Hamen, der. 1. In hochdeutschen Mundarten ein Angelhaken, aus dem Lateinischen stammend.

2. Ein ganz anderes Wort trotz der äußerlichen Gleichheit ist Hamen wie es in der Seemannssprache und überhaupt im Niederdeutschen gebraucht wird, nämlich für ein Netz zum Fischfang. Besonders häufig ist an der Nordseeküste der schufham, das Schiebnetz, ein Netz, das oben an einem starken mit einer langen Stange versehenen Reifen versehen ist und auf dem Grunde des Wassers hingeschoben wird. Das Wort hängt mit dem althochdeutschen hamo, Kleid, Decke, Hülle, Hemd, Sack, Beutel zusammen; über „Netzbeutel‟ mag der Weg zu Netz gegangen sein. Der Sinn ist jedenfalls klar, denn die Wurzel ham bedeutet umfassen, erfassen, in sich befassen, beschließen. Luther: „Da beschlossen sie eine grosse Menge Fische.‟

Hand über Hand an einem Tau holen oder dasselbe fieren, indem man immer mit einer Hand über die andere greift. Sehr wichtig ist es oft, daß das Fieren Hand über Hand geschehe, damit der zu fierende Gegenstand stets noch mit einer Hand festgehalten wird, das Tau also nicht schlieren und der Gegenstand nicht rauschen kann. Wer jemals Träger einen Sarg ins Grab senken sah, der mag wohl das Gefühl gehabt haben, die Seile könnten ihnen durch die Hand rutschen und der Sarg würde mit einem Ruck hinabfahren. Haben aber Seeleute die Stricke gefaßt, so kann man ruhig sein, denn sie lassen den Sarg „Hand über Hand‟ hinab.

Handpferde, die, sind in gewissen Abständen auf das Jackstag aufgestreifte Stroppen, die den aus- und einlegenden Bramrahegästen zum Festhalten mit den Händen dienen. Ein sonderbar gebildetes Wort. Die Pferde, die den Füßen unter der Rahe Halt gewähren, sind schon fälschlicherweise zu Pferden gestempelt worden, da sie doch mit solchen nichts zu thun haben, sondern dazu da sind, daß man auf sie peddet, tritt, was man bekanntlich mit dem Fuße besorgt, und nicht mit der Hand. Handpferd ist also ein Wort von Leuten gebildet, denen die eigentliche Bedeutung von (Fuß-) Pferd gänzlich unbewusst war.

Handspake, die, heißt ein mit der Hand regierbarer hölzerner Hebel, mit dem ein Spill gedreht, eine Kanone bewegt und allerlei sonstige Arbeit getan wird, wohl auch einmal die, die sonst mit einem tüchtigen Knüppel verrichtet wird. Es wird z. B. eine Handspake einem gefangenen Haifisch, wenn er an Bord geholt und auf Deck gelegt ist, tief in den Rachen gestoßen, damit er nicht um sich beißen kann. — Das Ende der Spake, das für die Hand bestimmt ist, ist rund, das zum Einstecken der Spake in die vierkante Spillspur oder Geschützspur ist dementsprechend vierkant. Da im Mittelniederländischen die Formen spake und spaike nebeneinander vorkommen, so ist klar, daß Spake nichts anderes ist als Speiche, und wirklich hört man zuweilen anstatt Handspake Handspeiche sagen.

