| Windstärke | O: | Stille. |
| " | 1: | Leiser Zug, sodaß das Schiff eben steuerfähig ist. |
| " | 2: | Leicht. Ein Schiff unter allen Segeln voll und bei macht 1-2 Knoten. |
| " | 3: | Schwach. Ein Schiff unter allen Segeln voll u. bei macht 3-4 Knoten. |
| " | 4: | Mäßig. Ein Schiff unter allen Segeln voll und bei macht 5-6 Knoten. |
| " | 5: | Frisch. Schiff kann noch führen: Oberbramsegel. |
| " | 6: | Stark. Schiff kann noch führen: einfach gereefte Mars- und Bramsegel. |
| " | 7: | Hart. Schiff kann noch führen: doppelt gereefte Marssegel, Klüver. |
| " | 8: | Stürmisch. Schiff kann noch führen: dreifach gereefte Marssegel. |
| " | 9: | Sturm. Schiff k. n. führen: dicht ger. Marssegel. |
| " | 10: | Starker Sturm. Schiff kann noch führen: dicht gereeftes Großmarssegel und gereefte Fock. |
| " | 11: | Harter Sturm. Alle Segel fest bis auf die Sturmsegel. |
| " | 12: | Orkan. Kein Segel hält mehr Stand. |
Im Zeitalter des Dampfes hat sich das Bedürfnis nach einer anderen Skala herausgestellt. Dem kommt Börgen entgegen, indem er die Windgeschwindigkeiten in Metern pro Stunde berechnet. Nach der Börgen'schen Reduktionsformel ist
| Windstärke | O | eine Geschwindigkeit von | 0,0 m p. Sekunde. |
| " | 1 | " " " | 1,6 m p. Sekunde. |
| " | 2 | " " " | 3,3 m p. Sekunde. |
| " | 3 | " " " | 5,2 m p. Sekunde. |
| " | 4 | " " " | 7,3 m p. Sekunde. |
| " | 5 | " " " | 9,6 m p. Sekunde. |
| " | 6 | " " " | 12,0 m p. Sekunde. |
| " | 7 | " " " | 14,6 m p. Sekunde. |
| " | 8 | " " " | 17,3 m p. Sekunde. |
| " | 9 | " " " | 20,2 m p. Sekunde. |
| " | 1O | " " " | 23,3 m p. Sekunde. |
| " | 11 | " " " | 26,6 m p. Sekunde. |
| " | 12 | " " " | 30,0 m p. Sekunde. |
Worthingtonpumpe, die, s. Pumpe.
Wrack, das, ist ein durch Schiffbruch oder den Zahn der Zeit unbrauchbar gewordenes Schiff. — So sehr das Hochdeutsche von jeher dem Anlaut wr abgeneigt war (vergl. Graff, Althochdeutscher Sprachschatz zu WR) so hat ihn doch das Niederdeutsche und mit ihm die Seemannssprache bis auf den heutigen Tag in einer ganzen Anzahl von Wörtern beibehalten. — Wrack geht zurück auf das gotische vrikan, dessen Stamm vrak ist und das rächen, tadeln, verbannen (angelsächsisch vräc, Verbannung wraeca, ein Verbannter), tadelnd schelten, verfolgen, für nicht gut erklären, ausstoßen bedeutet. Ein Wrack ist also etwas vom Meere Ausgestoßenes das nicht mehr (als Schiff) brauchbar ist, etwas, nämlich zunächst ein Schiff, das durch Schiffbruch in einen solchen Zustand gebracht ist, daß man es „für nicht mehr gut‟ erklären muß; oft heißt daher auch ein einzelnes Stück oder ein Teil von einem Schiffe schon Wrack. Im Altfriesischen hieß wrac beschädigt; verwandt mit dem gothischen vraiqs, krumm, schräg, schief, was gerade sein sollte, nicht nur ein gescheitertes, und dadurch unbrauchbar gewordenes Schiff, sondern überhaupt etwas Schadhaftes. Daher wraken für untauglich erklären, = dem erwähnten gotischen vrikan im Sinne von tadeln; ausschießen, verwerfen. Im Hamburg ist ein Wraker ein Mann, der die Waaren beurteilen und das Untaugliche verwerfen muß. Daher heißt wrack auch etwas das nur einen gewissen Schönheitsfehler hat, und man nennt einen Menschen mit einem etwas verschobenen, schief gezogenen Gesichte wrak-snute; sonst wrak-good, wrak-hering, wrak-kese, wrak-teer u. s. w. Die älteste mir bekannte Stelle wo das Wort vorkommt ist eine Urkunde vom 26. August 1176 (Gedruckt bei Sartorius-Lappenberg, Hansa, II. 8) in der König Heinrich II. von England Lübeck und andere deutsche Städte vom Standrecht befreite: „... volentes etiam, ut si contigerit naves vestras in partibus nostris periclitari et de tali nave periclitata, aliquis homo vivus evaserit et ad terram venerit, omnia bona et catalla (?) in illa navi contenta remaneant, quorum prius fuerunt nec ex eo quod Wreccum dicitur, veris dominis extorqueantur.