl. in der Nähe sind, an die man eine Troß verfahren könnte, so muß man sich mit einem Anker helfen, indem man ihn ausfährt an die Stelle wo man hin will und sich dann mittelst der Ankerkette dahin aufwindet. Dieses Winden heißt warfen oder warpen, althochdeutsch hwerban (vergl. Warlblock und Werft) sich bewegen, sich wenden, sich drehen. Der gute alte Röding hat sich von Breusing müssen zurechtweisen lassen, daß er Warpanker mit Wurfanker wiedergegeben hat, da er doch mit Werfen nichts zu tun habe. Letzteres ist nicht ganz richtig, denn geworfen wird der Warpanker auch, wie jeder andere Anker; es ist ja die Bestimmung des Ankers, geworfen zu werden. Aber in der Sache selbst hat Breusing Recht, auch darin, daß er vor den Rödingschen Übersetzungen ins Hochdeutsche warnt. Röding war eben kein Seemann. Daß aber auch seebefahrene Leute seemännische Wörter durch schiefe Übersetzung ins Deutsche recht verdunkeln können, sieht man an Bobrik. Von ihm bemerkt Ehrentraut, Friesisches Archiv II. 65 daß er plicht mit Pflicht wiedergegeben habe und sagt dazu: „Wohl mit Recht ist an diesem Buche (dem nautischen Wörterbuche Leipzig 1850) das Bestreben, die niederdeutschen Ausdrücke zu verhochdeutschen, getadelt worden.‟
warschauen ist ein an Bord sehr häufig gehörtes, echt seemännisches Wort mit der Bedeutung: jemandem zurufen, daß er sich in Acht nehmen soll vor einer drohenden Gefahr, jemanden erinnern, daß er etwas tun soll, jemanden benachrichtigen, daß für ihn etwas an der Zeit ist, jemandem mitteilen, daß etwas worauf er gewartet hat nun so weit ist. — Das Wort war im Mittelniederdeutschen in häufigem Gebrauch. Livländische Urkunde von 1410: „Darum so willet juwe schipheren unde Koplüde war schuwen, wo dat se segelen.‟ Auch nichtseemännisch, ostfriesische Urkunde von 1413: „Ende waerschuwen ju ende alle gade lude, dat sie sick huden voer dezen eerlosen, treulozen, meynedighen man.‟ Es trat damals noch die Bedeutung mehr hervor die das Wort heute noch in erster Linie im Niederländischen hat, waarschuwen = warnen. So auch negativ, Hamburger Chronik: „Darna is graue Christoffer in Zelant angekamen vngewarschuwet vnde heft dat land gebrantscattet‟, d. h. ohne gewarnt zu haben. — Ostfriesisch warschoen, warschoun; saterländisch warsgauje, auf Wangerooge warschaun, nordfriesisch warskauin. — Der erste Teil des zusammengesetzten Wortes war ist dasselbe wie unser wahr = sicher, gewiß, richtig, wirklich, zuverlässig, aber mit der Nebenbedeutung „gewahr‟, sichtig, inne, kundig; ostfriesisch: „Ik kan 't net war worden wo 't is‟ ich kann es nicht erfahren, nicht gewahr werden. — Der zweite Teil — schuwen — heißt scheuen und scheu machen, scheuchen; warschauen also wörtlich: „jemanden aufscheuchen, daß er einer Sache gewahr wird.‟ — In dem aus dem Jahre 1673 stammenden höchst seltenen Buche: „Beschriving van der Kunst der Seefahrt, darin durch gewisse Grund-Regulen wert angewiset, wo men en Schip aver See, von dem einen Platse tho dem andern bringen sal, Allen jungen und unerfahrenen See-Lüden tho denst und sünderlicken Nutzen thosamen gebracht und in der Neddersaxschen Sprack beschreven dorch P. V. D. H. Leffhebber der Navigatie. Lübeck, Gedrückt by Seel. Schmalhertzens Erven 1673. Dise Bocken werden von dem Autor mit egender Hand undergeschreven, den Koper thor Naricht, up dat he von den Nadrückers de licht ein Faut hirin begahn möchten nicht achtergahn werde. Werdt verköfft neffens der Herings-Caje in de sphera mundi in Lübeck by‟ ... nennt der Verfasser das was wir jetzt Vorrede nennen würden „Warschuving an den Leser.‟ Und in dieser Warschuving heißt es wieder: „Ok wen jemand einige Engelsche Gaten wold ein offt uth segelen und einen Engelschen Lotz an Bord hefft, de mag den Lotz wol warschuwen, dat de düdsche Compassen mit den Engelschen ein halven Streck verschelen, up dat durch de Pegeling und Korsch nen Fauten begahn werden.‟
Wäschejolle, die, ist eine Verbindung von Tauen die geschoren wird wenn Zeug- und Hängemattswäsche war. Sind die Wäschestücke rein, so werden sie mit Nitseln an dem Tau festgebunden das in der Richtung von vorn nach hinten in gewisse Höhe mittelst der Jolltaue aufgehißt wird; dann hängt die Wäsche hoch oben, manchmal in verschiedenen Reihen über einander, luftig und frei im Winde zum Trocknen.
