Havarie, die, = Seeschaden an Schiff und Ladung, (oft auch übertragen und scherzhaft gebraucht, so daß z. B. ein Seemann zu einem kleinen Mädchen dessen Puppe entzwei ging, sagen kann: „Du hast wohl mit deiner Puppe Havarie gehabt‟). Die Erklärung wird für die Engländer ziemlich schwierig weil zwei Wörter in einander spielen, die schwer auseinander zu halten sind, average im Sinne von Havarie und average im Sinne von Abschätzung, Durchschnitt, Verteilung; doch das ist ihre Sache. Für uns ist die Erklärung einfacher, wiewohl auch hier viel mit der Stange im Nebel herumgefahren worden ist. So ist z. B. (siehe „Bremer Wörterbuch‟) behauptet worden, es käme von averig, übrig, sei also das dem Kapitän überher bewilligte Geld, Zugabe, so daß für Havarie schließlich der Begriff Trinkgeld herauskäme. („Anno 1405 wurd dat Rahthues to Bremen gebuwet, do idt fullenbracht, gaff de Raht den Arbeiderluden averich tom besten 2 Schinken‟). — Aber auch die Ableitung von Hafen, so daß Havarie ursprünglich Hafengeld wäre, erregt Bedenken. Wohl hat in den romanischen Sprachen das Wort diese Bedeutung, dazu auch noch die von Ausgangszoll, aber da das Niederdeutsche sie nicht kennt, so ist schon aus diesem Grunde diese Erklärung durch Dietz mit Recht abgelehnt worden. Das Richtige wird sein, daß es von dem arabischen awar kommt, „gebrochen‟, auf Waren bezogen: Beschädigung. Wahrscheinlich kam das Wort mit dem Handel nach italienischen Seestädten und wurde da romanisiert; italienisch und portugiesisch avaria, spanisch averia und haberia, französisch avarie, niederländisch avary, havary, alles = Schaden an Schiff und (oder) Ladung. Über das Hinzukommen des h spricht sich Wilmanns, Deutsche Grammatik I 72 aus. Nachdem er von dem Wegfallen des h gesprochen hat, sagt er: „Hinzugefügt ist h in heischen, althochdeutsch eiscôn (wohl unter dem Einfluß von heißen), vielleicht in heikel, ferner in einigen mundartlichen Wörtern und in den fremden Hartschier (it. arsiero), Hawarie (frz. avarie, it. avaria). In anderen wie Hoboë (frz. hautbois), Harpune (ndl. harpoen, frz. harpon), Harlekin (früher frz. harlegin, jetzt arlequin) ist das stumme Zeichen zum Laut erhoben.‟ Wobei zu bemerken ist, daß das h in havarie doch am Ende im Gedanken an Hafen sich festgesetzt hat. — Havarie grosse oft auch bloß Grosse genannt, ist eigentlich nur „beträchtliche‟ Havarie, hat sich aber zu einem bestimmten seerechtlichen Begriff herausgebildet. Wenn es aber heißt mettre de l'argent à la grosse, so hat das mit Havarie grosse nichts zu tun, sondern es ist dabei zu ergänzen (à la grosse) avanture, d. h. Geld auf Bodmerei geben. — Schon Kilian hat das Wort in beiden Gestalten des Niederländischen: haverye und averye = jactura sive damnum in mari.

Heck, das, ist der hinterste oberste Teil des Schiffsrumpfes und bedeutet einen eingehegten Raum, d. h. einen solchen, der an drei Seiten mit einem Heck (= Hag, Hecke, Zaun, Einfassung) umgeben ist. Das Bild wird deutlicher wenn man bedenkt, daß, ähnlich wie bei Schiffen mit einer Kampanje, früher das Hinterteil nicht mit einer festen, massiven Bordwand sondern nur mit Stützen (vergl. Reeling) umgeben war, die etwa wie Zaunpfähle, nur weiter aus einander, standen und unter einander mit Tauen oder Ketten verbunden zu werden pflegten. Verwandt ist hegen = schützen, da das Heck vor dem Überbordfallen oder vielmehr vor dem Inswasserfallen schützen soll. Im Nordfriesischen ist heck ein kleiner, abgemachter Teil vor den Fenstern. Das „Bremer Wörterbuch‟ kennt hek als Zaun von Brettern, auch Tür eines Zaunes, „Heckgatter‟, Schlagbaum. In Holland ist es „een getralied — also ein gegittertes — afschutsel.‟ Ostfriesisch hek, Einfriedigung, Gitter, Gitterwand, Gitterpforte. — Heckbalken heißt der Hauptquerbalken, der die beiden Hauptteile des Achterschiffes scheidet, den unteren oder Spiegel und den oberen oder das Heck. Heckbord ist der Rand, die Reeling des Hecks, zu dem sich oder zu der sich die ursprünglichen einfachen Stützen allmählich ausgewachsen haben. Schon früh gab es Schiffe mit besonders hohem oder sonst bedeutsamem Heck, wie eine Urkunde der Gräfin Margaretha von Flandern aus dem Jahre 1252 zeigt: „Navis que dicitur Hegboth, que habet retro anulos ferreos debet Comiti IIII denarios et feodatis quatuor denarios; sie vero retro anulos ferreos non habuerit debet Comiti duos denarios et feodatis duos denarios.‟

Heckanker, s. Anker.

Heckdavit, s. Davit.

Heissen, s. hissen.

Helgen, s. Helling.