‟ — Der Verfasser der „Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟, Lübek 1673, berichtet von durchlebtem Sturm in der Nordsee und havariertem Schiffe: „es war auch Winters Tag, hatten auch ein Schiff, welches nicht allein wegen Masten und Segel redlos war, sondern auch wegen fallen der Masten und des Bochsprets zu zerbrochen, und beschädiget, daß es mehr vor ein Wrack den ein Schiff anzusehen war.‟ — Nach Werner: „Schule des Seewesens‟ machen die (Holz-)Schiffbauer einen ausgiebigen Gebrauch von dem Worte Wrack, indem sie minderwertiges Holz noch einmal unterscheiden und dabei von „Wrack‟ und von „Wracks-Wrack‟ sprechen. — Abwracken, ein altes Schiff abbrechen und zu Brennholz machen, s. sloopen. — Zu vergleichen Grimm VIII. 14: „im neueren isländischen wird ein fem. raeki, vindicta aufgeführt (Biörn Haldarson, 2, 220) dem wenigstens älter ein verbum raekja to reject, refuse und ein adj. raekr, rejected, outcast, neben dem verbum reka entsprechen, Vigfusson 506. im subst. wie in dem verbum rächen ist ein alter gemeingermanischer rechtsbegriff beschlossen, das setzen außerhalb der landrechts und die austreibung aus dem lande in folge angriffs auf den landfrieden, eine mildere und nicht entehrende art derjenigen strafe, als deren höchste und zugleich vogelfrei machende stufe die verurteilung zum wargus (Geächteten) angesehen werden muss.‟ — Das mittelniederländische Zeitwort wraecken hatte eine ähnliche Bedeutung, nämlich „vom richtigen Kurs abgebracht werden‟, vergl. Waghenaer, „Spiegel der Zeevaerdt,‟ Amsterdam 1588: ... „so moet ghy somtyts v Lootlyne, met en hout oft anders achter vt laten gaen, ende setten v Compasse achter om hooghe, ende sien by de linie lancz wat v Schip wraeckt oft van den golffnen af gheworpen wert, op dat ghy gheen quade ghissinge en maeckt‟ ...
Wrange, die, bedeutete ursprünglich nur ein schiefes, schräges, umgebogenes Stück Holz beim Schiffbau und ward früher als Spiegelwrange für den schiefen Verband zwischen Steven und Randsomhölzern und als Bodenwrange oder Flurwrange für den Lieger oder das Bauchstück zunächst am Kiel gebraucht. Jetzt, im Eisenschiffbau ist Spiegelwrange ganz weggefallen, über Bodenwrangen aber schreiben Dick und Kretzschmer I 83: „Der Kiel ist der unterste Teil des Schiffes, gewissermaßen seine Grundlage; auf ihm stehen die Querspanten oder Rippen, welche die Schiffsform bilden und die aus einer Verbindung von Stahl- oder Eisenplatten mit Façonstahl oder -Eisen bestehen. Ihre im Boden liegenden querschiffs angeordneten Plattenteile nennt man Bodenwrangen, auch Bauchstücke.‟ Der Name Wrange ist also geblieben. Bei Aubin 1702 heißen die Wrangen varangues; man sieht auf den ersten Blick daß auch dieses Wort, wie so viele andere der Seemannssprache, die Franzosen von uns entliehen haben; fürs Niederländische giebt der Genannte: Buikstukken, Leggers, vloer-wrangens, vloer-houten, Wrangens op de Kiel an. — Im Ostfriesischen ist wrange oder wranger — vergl. das hochdeutsche Range — ein „verdrehter‟ Mensch, Quäl- und Plagegeist, querköpfiger Mensch; wrang aber heißt zusammenziehend, niederländisch wrang, mittelniederländisch wrangh. Es kommt mit dem englischen wrong, wrang, verdreht, verkehrt, schief, krumm, töricht, schlecht, schlimm, unrecht, ungerecht, von wringen, Präteritum wrang, sich drehend und windend bewegen z. B. nasse Wäsche auswringen; meist mit der Nebenbedeutung daß das Drehen mit Drang und Druck geschieht. Diese hat Bodenwrange freilich nicht, aber der Begriff Drehung, Biegung hat hier den Ausschlag gegeben.