Wasserhose, die, ist eine Wettersäule auf See, eine Trombe, ein Dreh- oder Wirbelsturm von sehr geringem Durchmesser. Durch eine eigentümliche drückende und saugende Bewegung veranlaßt er auf dem Lande einen Luft oder Sandwirbel (Windhose, Sandhose), auf See aber einen Wasserwirbel den man Wasser- oder Seehose nennt. (Seehose ist übrigens auch eine wirkliche Hose, nämlich eine, die der Seemann sich nur auf See anzieht um sie „aufzutragen‟, während die „Landhose‟ nur angezogen wird, wenn er sich fein macht und „an den Wall‟ geht.) Das Merkwürdige bei der Wasserhose ist, daß der Bewegung von unten eine Bewegung von oben her entspricht, daß mit ihr sich ein aus den Wolken sich herabsenkender „rotierender Dunstkegel zu einer schlauchartigen fortschreitenden Säule‟ vereinigt. Von dieser schlauchartigen Gestalt ist der Name Hose gewählt, der zuerst in diesem Sinne, nach Kluge bei Stieler 1695 gebucht ist. — In den Begriff Hose ist Verwirrung gekommen durch das Abschneiden der früher mit der Hose ein Stück bildenden Strümpfe; nun nennen im germanischen Sprachgebiet die einen das obere Stück Hose und die andern das untere, das diejenigen die das obere Hose nennen wegen des Abgeschnittenseins Strumpf (Stumpf) heißen. Diese Verwirrung mag mit dazu beigetragen haben das Wort überhaupt als minderwertig in Mißkredit zu bringen.
Wasser machen. Wenn ein Schiff leck ist, so daß durch das Leck Wasser ins Schiff läuft, oder wenn sich sonst aus irgend einem Grunde Wasser im Schiffe ansammelt, so sagt man: es macht Wasser; es macht so und so viele Zentimeter Wasser in einer Stunde, heißt also: es läßt so und so viel Zentimeter Wasser in einer Stunde durch undichte Nähte, durch eine undichte Stelle u. s. w. ein. Danach richtet sich dann das Pumpen. Französisch faire eau.
Wassergang, der, ist eine rings um das Deck eines Schiffes an der Bordwand entlang laufende Wasserrinne die das an Deck kommende Wasser sammelt und durch die Speigaten ableitet. Röding: „Die Bugt der Verdecke macht daß das Wasser nach den beiden Seiten derselben abläuft, wohin man denn ein Stück legt, welches die äußere Deckplanke gegen Bord an und den Anfang der Weger zugleich bildet. Dieses Stück läuft innen rund herum um das ganze Schiff und heißt der Wassergang.‟ Die äußerste Deckplanke für sich als solche heißt Leibholz, sie ist so gestaltet, daß sie eine starke Verbindung bildet.
Wasserlast s. Last.