2. Eine Rauchhaube, ein drehbarer Schornsteinaufsatz. —

Da das Wort auch sonst im Niederdeutschen ein (drehbares) Gelenk bedeutet, so ist anzunehmen, daß der Begriff des Drehens, des Drehbaren in diesen Wörtern steckt. Vielleicht gehört auch Geck = Narr dazu, weil ein solcher als ein lustig tanzender, springender, sich drehender Mensch gedacht werden kann. S. auch Giek und Gig.

Geer, die, auch die Geerde genannt, von welchem Worte Geer nur eine verkürzte Form ist; meist, weil sie paarweise auftreten, in der Mehrzahl die Geeren, und weil sie zur Gaffel gehören, Gaffelgeeren genannt; niederländisch geerden, dänisch gerderne, schwedisch garder. Es sind die beiden Halttaue die die Gaffel von Steuerbord und von Backbord festhalten; wenn das Gaffelsegel nicht steht, halten die Geeren die Gaffel zu gleichen Teilen mittschiffs; steht es, so hält nur die Luvgeer. Aber allemal ist das Halten der Gaffel die Hauptsache, und wir haben hier die seltene Erscheinung, daß auch einmal ein französisches Wort das einen Teil der Takelage bezeichnet, aus Frankreich nach den Niederlanden und nach Niederdeutschland seinen Weg genommen hat. „On appelle Gardes ou Palans de Gardes (Vangs), les deux palans qui servent à maintenir la corne d'artimon, et qui, à cet effet, sont frappés à son estrémité et agissent de chaque côté du couronnement où ils sont accrochés, chacun, à un piton; ce sont, en quelque sorte, les bras de la corne.‟ (Bonnefoux et Paris, Dictionnaire de Marine). Maintenir ist die Aufgabe der Geeren und das wird durch garder ausgedrückt; davon garde; davon Geerd; davon Geer. Indessen haben die Franzosen, als sie uns das Wort gaben, nur eine alte Schuld zurückgezahlt, denn garder ist unser altes, gutes, deutsches warten = hüten, schützen, wahren, bewahren, halten. Die Rückzahlung scheint aber spät erfolgt zu sein, da 1702 garde in diesem Sinne (Aubin), wie es scheint, selbst in Frankreich noch nicht bekannt war.

Gefechtsmars, der.

Gefechtsmast, der, beides Errungenschaften des modernen Kriegsschiffsbaues, der nur noch auf den Dampf als Fortbewegungsmittel denkt. Gesegelt wird nicht mehr oder doch kaum mehr. So braucht man auch keine Masten und Rahen zum Segeln mehr, und keine Marsen von denen aus die oberen Segel bedient werden. Aber die Marsen der alten Kriegsschiffe hatten nicht nur ihren eigentlichen, seemännischen, sondern auch einen kriegerischen Zweck, sie wurden im Gefecht als Station für die Scharfschützen gebraucht. Und diesem Zweck zu Liebe hat man dem Mars nicht ganz den Garaus gemacht. Man macht zum Hauptzweck was früher Nebenzweck war und baut einen Gefechtsmars. Da ein Mars aber ohne Mast nicht möglich ist, so baut man auch einen Gefechtsmast. Es ist vom Alten jedoch nur der alte Name geblieben.

Gehr, die, auch die Gehrung, nennt man das spitze, schmale, dreieckige Zulaufen der Ecken eines Segels, „auf Gehrung schneiden‟ heißt ein Segel spitz zuschneiden. Zu vergleichen ist das ostfriesische gären, niederländisch geeren, schräg oder spitz zulaufen oder auslaufen, einen Winkel oder ein Dreieck bilden. Mit dem uralten Worte Geer das einem am Niederrhein siegreich vordringenden Heerhaufen deutscher Krieger den Namen Germanen eingetragen hat, hat unser Wort nur auf ziemlichem Umwege etwas zu tun. Zuerst kommt vielmehr (Graff, althochdeutscher Sprachschatz) gero in Betracht, nordisch geiri, friesisch gara-segmentum panni figura triqueta; altfriesisch gara, Schooß: Teuthonista ghere = Zipfel, Schooß; Kilian gheere = sinus, limbus; heute noch in hochdeutschen Mundarten Gehre = Schoß; niederdeutsch gäre und gere = Keil, Zipfel, Rockschooß, längliches dreieckiges Stück Land. Den Ausschlag bei der Benennung hat also die Form dieses Teils vom Segel gegeben, die figura triqueta. Aber auch der Ger der Germanen lief spitz zu, und ist darum sicher ein Vetter dieser Gehr. — Nicht nur in der Segelmacherwerkstatt, sondern auch beim Tischlerhandwerk ist das Wort Gehrung im Gebrauch und bedeutet hier das spitze Zulaufen zweier Hölzer die unter irgend einem Winkel zusammenstoßen sollen; der angewandte Schnitt heißt Gehrungsschnitt. Sollen z. B. zwei Leisten unter einem rechten Winkel zusammenstoßen, so wird bei jedem ein Gehrungsschnitt von 45° gemacht.

