Evolutionsbogen, der, verschieden von Drehkreis. Letzteres ist die gleichmäßige Bewegung im Kreise, ehe aber das bis zum Legen des Ruders gradeaus steuernde Schiff unter dem Einfluß des gelegten Ruders in die regelmäßige Drehung eintritt, muß es einen Bogen beschreiben, eine Kurve, die der Evolutionsbogen heißt. Man unterscheidet demgemäß auch einen Evolutionsdurchmesser und einen Drehkreisdurchmesser. Lateinisch evolvo, sich entrollen, aufrollen.

Ewer, der. Name eines kleinen Fluß-, Kanal- oder Wattschiffes, besonders bekannt durch die Hamburger Hafenboote dieses Namens. Doornkaat meint, es sei über die Herkunft des Namens mit irgend welcher Sicherheit nichts zu sagen. Wenn man aber bedenkt, daß in zahlreichen mittelniederdeutschen Urkunden eever, ewar und envare neben und durcheinander gebraucht werden und daß envare in dem Zolltarif der Margarethe von Flandern vom Jahre 1252 erklärt ist als ein „navis, que dicitur envare, que habet remex retro pendens (debet) comiti IV. den,‟ so ist der Gedanke doch sicher nicht zu kühn, daß das Boot ursprünglich von einem Manne gefahren wurde, und zwar mit einem Riemen, der retro pendens war, so daß also das Boot durch Wricken fortbewegt wurde. Einfahrer wäre also die Hochdeutsche Übersetzung. Natürlich ist dabei nicht angenommen, daß das Schiff 1252 noch von einem Manne gefahren wurde, sondern nur, daß es sich — wer weiß wann? — aus solch kleinen Verhältnissen heraus entwickelt habe, ähnlich wie Fregatte sich aus einem Ruderschiff zu einem Dreimaster ausgewachsen hat. — Breusing hatte sich sehr in den Gedanken eingelebt, Ewer sei gleich Eber, wiewohl ihm bekannt war, daß in den beiden Worten zwei ganz verschiedene anlautende e stecken. Und als Müllenhoff das Gewicht seines Ansehens gegen die Gleichstellung in die Wagschale warf, da ließ er freilich den Eber fallen, aber man merkt es dem verdienten Manne doch an, wie schwer es ihm ward. —

Exerziermast, der, ist ein Mast der nicht zu einem Schiffe gehört, sondern am Lande, in der Nähe einer Kaserne angebracht, aber sonst ganz als Schiffsmast getakelt ist, und an dem ungeübte Matrosen, Schiffsjungen etc. etc. ihre Übungen im Entern etc. etc. anstellen. Er hat also ungefähr die Bedeutung eines Turngerätes für angehende Seeleute; auch wohl die eines schönen Spielzeuges für heranwachsende Knaben.

F.

Faden, der, dasselbe wie Klafter, ein Maß von 5-6 Fuß; bedeutet, ebenfalls wie Klafter, ursprünglich Umarmung mit beiden ausgestreckten Armen. Beide Wörter sind als Maß ähnlich gebildet wie Elle von (Ellenbogen) Elbogen. Besonders bedeutet Faden eine Schnur, eine Faser zu einem „Faden‟ gedreht, die so lang ist, daß sie von der Hand des einen ausgestreckten Armes zu der Hand des anderen ausgestreckten Armes reicht. Noch im 17. Jahrhundert fadem, englisch fathom, in deutschen Mundarten Fadem. Althochdeutsch fadam, beide ausgestreckten Arme, angelsächsisch fädm, die umspannenden Arme, Umarmung, daher Macht, Schutz, Busen, Schooß. Edda: fadmr, die ausgebreiteten Arme; gotisch fahan, fangen, umfangen; griechisch petannymi, ausbreiten. Vom lateinischen patere, offen stehen, sagt Kluge, daß es schon „weiter abseits‟ liege; also entfernte Verwandtschaft. — Das französische brasse hat genau die Bedeutung unseres Wortes Faden: die Entfernung der beiden Arme (bras), wenn sie ausgestreckt sind. — Meist wurde Faden als Tiefmaß gebraucht. Waghenaer 1588 bemerkt einleitend zu seinen Seekarten: „Tcyfer ghetal gestelt ontrent alle Havenen, Riuiren, Stroomen, Canalen binnen ende buyten inde zee, oock op de ondiepten ende sanden, beteekent hoe veel vadem dese plaetsen diep zyn ... alles met half vloet.‟ — Doch gebraucht derselbe Waghenaer Faden auch für Bezeichnung einer Entfernung: „Item een myle buyteu de Clippen van Obenrack leyt een rudtse (Fels) onder 't water, ist dat ghy laueren moet tusschen die Fours ende Obenrack, so comt de voors. rudtse niet naerden dan veertich vadem, West zuydtwest ende Zuydtwest vande seuen Eylanden, comt den lande niet naerder dan op veertich vadem.‟

