Farunner, das, ist auf Tjalken, Muten und Snicken das Logis der Matrosen, überhaupt der aus wenigen Leuten bestehenden Besatzung. Ehrentraut, Friesisches Archiv II. 62, sagt von einer Tjalk, daß sie rund gezimmert ist, „hat aber keine Kajüte, sondern einen Raum, worin die Mannschaft sich aufhält und schläft: dait farunner, und zwar ein doppeltes, hinten und vorn, auch ein rum (Raum, Laderaum).‟ Das Farunner unterscheidet sich von der Kajüte dadurch, daß es nicht so hoch ist und man nicht aufrecht darin stehen kann, und daß darin gekocht wird. Ursprünglich trug nur der vordere abgeteilte und gedeckte Raum den Namen farunner oder farunder, denn das far ist gleich för und es kommen die Formen förunder und vorunder vor. Letztere ist die älteste die mir bekannt geworden ist; sie steht in einer Bremer Urkunde von 1564: „darvp alsuort Jacob onde Albert de pumpen angegrepen, he, tuge, averst sy in dat vorunder gegann, synn steuell onde kleider angetaghenn‟ ... För, vor ist gleich vorne, forunner also das „Vornunter‟, der Raum wo die Leute vorne ihren Unterschlupf haben. Daß man hernach auch einen hinteren Unterkunftsraum so nannte, wird den nicht wundern, der das goldene Kopfeisen der Friesinnen kennt, oder die neumodischen Waschschwämme, die gar keine Schwämme sind, sondern aus Gummi verfertigt werden; sie heißen aber Schwämme.

Fastgaljas, die, vergl. Galeere, ein schnelles Schiff. Das Wort kommt in dem niederdeutschen „Kasper Ohm en ik‟ von John Brinkmann vor. Wir haben es hier nur mit der ersten Silbe zu tun. Fast ist unser neuhochdeutsches fest. Der Sinn ist im Niederdeutschen weiter als im Hochdeutschen. Denn da heißt es nicht nur unbewegt, dauerhaft, beständig, haltbar, „fest wie Magdeburg‟, nicht nur noch allgemeiner sicher, gewiß, zuverlässig, kräftig, stark, tüchtig, sondern auch schnell. Zur Tüchtigkeit gehört eben in gewissen Fällen Schnelligkeit (vergl. Kielschwein). Darum heißt fast nicht immer fest, sondern manchmal das Gegenteil von fest, nämlich beweglich, sehr beweglich, schnell beweglich, schnell. Ein tüchtiges Schiff ist nur dasjenige, welches die nötige Geschwindigkeit entwickelt, wie der nur ein tüchtiger Bote ist, der seine Botschaft mit einiger „Fixigkeit‟ ausrichtet. Im Englischen ist auch einer, der schnell vom Flecke kommt „a fast traveller.‟

Felucke, die, ein langes, schmales Fahrzeug des mittelländischen Meeres, mit zwei etwas nach vorne geneigten niedrigen Masten, hochragenden lateinischen Segeln und acht bis zwölf Riemen an jeder Seite. Sie ist meist ungedeckt, hat aber am Heck eine Hütte zum Schutze gegen Wind und Wetter. Kennzeichnend ist auch der lange spitze Schnabel, an dem der Hals des Focksegels befestigt wird. Doch gibt es auch andere, größere Felucken mit namhaften Abweichungen von dieser Beschreibung. Die ganze Art von Fahrzeugen muß aber, trotz früher oft gerühmter Geschwindigkeit, vor dem siegreichen Dampf die Segel streichen und wird bald vom Meere verschwunden sein. Stammt aus dem Arabischen felukah, von fulk = Schiff.

Fender, der, eine Art Polster aus umsponnenem Kork, dazu bestimmt, das Schiff, wenn es durch eine Schleuse geht oder an ein Bollwerk, vor dem Schamfilen zu schützen, indem es zwischen Bordwand und Mauer gehängt wird. Erst in neuerer Zeit in die deutsche Seemannssprache, die früher nur Wreifhölzer kannte, aufgenommenes aus England gekommenes Wort. Vom lateinischen defendere verteidigen, behüten, beschützen, bewahren. „Schutz‟ würde also die Übersetzung ins deutsche sein.

