2., die Fortbewegung, der Lauf, die Geschwindigkeit des Schiffes; „das Schiff ist in Fahrt,‟ „das Schiff hat schon oder hat noch Fahrt‟, „es ist in voller Fahrt‟, „es fährt mit halber Fahrt‟. Auch in übertragenem Sinne von Menschen gebraucht: „der ist in der Fahrt‟, „die ist mächtig in der Fahrt‟, wenn jemand recht im Eifer ist.

3. Man unterscheidet „Große Fahrt‟, „Kleine Fahrt‟, s. Schiffsregister. Je nachdem einer ein Steuermannsexamen macht, erhält er das Patent für die seinem Wissen and Können entsprechende Fahrt, „große Fahrt‟, „Küstenfahrt‟ u. s. w.

Früher unterschied man nur „große und kleine Seefahrt‟, und erstere war besonders die Fahrt nach Ost- oder Westindien. Der Verfasser der „Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟ Lübeck 1673, spricht in einem Vorwort an den „günstigen Leser‟ von den Fortschritten, die der Mensch in der Observation gemacht habe. „Wil se nu dorch dise Erfahrenheit gedachten vel Provit tho erlangen, so hebben se dise Kunst ümmermehr na gesöcht, bet se entlick vel rike Landen und Eilanden up gefunden; Insünderheit dat Rick America, so den Olden in den vorigen Tiden hell unbekannt gewesen, welckes nu als ein nie Werrelt geachtet wert. — Se hebben sick ock herna in dise Kunst mehr geövet, und insünderheit die Europsche Natie darunder de Nedderlanders nicht van de minneste gewesen, alß by er uth gegeven Böck tho sehende, welcke Böck wi ock by unser Schipfahrt gebrucken, wil ui bet Dato nemand gefunden, de in unser Saxsischen Sprack etwas van der Kunst der Seefahrt beschreven hebben, dar idt doch ein hochnödich Warck schint tho wesen, na dem mahl vel van unsen Seefahrenden nicht wol in der Holländischen Sprack noch in er Böck tho lesen erfahren, so, dat se dat sulvige, wat se lesen, nicht recht verstahn noch begripen könen. — Ock sunt de Nedderlandesche Böck mit der groten Seefahrt mehrendeles vorfüllet, welckes besteit in Affdeling der Sphera der Werrelt, Bewegung der Hemmelen, im gelicken de dre Huckes, Krum Streck, langet und bret Recknung, und vel ander Regulen, de uth der Astronomie und Cosmographie genahmen; Welckes unsen jungen Seefahrenden weinig Nutzen bringet, na den mahl so selden de Ost- und West-Indyen befahren. Se werden averst velmehr dorch de mannigfoldigen Regulen up geholden, wil se de sünder Anwising und gud Underricht nicht lehren noch underscheden können, wat Regelen er tho der groten offt klenen Seefahrt fodderlick und nütlick sin!‟ ...

Fahrzeug, das, ist im Allgemeinen eine Bezeichnung für alles was Schiff heißt, jedoch im Besonderen oft mit der Nebenbedeutung des Geringeren, Minderwertigen, Kleinen. Ein Panzerschiff erster Güte wird man kaum ein Fahrzeug nennen; dagegen spricht man von Werft-, Hafen-, Lootsenfahrzeugen. Das Wort ist neueren Ursprungs, erst seit 1695 bezeugt, und soll eigentlich niederdeutsch sein. Im Mittelniederdeutschen war es aber unbekannt, da kommt nur ein vartouwe vor, das aber Fahrgeschirr = Wagen, bedeutet, wiewohl sonst tuch und tug in mannigfachem Gebrauch stand, namentlich auch im Sinne von Kriegszeug. Und auch im Neuniederdeutschen ist das Wort kaum gebräuchlich. Vielleicht daß es sich aus dem Niederländischen, wo vaartuig öfters gebraucht wird, eingeschlichen hat.