Hansa, die. Aubin hat die „villes anséatiques‟, welche zusammen „la Honze Theutonique‟ bildeten, auf holländisch als „Aanzeesteeden‟ (Anseestädte) bezeichnet; auch wenn die Hansastädte wirklich alle an der See gelegen hätten, würde diese Erklärung doch nur den Wert eines Kuriosums haben. Aber auch diejenigen dürften irren, welche das Wort von den Ansen ableiten. Allerdings nannten, wie schon Jornandes, der es wissen mußte, bezeugt, die Gothen ihre Vornehmen und Reichen so, als ob sie nicht bloß Menschen, sondern von den Asen abstammende Halbgötter wären, wie alle die gewaltigen nordischen Helden. I. Grimm sagt: „In der nordischen Mythologie gilt für den Begriff deus die Benennung ås. Dieser Name muß auch in Hochdeutschland und Sachsen früher allgemein gewesen sein,‟ und zwar war er es in der althochdeutschen Form ans. Nun würde ja die Erklärung der Aspiration keine Mühe machen, aus ans kann leicht genug hans werden, aber so lange sich eine näherliegende Erklärung findet, darf man sich bei einer ferneren nicht beruhigen. Und sie findet sich in dem ebenfalls gothischen Worte hansa, welches Verein, Gesellschaft, Haufe, Menge, Abteilung, Schar bedeutet. Karl der Große gab einer von ihm zu Regensburg errichteten Vereinigung den Namen hans. Dann kommt freilich das Wort nicht eher wieder vor, als bis es 1127 in Flandern auftaucht, als ein in der Kaufmannschaft gebräuchliches für Handelsinnung und Eingangszoll. Die Bedeutung Eingangszoll mag von dem Gebrauch kommen, Eintrittsgeld beim Eintritt in einen Verein zu bezahlen, wie denn wirklich Hense oder Hanse auch das Geld hieß, das bei der Aufnahme in eine Hanse bezahlt wurde. In der Bedeutung Handelsinnung aber erscheint das Wort 1236 in Hamburg und verbreitet sich bald so, daß es im Jahre 1309 heißen konnte: „mercatorum societas, que vulgariter hanse dicitur.‟ Doch kämpft der weitere Begriff „Kaufmannshanse‟ noch lange mit dem engeren „Innungshanse‟. 1315: „si quis hanzam pistorum - Bäckerinnung - intraverit.‟ 1345: „de der handwerken hanze winnet in der Stadt to Driburch, de dridde penninc is de unse.‟ Also selbst in der Zeit, wo die Hansa schon in Blüte stand, war das Wort immer noch für eine gewöhnliche Handwerksinnung in Gebrauch. Kilian sagt allerdings, ein Hans sei ein „antecellens caeteros mortales fortuna et opibus,‟ und die Hansen seien „magnates, optimates; Ansi sive Hansi Gothica lingua dicuntur ii, qui caeteros mortales fortuna et opibus antecellunt: heroum et semideorum conditioni proximi et humanae sortis terminos egressi,‟ aber vorher hat er doch hans schlechtweg und kurz und bündig mit socius, collega übersetzt, was eben Genosse, Innungsgenosse bedeutet. Allerdings war die ursprüngliche Bedeutung mehr und mehr in den Hintergrund getreten, und mehr und mehr beschränkte sich das Wort darauf, der Name des großen Bundes der weltberühmten Handelsstädte zu sein, die allerdings einen „Verein, Haufen, eine Schar‟ bildeten, die sich sehen lassen konnte. — In einer Urkunde des Erzbischofs Siegfried von Bremen aus dem Jahre 1181 kommt Hansa als Handelsabgabe vor, und in einer Urkunde, die Kaiser Friedrich Barbarossa ein Jahr vor dem Kreuzzuge, von dem er nicht zurückkehren sollte, ausgestellt hat, 1188, ist es in demselben Sinne gebraucht: „absque hansa et absque thelonio.‟ Es war also jedenfalls ein in der Handelswelt sehr früh schon allgemein bekanntes und gebräuchliches Wort.