Fahne, die, gehört streng genommen nicht hierher, da der Seemann anstatt Fahne Flagge sagt, doch ist ja neuerdings in der Marine der Dienstgrad Fähnrich zur See (für Seekadett) eingeführt. Fahne heißt eigentlich Tuch, Fahnentuch ist also tautologisch. Gotisch fana, Zeug, Tuch; althochdeutsch, altsächsisch, fano, linteum, vexillum; lateinisch pannus, Tuch, mittellateinisch auch Fahne und Tapete (Panneel); griechisch penos, Gewand; von der indogermanischen Verbalwurzel pan, pen = ziehen, spinnen, hängen. Altfranzösisch fanon, Tuch; aber gonfalon, italienisch gonfalone stammen vom altdeutschen guntfano, „Kampftuch‟ ab. Finnisch faana, die Fahne. Der Fähnrich hieß althochdeutsch faneri, Fahnenträger. Das englische pennant wird jetzt unter dem Einfluß von pendeo, hängen, in der Form pendant gebraucht, wobei man broad pendant = Flagge und long pendant = Wimpel unterscheidet.

Fähre, die, ist von Fährschiff so zu unterscheiden, daß Fähre ein flaches, niedriges Fahrzeug bedeutet mit dem Menschen, Pferde, Wagen, ja neuerdings ganze Eisenbahnzüge an einer bestimmten, dazu eingerichteten Stelle über einen Fluß oder ein sonstiges Gewässer gesetzt werden; es geschieht mit Staken oder Riemen, mit Hilfe eines Taues, einer Kette, mit Dampfbetrieb. — Fährschiff aber ist ein wirkliches Schiff, das auf Flüssen, Seeen, Kanälen und in Küstengewässern regelmäßige Fahrten von einem Ort zum andern macht und für einen festgesetzten Preis Passagiere und Waren mitnimmt; also ähnlich wie Börtschiff, nur vielleicht mit kürzeren Fahrten.

fahren wird auch in der Seemannssprache in der gewöhnlichen neuhochdeutschen Bedeutung gebraucht. Daneben jedoch noch in einem Sinne, der der eigentlichen Bedeutung „sich von einem Orte zum anderen bewegen‟ widerspricht. Man sagt: „Das Tau fährt nach vorne, nach achtern, nach unten.‟ Beim laufenden Gut möchte das noch angebracht sein, wiewohl es bei seinem Laufen eigentlich auch nicht seinen Ort verändert; aber beim stehenden Gut muß man sich schon zwingen, daran zu denken, daß es auch einmal noch nicht stehend war und erst beim Auftakeln des Schiffes in seine Stellung geführt worden ist. — Außerdem gebraucht der Seemann fahren im Sinne von „zur See fahren.‟ „Ich bin mit ihm gefahren,‟ heißt: „ich bin mit ihm zusammen an Bord gewesen, mit ihm zusammen auf einem Schiffe gefahren.‟ „Ich fahre auf Handelsschiffen,‟ sogar: „ich fahre auf Südamerika‟ (mundartlich: „ich mache in Amerika,‟ jedoch nur von einer einzelnen Reise, während der Seemann, der „auf‟ Amerika fährt, damit sagen will, daß er wiederholt und mit einer gewissen Regelmäßigkeit mit seinem Schiffe die Fahrt dahin betreibt.) Ein „befahrener‟ Mann ist einer, der entsprechend lange zur See gefahren hat — der Seemann sagt stets „ich habe gefahren,‟ offenbar weil er sich dabei, wie ein Kutscher am Lande, aktiv vorkommt — um in der Seemannschaft erfahren zu sein.

Fahrrinne, die, eine natürliche Rinne im Watt in der man auch bei Ebbe noch fahren kann; sodann die natürliche Vertiefung in einem Hafen im Verlaufe der Richtung die ein Schiff steuern muß, um nicht auf Grund zu geraten, daher meist Fahrwasserrinne genannt, Wasser wo man fahren kann. Besonders aber ein künstlich hergestellter Weg durchs Wasser, sei es, daß man ihn mit Eisbrechern durchs Eis gebahnt, sei es, daß man ihn ausgebaggert hat. — Früher hatte man ein seemännisches Wort Fahrweg. Im Seebuch, 1400, kommt es oft vor und bedeutet den Weg draußen auf offener See, im Gegensatz zu Reede, den Weg, wo man vom Lande unbehindert fahren kann, jedoch mit der Beschränkung die heutzutage das Fremdwort Route andeutet, Wasserstraße als nächster Weg von einem Orte zum andern. „Item in der reyde van der Nysse maket vul see sudsudwesten mane (Mond), unde uppe der stille suden mane, unde buten in deme varwege maket vul see sudwesten mane.‟ — Denselben Sprachgebrauch hat 1588 noch Waghenaer: „tusschen Heys en Belysle mede 30 vadem. Ende buyten de vaerweg ist diep 35 vadem. Binnen 't vaerwater zynde vintment diep 25 vadem. Twee kenninghen buyten Heys, werpt ghy 45 vadem.‟ Es ist also ein Unterschied zwischen einem äußeren Fahrweg und einem inneren Fahrwasser.

Fahrt, die. 1. = Reise; die Fahrt nach Kapstadt, eine Fahrt ins Mittelmeer.