Fake, Facke, die, meist in der Mehrzahl gebraucht: die Faken, sind die Zwischenräume zwischen den einzelnen Spanten oder Inhölzern. Als man die Kriegsschiffe noch von Holz baute, wurden in der Wasserlinie die Faken mit Holz ausgefüllt zum Schutze gegen feindliche Kugeln. Das Wort ist nichts anderes als das niederdeutsche vak = Fach, Behälter, durch Scheidewände eingeschlossener und abgegrenzter Raum, Abteilung, Abschnitt, Behälter. Die Faken sind also die Fächer zwischen den Spanten.

Fall, das. „Ein Fall ist ein Tau, das zum Aufhissen oder Streichen eines Gegenstandes bestimmt ist und entweder in einem Takel oder einfach über eine Scheibe läuft. Die vorzüglichsten an Bord sind die Fallen der verschiedenen Rahsegel, der Gaffel und der Stagsegel. Die Mars- und Bramrahen sind mittelst eines Drehreeps mit dem oberen Blocke ihres Falles verbunden‟. (Brommy, „die Marine‟). Jedes Segel hat ein Fall. Aber merkwürdigerweise dient bei allen Segeln das Fall wohl zum Aufziehen derselben, aber nicht bei allen zum Fallenlassen. Während nämlich die Rahsegel mit ihren Rahen durch das Fall aufgehißt werden und, wenn man das Fall fiert, von selbst fallen, dienen die Stagsegelsfallen entgegen ihrem Namen nur zum Aufhissen; von selbst fallen sie nicht an dem betreffenden Stag herunter, auch wenn das Fall ganz lose ist; sie bedürfen darum noch eines besonderen Niederholers. vergl. Drehreep.

Fallhorn, das, ist das was sonst „Kopf des Stagsegels‟ heißt, nämlich das spitz wie ein Horn zulaufende obere Ende des Stagsegels, an dem das Fall befestigt ist.