Hängematte, die, ist eine ziemlich gewagte Anlehnung an zwei deutsche Begriffe, hängen und Matte, die beide in dem ursprünglichen Worte nicht vorhanden sind. Es stammt aus Westindien und hieß da hamaca. So haben es mit der Sache die Spanier gefunden und in dieser Gestalt haben sie es übernommen, „a word of Indian origin. Columbus in the Narrative of his first voyage says: „A great many Indians in canoes came to the ship today for the purpose of bartering their cotton, and „hamacas‟ or nets in which they sleep.‟ Daraus haben die Franzosen hamac gemacht. Bei der Übernahme ins Niederländische begann die volksetymologische Anlehnung an vorhandene Begriffe; die hamac hing; also ward eine hangmak daraus. Der deutsche Seemann hinwiederum konnte sich unter hangmak nichts Rechtes vorstellen und gestattete sich abermals eine kleine Andeutung an einen ihm geläufigen Begriff und machte unser Hängematte daraus. Das konnte er um so eher, als im Laufe der Zeiten aus dem Netz ein Stück Segeltuch geworden war, das den Gedanken an eine Matte nicht abenteuerlich erscheinen ließ. Übrigens ist diese Schlafgelegenheit, die bei Kriegsschiffsmatrosen vorgeschrieben und bei Touristen neuerdings als Sport sehr in Aufnahme gekommen ist, bei unsern Zivilmatrosen bis jetzt erfolgreich auf Widerstand gestoßen; die schlafen nach wie vor in ihrer Koje, einem Bretterverschlag mit Strohsack und richtigem Bettzeug, wie es die Leute auf den Friedens- d. h. Kriegskoggen der Hansa auch noch taten, denn erst als man anfing (im 16. Jahrhundert) auch im Zwischendeck Kanonen aufzustellen, wurden, da zu ihrer Bedienung der Raum frei sein mußte, Hängematten, die eben damals von Indien her eindrangen, eingeführt. Und zwar scheinen es Seeräuber gewesen zu sein, die zuerst auf den Gedanken kamen, das ursprünglich an zwei Bäumen hängende Ding als Schlafgelegenheit an Bord aufzuhängen. 1702: les Flibustiers s'en servent pour y dormir lorsqu' ils sont en mer‟; so wenig allgemein war also vor zweihundert Jahren der Gebrauch der Hängematten. Sogar das Wort war 1681 dem Verfasser des „Durchläuchtigsten Seehelden‟ als hochdeutsches noch ungeläufig, denn er schreibt von Indianern: „Wenn sie essen, so sitzen sie auff der Erden und wenn sie schlaffen, so tun sie solches in hangenden Decken, darunter sie des Nachts Feuer unter machen‟ ...

Hanger, der, ist ursprünglich ein kurzes Ende eines dicken Taues, das um den Top des Mastes oder die Nock der Rahe gehängt wird und in dessen herunterhängendem Ende sich eine Kausch befindet, in die das Seitentakel des Mastes, das Nocktakel der Rahe, eingehängt wird. Es versteht sich von selbst, daß der Hanger des Mastes ebenso wie der der Rahe paarweise vorkommt. Jetzt nimmt man natürlich Drahttau dazu; Dick und Kretschmer: „Die Hanger des Fock- und Großmastes bestehen aus je einem kurzen Drahtende, in dessen Tampen Kauschen eingesplißt sind und in dessen Mitte ein auf den Top des Mastes passendes Auge eingebunden ist.‟ So wird also der Hanger doppelt. Die beiden Hanger eines Tops haben dann vier Arme; die des Kreuztops aber sind einarmig.

Harpune, die, eine speerartige Waffe mit Widerhaken zum Harpunieren von Fischen; von der hakenförmigen Gestalt so genannt, von der auch Harfe den Namen hat, wenn der nicht vielmehr von dem entsprechenden Zeitwort im Spanischen, Portugiesischen und Provençalischen arpar, französisch harper, packen, anhaken, reißen, zupfen („Zupfgeige‟) kommt, was aber in Bezug auf die sprachliche Verwandtschaft nichts ändern würde. Spanisch heißt die Harpune arpon, portugiesisch arpao, französisch harpon. Über das hinzugekommene h im Anlaut, die Aspiration, vergl. die Bemerkung Willmanns unter Havarie.

hart, die eigentliche Bedeutung von hart ist. „stark, fest.‟ Sie kommt in dem seemännischen Kommando: „hart Backbord, hart Steuerbord, hart das Ruder!‟ zum Ausdruck, denn damit wird befohlen, daß das Ruder so stark wie möglich nach der betreffenden Seite hin gedreht, oder vielmehr, wie der Seemann noch immer, auch wenn ein Rad da ist, zu sagen pflegt, gelegt werden soll. Es erinnert der Gebrauch von „hart‟ noch an die Zeit der Pinne; diese wurden ja früher auch auf großen Schiffen allein zum Steuern gebraucht, und wenn es hieß „hart!‟ so wurde sie hart an die betreffende Bordwand heran gelegt.