Wasserschot s. Schot.

Wasserstag s. Stag.

Wasserschaut, der, ist ein Aufsichtsbeamter der Hafenpolizei, besonders für das Heuerwesen; „un officier chargé de surveiller les engagements des matelots‟. In seiner halb hochdeutschen Gestalt sieht das Wort sonderbar aus, es wäre schon besser man hätte es bei dem guten alten waterschout gelassen. Schout by nacht heißt im Niederländischen der Kontre-Admiral; schout für sich allein der Schulze, Gemeindevorsteher. Es liegt in schout überhaupt der Begriff Beamter, Richter, Amtmann, Hauptmann, Aufseher, ursprünglich Steuerempfänger oder vielmehr Steuereinforderer, denn das ganze Wort hieß mittelniederländisch (Kilian) schoutheet, schoutheyt, schoud-heescher, schout-heys: „praetor, quod jus debiti petat sive exigat,‟ also Schultheiß, der Beamte der die Schuld, die Steuer heischt oder heißt, d. i. sie zu bezahlen befiehlt, sie einfordert, einzieht. Aus Schultheiß ist Schultze verkürzt, der Familienname Schultze ist also mit einem tz älter und ehrwürdiger. — Wollte man das waterschout verdeutschen, so hätte man nicht auf halbem Wege stehn bleiben dürfen, sondern Wasserschulze sagen müssen.

Watt, das, ist ein seichtes, bei Flut überschwemmtes, bei Ebbe trocken fallendes Gebiet an der Meeresküste, zwischen Inseln, vor Flußmündungen, in Buchten und Busen. Es bedeutet eine Stelle wo man (zu Zeiten, wenn auch mit Anstrengung) gehen kann, oder vielmehr waten. Im Gotischen hieß vato, Mehrzahl vatna, Wasser; davon das althochdeutsche watan im Wasser vorwärts dringen, gehen, schreiten; altsächsisch vadan, altnordisch vadha, durchs Wasser schreiten, also unser neuhochdeutsches waten. Die germanische Wurzel wad „im Wasser schreiten‟ deckt sich mit dem urverwandten lateinischen vadere, wozu vadum, die Furt, italienisch guado und vado, spanisch vado = seichte Stelle im Wasser. Die Bedeutung „Furt‟ trifft auch heute noch zu und ist für Watt besonders bezeichnend, da solch ein Watt zur Zeit der Ebbe mit Wagen befahren werden kann. Auf diese Weise verkehren die ostfriesischen Inseln auch ohne Schiffe mit dem Festlande.

Webeleine, die. Wenn man sich das Want als Strickleiter denkt, so sind, die Webeleinen die Sprossen; gewöhnlich Weveleinen genannt. Weben, niederdeutsch weven heißt eigentlich bewegen und wird von Luther in diesem Sinne gleich leben gebraucht, „du machest fröhlich alles was da webet.‟ Besonders ist bei „weben‟ an das „hin- und her-bewegen‟ wie es beim Weben mit dem Weberschifflein geschieht, gedacht. Man nennt auch die Tätigkeit des Anbringens der Webeleinen zwischen den Hofdtauen das „Ausweben der Wanten‟. — Die zu Grunde liegende Wurzel va, wa hat eine ganz besonders zahlreiche Nachkommenschaft, auch unter den Seemannswörtern, es liegt aber allen Vettern der großen Sippe der eine Begriff zu Grunde: bewegen.