Feuerschiff, das, ist ein Schiff, das die Stelle eines Feuerturmes vertritt, an einem Orte verankert, wo sich ein Turm nicht bauen läßt, wo aber doch wegen der Beschaffenheit des Fahrwassers ein besonders deutliches, weithin sichtbares Feuerzeichen nötig ist. Es hat keine eigenen Fortbewegungsmittel. Der Mast oder die Masten dienen nur zum Hissen der Laternen bei Nacht, der Signalbälle bei Tage. Der Ausdruck Feuerschiff erinnert, wie Leuchtfeuer und Feuerturm, noch an die Zeit, in der auf dem Turm wirkliche Holz- oder Kohlenfeuer brannten. Da diese jetzt durch Lichter verschiedener Art verdrängt sind, so ist der engl. Ausdruck light-ship sinngemäßer als unser deutsches Feuerschiff; bei Turm haben wir uns auch den veränderten Umständen angepaßt und sagen Leuchtturm, aber Feuerschiff hat sich siegreich behauptet.

fieren, das Gegenteil von holen, ein Tau ablaufen lassen und so den Gegenstand, der an dasselbe festgebunden ist, nicht näher an sich heranholen, sondern weiter von sich entfernen. Die Versuchung liegt nahe, bei diesem Worte an feiern zu denken, das ja niederdeutsch fieren heißt; von fir = Feier, Feiertage, lateinisch feriae, Tage an denen keine Arbeit getan wird, wo die Arbeit ruht. Dieser Versuchung ist Weiland unterlegen; er schreibt: „vieren = rüsten (ruhen); den teugel vieren is, hem niet strak vasthouden, laten schieten.‟ Allerdings wird ja „geruht‟, nachgelassen mit der Arbeit des Holens beim fieren (wenn überhaupt unmittelbar vorher geholt worden ist), aber das gibt doch nicht bei der Bedeutung von fieren den Ausschlag, denn nachlassen mit holen bedeutet doch noch kein wiederablaufenlassen dessen das man geholt hat, sondern erfordert nur, daß das Geholte festgehalten und belegt wird. Überdies braucht dem Fieren ein Holen gar nicht unmittelbar voraufzugehen, so daß schon darum nicht von Ruhe, Nichtweiterarbeiten, Nichtweiterholen die Rede sein kann. Auch verbietet sich der Gedanke von feiern von selbst, wenn wir bedenken, was das heißt: „he let en fieren‟; das heißt doch wörtlich: „er läßt einen streichen‟, und wir haben da das andere niederdeutsche Wort fieren, welches auch unser seemännisches ist, mit fern verwandt ist und streichen heißt, fahren, gehen, laufen, schießen, gleiten; firen laten: los lassen, gehen lassen, frei geben, Raum und Freiheit geben sich zu bewegen; in die Ferne, ins Weite gehen, nicht bleiben und haften, nicht gehalten werden, — das ist die Folge des Fierens, und das Gefierte, das nun nicht mehr gehalten wird, sackt, senkt sich, sinkt so lange bis es anderweitig Halt und Stütze findet. Bei einer Verhandlung über einen Seeunfall im Jahre 1564 sagte zu Bremen ein Augenzeuge aus „dat N. dat spreeth loss gelatenn, sin schip vmme geswengeth ond dat grote anker ond touwe vthgefiret, ond he, tughe, dat plichtgarde (Pflichtleine) othgestekenn und gespraken: wat wylle gy vele fireinn? wy liggen alle an der grundt.‟

Fest holen s. holen.

Festzeisen s. zeisen.

Fid, fidden, nicht zu verwechseln mit fitten (s. d.) Fid ist eine aus hartem Holze gemachte runde Pinne, mit der man beim Splissen und Knoten die einzelnen Duchten von den Enden der Taue auseinander hält um durchstecken zu können. Das Auseinanderhalten nennt man fidden. Das Wort dürfte vom englischen to fit kommen, welches seinerseits wohl auf das gothische fetjan zurückgeführt wird, schmücken, dann in den zahllosen Bedeutungen von „zurechtmachen‟ gebraucht.

Fingerlinge, die, nennt man starke eiserne Hänge am Achtersteven, in welche das Ruder mit den Haken eingehängt wird; es kann indessen auch umgekehrt gemacht werden, daß das Ruder die Fingerlinge hat und der Steven die Haken. Man stelle sich eine in ihren Angeln sich drehende Tür vor. Zu Fingerling ist Däumling zu vergleichen. Es bedeutet eine Hülle, in die ein Finger paßt, wie der Däumling eine Umhüllung in die der Daumen grade hineingeht; wer sich am Finger verletzt hat und keinen dicken Verband haben will, der zieht den abgeschnittenen Finger eines ledernen Handschuhs, einen Fingerling, über, an dessem hinteren Ende ein Band befestigt ist, das ums Handgelenk gebunden wird. Ehrentraut (Friesisches Archiv, II. 65) schreibt: „Das Steuerruder: dat rôr am Hinterteil hängt in vier eisernen Haken, welche in Büchsen sitzen. Diese Büchsen heißen da fingelin (Sing.: dju fingelin);‟ und zwar bezieht sich das auf die Sprache der Wangerooger Seeleute.