Wreifholz, das, ein Holz das an einem Tau außenbords gehängt wird wenn das Schiff sich nicht an der Mole oder einem Bollwerk reiben soll, also eine Art Fender. — Auch ein halb verhochdeutschtes Wort, das entweder niederdeutsch wrifholz oder dann ganz hochdeutsch Reibholz heißen müßte. Wrifen heißt reiben; niederländisch wryven, mittelniederdeutsch wriven. Dazu, wie mir eine befreundete Hand schreibt, deren Wiege in Pommern gestanden hat, wribbeln als Iterativum von wrifen, etwas zwischen den Fingern (zer-) reiben.
wricken, ein Boot fortbewegen mit nur einem Riemen durch ein eigentümliches Hin- und Herdrehen des an einem Einschnitt am Heck sich bewegenden Riemens. — Nach Schade hat das unter Wrack erwähnte gothische vrikan folgende Bedeutungen: drängen, drücken, pressen, drängend bewegen und wenden, drehen, abdrehen, ausdrehen; vorwärts drängen, treiben, eifrig betreiben; fortdrängen, wegdrängen, drängend beseitigen, verstoßen, verfolgen, strafen, abwenden, ausdrehen; ostfriesisch heißt wricken etwas mit Nachdruck hin und her bewegen. Das eben ist die Tätigkeit, die beim Wricken eines Bootes ausgeübt wird. Dadurch bewegt es sich zwar etwas hin und her, aber das gleicht sich mit jeder Drehung des Riemens wieder aus, so daß das Boot doch seinen graden Kurs auf sein Ziel zu beibehält, wenn auch wrick-wrack wackelig bedeutet, wie in dem mittelniederdeutschen Verse bei Schiller und Lübben: „Darmit gink hei den wrick den wrack, na Bremen leit he gliden.‟
Wuling, die, ist eine starke Befestigung zweier Gegenstände miteinander durch Umlegen eines (alten, sich nicht mehr reckenden) Taues, das mehrere Gänge nebeneinander wie Schraubengänge gelegt wird; das nennt man wulen oder bewulen. Dadurch entsteht an der Stelle nicht nur eine Verstärkung, sondern auch eine Verdickung und es ist daher für die Ableitung an unser hochdeutsches Wort Wulst zu denken. Wie Geschwulst von schwellen, so kommt Wulst von wellen, althochdeutsch wellan = drehen, wälzen, rollen, lateinisch volvere, von einer Wurzel val = winden, drehen, wälzen, wickeln, umbinden, festbinden. Mittelniederdeutsch wolen. In der Chronik des Lübecker Dominikaners Hermann Korner (Handschrift aus dem 15. Jahrhundert in Wien) heißt es: „nemen de maste van den olden schepen, de see senken wolden vor dat Reveshol, undde woleden de harde tosamende‟. Die „Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟ 1673 hat „wölen‟: „musten auch (auf stark havariertem Schiffe) daß Vorschiff mit eine Pferde Linie zusammen wölen, sonst wolten die Anckers mit dem Vorschiff fort.‟
wünschen ist ein hie und da gehörtes Seemannswort von eigentümlicher Entstehungsart. Es hat mit unserem sonst üblichen hochdeutschen wünschen = einen Wunsch haben, keine Verwandtschaftsbeziehungen. Es bedeutet vielmehr winden, aufwinden, in die Höhe winden, und ist durch die von Professor Dunger in Dresden gerügte Engländerei ins Deutsche gekommen. Englisch winch = Winde ist Veranlassung zu der Bildung dieses Fremdwortes mit einheimischer Endung geworden; es müßte also „winschen‟ heißen und hat sich ganz ohne Berechtigung an unser gutes altes deutsches wünschen herangedrängt.