Geien nennt man die Tätigkeit die mittels der Geitaue (s. aufgeien) ausgeübt wird, wenn man stehende Segel die geborgen werden sollen hochzieht, zusammenfaßt und durch die Gei- (und andere, siehe Nock- und Bukgordings) Taue so zusammengefaltet hält, daß sie von den auf den Rahen ausliegenden Matrosen mit den Händen gerafft und festgemacht werden können. Der Sinn und Begriff des Zeitwortes geien ist durch das, wie es scheint von Bobrik verschuldete, Hineinspielen von Geik, Geichel, Geiktau getrübt worden. Geiktau und Geitau sind aber durchaus verschiedene Wörter, wenn auch das Geiktau bei einem Gieksegel die Stelle eines Geitaus vertreten kann und wenn auch Breusing gemeint hat, man müsse wegen des schwedischen giga unser geien geihen schreiben, da doch das Schwedische auch von Geiktau beeinflußt sein kann. — Unser geien müßte vielmehr eigentlich gaien geschrieben werden, wie es auch meistens gesprochen wird. Nun gibt es ein niederdeutsches Zeitwort gaden das sich zusammenfügen, zusammenkommen, vereinigen, verbinden, aneinanderschließen bedeutet. Und davon gab es schon bei Kilianus eine Form gayen, die unserem geien sehr nahe kommt, wie denn auch heute noch das Niederdeutsche gerne zwischen zwei Vokalen das d ausfallen und mit einem i- y- oder j-artigen Laut klingen läßt, vergl. das niederländische muijen das aus muiden entstanden ist oder unser rojen = rudern (mittelniederdeutsch roeden und roeijen) und das ostfriesische rojen = roden, moje = müde etc. etc. Der Form nach würde also der Ableitung geien-gaien-gaden nichts im Wege stehen und die Bedeutung steht ihr erst recht nicht entgegen. — Die Ableitung von Geiktau, Geichel etc. etc. s. unter Giek.

Gemallte Tiefe s. abmallen.

Genickstag s. Stag.

Geschwader, das. Ein Kommandoverband von mehreren Kriegsschiffen unter einem Admiral. Die älteste niederdeutsche Form in der mir das Wort begegnet ist, ist geswad in Renner, Livl. Hist.: „He belegerde Revel mit 25000 Russen, 4 geswade haveluiden‟ ... „mit 22 fenlin landsknechten und elven geswader haveluiden.‟ Diese haveluiden waren wohl Hofbesitzer und es dürften daher unter diesen Geschwadern Reiter-Verbände zu verstehen sein, so dass also am Lande sich frühzeitig die gegenwärtige Bedeutung Schwadron herausgebildet hat. — Zunächst bedeutet es aber nur ein Viereck von Soldaten, denn es stammt von quatuor ab. Zu vergleichen ist das italienische, spanische, portugiesische quadro = Viereck, Rahmen, Gemälde, französisch cadre, Rahmen (auch im militärischen Sinne); dann weiter: italienisch squadra — vielleicht aus exquatra — , spanisch esquadra, französisch equerre, Winkelmass, Viereck von Leuten, Rotte; endlich: spanisch esquadron, französisch escadron, Heeresabteilung. Kilianus hat squadron = agmen quadratus, das Wort ist demnach wohl unter Karl V nach Deutschland gekommen. Die einfachste deutsche Form ist Schwadron; Geschwader ist durch Hinzufügung der Vorsilbe ge und dadurch bedingte Abschwächung der Endung entstanden. Das Präfix ge findet sich oft, man denke an Ge-fahr, Ge-spann, Ge-nade, Ge-laube, Glück = Gelück. — Erst spät ist das Wort in seemännischen Gebrauch genommen worden; bei Roeding 1794 begegnete es mir zum ersten Male; sonst sagte man immer Flotte.