Fallreep, das. Nicht leicht ist bei einem Worte der ursprüngliche, einfache und klare Sinn so verdunkelt und vergessen worden, wie bei diesem. Reep ist gleich Tau. Fallreep ist also das Tau, das man einem, der die Stufen der Bordwand hinauf wollte, hinabfallen ließ, sich daran festzuhalten. So bedeutet also das heutige Kommando „Fallreep!‟ eigentlich: „Fall Reep!‟ oder „laß fallen das Reep‟, für den an Bord Kommenden (oder auch von Bord Gehenden). Weil dies von einer bestimmten Stelle aus geschah, nämlich eben von da, wo in der Bordwand die schmalen Trittbretter eingelassen waren, so nannte man die ganze Gegend da in der Nähe nach diesem fallenden Reep „am Fallreep‟, „beim Fallreep‟, oder auch kurzweg „Fallreep‟, und der Nachtposten, der da steht, kann nun aussingen: „Steuerbord-Fallreep, oder Backbord-Fallreep alles wohl!‟ Man denkt gar nicht mehr an das Reep oder Tau, man glaubt, es mit einer einfachen Ortsbezeichnung zu tun zu haben. So erklärt es sich auch, daß in späteren, bequemeren Zeiten, als man statt der Bordwandtrittbretter richtige transportable Treppen einführte, diese Fallreepstreppen genannt wurden, wiewohl diese gerade durch ihr Geländer das Fallreep überflüssig machten, so daß die sogenannten Fallreepsgäste das Tau nur noch symbolisch in die eigene Hand nehmen und nur so tun, als ob sie es dem Kommenden oder Gehenden hinreichten. Es ist dies lediglich eine den Offizieren etc. etc. erwiesene Ehrenbezeugung geworden, auch dann noch erwiesen, wenn das Schiff am Bollwerk oder an der Werftkaje liegt. Wie sehr die ursprüngliche Bedeutung dem Bewußtsein entschwunden ist, lehrt besonders deutlich das Kommando: „Vier Fallreep‟ (für einen Stabsoffizier die Ehrenbezeugung), als ob der Fallreepsgast Fallreep genannt werden könnte, oder die Redewendung: „Er lehnt sich zum Fallreep hinaus‟, wobei keineswegs an das Reep, sondern an den Einschnitt in der Bordwand, der einer Tür ohne oberen Drempel gleicht, gedacht ist. — Indessen gibt es doch Gelegenheiten, wo das Reep noch wieder zu Ehren kommt und fällt; in See oder auf offener, sehr bewegter Rhede, wo das Schiff sich stark bewegt und die Treppe nicht ausgebracht werden kann. Da muß man, wenn es nicht gar über eine Jakobsleiter am Besansbaum geht, die Trittbretter an der Bordwand benützen und zieht das Reep aus leicht begreiflichen Gründen den Einschnitten zum Halten in den Trittbrettern vor. — Die Bedeutungsverschiebung ist nicht neu. Schon Aubin 1702 hat das holländische val-reep mit échelle de poupe übersetzt, was der erwähnten Jakobsleiter entspricht. Die Entwickelung ist also die: Tau, Tau-(Strick-)Leiter, Leiter, Treppe. Auch übersetzte er es sinnreich mit tire-vieilles: „Ce sont deux cordes qui ont des noeuds de distance au distance. Elles pendent le long du vaisseau endehors, savoir une corde de chaque coté de l'échelle‟. — Der Übersetzer der „Durchläuchtigsten Seehelden‟ hat sich die Sache mit Fallreep leicht gemacht und einfach Falltreppe gesagt. Er beschreibt eine Begegnung des Kaisers Karl V. mit König Franz I. „an den Bord des Käysers, da der König mit einer köstlichen zubereiteten Chaloup von Aquamorto, in Begleitung des Montmorancus, des Hertzogs und Cardinals von Lothringen ankommen war. Der Käyser begegnete dem König an der Fall-Treppen, und empfing ihn mit aller Freundlichkeit, und führte ihn nach dem Hinter-Teil des Schiffes, allda sie viele Stunden mit einander in sehr ergötzlichem Gespräch zubrachten, unter welchem die fürnehmsten Herren Seiner Käyserlichen Majestät Hände zu küssen kamen.‟

Fangleine, die, eine lange, dünne aber feste Leine, die aufgeschossen, von Bord aus an Land (oder umgekehrt) auf ziemlich weite Entfernung, wenn der Werfer seine Sache versteht, geworfen wird. Derjenige dem die Leine zugeworfen ist muß sie fangen, einholen und holt dann die am andern Ende der Fangleine befestigte Trosse mit ein, um sie am nächsten Poller oder Ducdallen festzumachen. Fangleine eines Bootes ist eine etwas stärkere Leine, die als Schlepptau dient. Fangtaue sind dünne Tauenden, mit denen etwas im Wege Hängendes aufgebunden, beiseitegebunden, aufgefangen wird. Fangstander ist ein Stück Kette das das im Davit hängende Boot tragen hilft und also die Taljenläufer desselben entlastet. — Auf Wangerooge sollen sie das Ankertau fangelin nennen.

Fardage, die. Packmaterial, Holz, Spähne, Rohr etc. etc. zwischen die einzelnen Teile (Colli) der Ladung gestopft um sie vor dem Rütteln, Schütteln und Stoßen zu schützen, überhaupt vor Bewegung. Stammt aus dem Französischen wo fardeau (altfranzösisch fardel) ein Bündel bedeutet; die Vorstellung ist also die, daß das Packmaterial in Bündeln zwischen die einzelnen Kisten, Kasten, Fässer u. s. w. gestopft wird; auch kommt im Englischen, außer diesen fardage, ein Substantiv fardel vor, welches ebenfalls Bündel heißt, und wie dieses oft im Sinne von unangenehmer, widerwärtiger „Last‟ gebraucht wird, so daß man wohl auch bei Fardage an ein dem Seemann lästiges, unnützes, wertloses Stück der Ladung, das nur so als notwendiges Übel mitgeschleppt wird, denken darf.