Werft, die. Die etymologische Untersuchung dieses so wichtigen Seemannswortes wird dadurch etwas erschwert, daß sich immer wieder ein Wort dazwischen drängt, das mit Werft gar nichts zu tun hat, aber ähnlich lautet: Warf. Das haben wir von Werft gänzlich zu trennen, wiewohl auch das Wort Schiffswarf vorkommt, weil es eben leicht möglich ist, daß eine Werft auf einer Warf angelegt wird. Warf nämlich, auch Warv, Warp, ja sogar Werf, kommt von werfen und bedeutet eine Anhöhe die nicht natürlich gewachsen, sondern künstlich aufgeworfen ist. So heißt in Nordwestdeutschland eine künstliche Anhöhe, auf der eine, (Wind-) Mühle steht Mühlenwarf, — Werft aber kommt von einem Zeitwort das gotisch hvairban, althochdeutsch, hwerban, werban, wervan, altsächsisch huerbhan, altenglisch hwerfen, nordfriesisch werwan, altfriesisch werva, in der Edda hverfa, heutzutage werben heißt. Das bedeutet ursprünglich sich drehen (woher Wirbel, wirbeln, Wirbelwind), sich hin und her bewegen, sich um jemanden herum etwas zu schaffen machen, (der Werber der mit dem Kalbfell im Lande umherzog). Dieses Werben hat also ursprünglich denselben Sinn wie das lateinische volvere, von welchem der Name der bekannten schneckenförmig in sich selbst zurückkehrenden jonischen Kapitälverzierung Voluta kommt und das spanische vuelta, „dar una vuelta‟, einen Spaziergang machen, „vuelta abajo‟. — Hernach hat sich der Sinn von werben erweitert: sich umtun, sich bemühen, tätig sein, etwas betreiben, ausrichten. Daher Gewerbe. Gewerbe und Handel sind nahe verwandt. Denkt man an diese Verwandtschaft, so begreift man die so häufig vorkommende Verbindung Handel und Wandel. Der erste Handel geschah im Wandeln, im Wandern, bestand im Werben, im Hin- und Hergehen bei den Kunden von Haus zu Haus (hausieren). Das mittelniederdeutsche werf: Wendung, Windung, Drehung, Umdrehung, Bewegung, Geschäft, Industrie, Gewerbefleiß, Betriebsamkeit. — Demgemäß bedeutet Werft genau dasselbe wie Arsenal. Denn dieses ist aus dem arabischen dar-çanah, Haus der Betriebsamkeit, Haus wo etwas gemacht, gefertigt, gebaut wird, gebildet. — Das alte mittelniederdeutsche Wörterbuch Teuthonista faßt sich kurz: „Werff längs eyn Water.‟ Kilianus, etwas später, gebraucht werf allein nur für Tätigkeit, Gewerbe, Handlung, in der Zusammensetzung spricht er aber von schip-werf, so daß damals also werf für sich allein diese Bedeutung noch nicht hatte, Dafür hat er aber ein anderes Wort, das im Mittelniederdeutschen von Wichtigkeit war und allgemein, eben weil werf noch Gewerbe bedeutete, für Schiffswerft gebraucht wurde, nämlich Lastagie, auch als Lastadie im Gebrauch und in dieser Form heute noch in deutschen Seestädten als Strassen- und Platzname üblich. Das Nähere unter Lastadie.

Welle, die.

1. die bekannte, wälzende, wogende, flutende, rauschende Bewegungsform des Wassers.

2. die Schraubenwelle, die lange Achse, die die Verbindung der Schiffsdampfmaschine mit der Schraube herstellt.

Beide Wörter haben mit Welle = Reisigbündel, mit Walze, Walzer, Walfisch, wallen und vielen andern ein und denselben Ursprung, von der indogermanischen Wurzel wel, drehen, walzen; althochdeutsch wellan (lateinisch volvere), angelsächsisch weallan, wellen, wogen, weallian umherstreifen. Eine Welle ist also etwas, das sich wälzt (1) oder sich dreht (2). Natürlich ist die Bewegung einer Meereswelle nicht nur eine Bewegung um die eigene Achse, so daß die einzelne Welle immer an derselben Stelle bliebe, sie bewegt sich auch nebenbei noch weiter vorwärts (oder rückwärts), je nach Gewalt und Richtung der bewegenden Kraft. Man vergleicht eine Welle am besten mit der auch sprachlich verwandten Walze, die sich sowohl um ihre eigene Achse als auch vorwärts oder rückwärts bewegt. — Wellenberg ist der über den gewöhnlichen Wasserspiegel erhabene Teil einer Welle, Wellenthal der unter demselben befindliche. Die Spitze eines Wellenberges heißt Wellengipfel, fortgesetzt gedacht: Wellenkamm. — Ein Wellenbrecher ist ein Steindamm oder dergleichen vor einem Hafeneingang, wie z. B. das Breakwater vor Plymouth, mit dem Zweck, den Schiffen im Hafen ein ruhigeres Liegen zu verschaffen. Neuerdings giebt es auch auf den Panzern Wellenbrecher; sie bilden bei niedrigem Vorderteil eine Art Schanzkleid auf der Back, das Überbrechen der Wellen zu verhüten.