Hellegat, das, ein dunkler Raum ganz unten im Schiff in dem allerlei Material und Inventar aufbewahrt wird. Bootsmannshellegat, Zimmermannshellegat, Feuerwerkshellegat u. s. w. sind die Hellegats, wie die Mehrzahl des Wortes lautet, die unter der Verwaltung des betreffenden Deckoffiziers stehen. — Gat heißt Loch in allen hochdeutschen Bedeutungen, also auch, wie hier, im Sinne von: dunkler, kleiner Ort. Helle bedeutet etwas Ähnliches, nämlich einen (dunklen) Ort in dem man etwas verbergen, bergen, aufbewahren kann. Der richtige Sinn steckt in dem verwandten neuhochdeutschen hehlen. Dieser findet sich zwar auch in „Hölle‟, aber ohne daß man sagen dürfte, daß Hölle auf die Bedeutung und Benennung unseres Helle eingewirkt hätte, die beiden stehen vielmehr selbständig neben einander, denn hel oder helle bedeutet im Niederdeutschen und besonders im Ostfriesischen sowohl Hölle, (altnordisch hel, die Todesgöttin, Totenreich, Reich der Hel, Unterwelt) als Ort wo man etwas birgt, als auch 1. Loch, Höhlung, Vertiefung, Spalt, Graben, Wasserleitung, 2. den unteren, in der Regel fensterlosen und dunklen Raum in der Mühle, der als Bergeraum für die Geräte dient, 3. den dunklen Raum unter dem Werktische der Schneider, worin die beim Zuschneiden abfallenden Tuchreste geworfen werden, 4. das Aschenloch unter dem Herde zum Bergen der Asche, 5. unser Hellegat. Das — gat könnte also als tautologisch ganz wegfallen und der Sinn des Wortes bliebe derselbe. — Englisch hall; also ist Halle, was man kaum denken sollte, mit Hellegat nahe verwandt: Bergungsort.

Heling, die, ist ein Knoten oder Stek, mit dem zwei Taue an einander gebunden werden. Es gibt verschiedene Arten, die am elegantesten aussehende ist die Kreuzheling. Das deutsche Zeitwort halten, niederdeutsch holden, neigt, wie im Hochdeutschen so in verschiedenen anderen germanischen Sprachen stark nach e hin; „du hälst‟; altsächsisch haldan, held; angelsächsisch healdan, heold, englisch hold, held, altnordisch halda, helt. Es steht daher zu vermuten, daß Heling eigentlich Helding hieß, einen Knoten der hält, der zwei Taue zusammenhält, bezeichnend.

Helling, die; eine zum Wasser geneigte Ebene auf einer Werft, auf der ein neues Schiff gebaut wird, geneigt, damit es, wenn es fertig ist, beim Stapellauf die schiefe Ebene hinab in sein Element gleiten kann. Oft wird Helling auch für Werft selbst gebraucht, da bei ihr sich allerlei Schiffbauvorrichtungen (siehe Lastadie) befinden. Kommt von hellen, einer Assimilisation vom niederdeutschen helden = hängen, Hang und Neigung haben, neigen, überhängen, eine schräge, abschüssige, schiefe Ebene bilden; althochdeutsch heldan, mittelhochdeutsch helden, hellen, altnordisch halla; althochdeutsch halda, mittelhochdeutsch halde = Halde, Bergeshalde, Bergesabhang; verwandt wohl auch hold und Huld, im Sinne von jemandem geneigt sein. Hierher gehört der Name des Hafens „de Helder‟, Stadt auf der äußersten Spitze von Nordholland, deren Bewohner nicht in Helder, sondern „op den Helder‟ wohnen, so daß die Herkunft des Wortes von helder in der allgemeinen Bedeutung „Land das der See zugeneigt ist‟ sich von selbst ergibt. Und zwar ist Helder der sonstigen Bedeutung in Bezug auf die Lage außendeichs, auf den Seeanwuchs, auf die Fruchtbarkeit, genau dasselbe wie Groden, nur daß bei helder daran gedacht ist, daß das Neuland nach dem Deich zu ansteigt oder vielmehr nach der See zu abfällt, niedriger ist. Altfriesisch hilde = declivitas aggeris, helling der dijk. Im Jahre 1364 bekundet der Pastor Liuppold von Larrelt bei Emden einen Güterkauf: „Sunt autem predia infrascripta duo graminata in Cornmede, tria graminata in liteka Helum‟ etc. etc., zu gleicher Zeit kommt auch die Form helliken schon vor. Upheldinge hieß mittelniederdeutsch das Letzte im Faß, die Neige, weil man, wenns aufs Letzte geht, das Faß auf die heldinge = Helling, Neigung, legt. Bremer Wörterbuch: „de Tunne ligt up der Helnge‟; „van der Helnge drinken‟, von dem Rest aus dem Fasse trinken. Uhlenbeck, Gothisches Wörterbuch, vergleicht gothisch hallus, Fels (doch wohl auch im Sinne von Felsabhang) mit dem altnordischen hallr, Bergabhang, Fels, und setzt beide zu der indogermanischen Wurzel *kel heben, emporragen, so daß die Helling also doch nicht von oben, sondern von unten her den Namen bekommen hätte, nicht von der schief abfallenden, sondern von der schief ansteigenden Ebene. Aubin 1702: abatre un vaisseau = een schip doen hellen om te Kiel-halen, wo also das Aufdieseiteneigen des Schiffs gemeint ist. Kilian hat den weiteren Begriff helling als schepwerf, navale, neben dem Zeitwort helden = inclinare.

Helm, der. 1. Als Kopfbedeckung mit Hülle und Hellegat verwandt, als Schutz, Verbergung des Hauptes.